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Weihnachten mit Vollgas

Teil 12: Der Moment vor dem Knall

Die Lichter auf der Bühne blendeten. Musik pumpte durch den Platz. Kinder schrien vor Freude. Erwachsene klatschten im Takt, als wäre alles genau so, wie es sein sollte.

Und mittendrin stand Tom.

Roter Mantel. Weißer Bart. Breites Lächeln. Perfekt einstudiert.

Niemand sah, wie angespannt seine Schultern waren. Niemand bemerkte, dass seine Augen nicht lachten.

„Ho-ho-ho!“, rief er. Die Menge jubelte.

Tom winkte. Langsam. Berechnend.

Er zählte innerlich. Sekunden. Atemzüge.

Backstage hatte man ihm gesagt, er solle heute besonders fröhlich sein. Besonders sicher. Besonders normal.

Normal war das Letzte, was er fühlte.

Am Rand des Platzes standen Lea, Jonas, Sofia und Mehmet. Nicht zusammen. Nicht auffällig.

Aber sie sahen alle zur Bühne.

„Er spielt mit“, murmelte Jonas.

Lea nickte. „Noch.“

Sofias Handy vibrierte. Sie sah nicht sofort hin.

Erst als es ein zweites Mal vibrierte, zog sie es aus der Jacke.

Unbekannt: „Letzte Chance. Haltet euch zurück.“

Mehmet schnaubte leise. „Zu spät.“

Jonas’ Handy vibrierte ebenfalls.

user017_xd: „Nicht der Santa. Der Moment danach.“

Lea hob den Blick. „Hab ich mir gedacht.“

Auf der Bühne beugte sich Tom zu einem Kind hinunter. Hörte zu. Nickte. Lachte.

Perfekt.

Zu perfekt.

Lea beobachtete die Ränder der Bühne. Die Techniker. Die Kabel. Die Leute mit Headsets.

„Da“, flüsterte sie.

Jonas folgte ihrem Blick.

Der Mann mit dem Klemmbrett stand seitlich. Ruhig. Unauffällig.

Er sah nicht zu Tom. Er sah ins Publikum.

„Er wartet“, sagte Jonas.

„Worauf?“ fragte Mehmet.

Lea antwortete nicht sofort. Sie beobachtete, wie der Moderator näher an Tom trat.

„Auf den Übergang“, sagte sie schließlich. „Auf den Moment, in dem alle denken, es ist vorbei.“

Applaus brandete auf. Die Musik änderte sich.

Der Moderator trat vor. „Ein riesiger Applaus für unseren Weihnachtsmann!“

Jubel. Pfiffe. Lachen.

Tom winkte ein letztes Mal.

Dann trat er zurück.

Für eine Sekunde war er nur ein Mann im Kostüm, der die Bühne verließ.

Genau in diesem Moment sah Lea, wie der Mann mit dem Klemmbrett sein Headset berührte.

„Jetzt“, sagte sie leise.

Jonas’ Handy vibrierte.

Unbekannt: „Bleibt stehen.“

Lea ging los.

Nicht rennend. Nicht hektisch. Einfach entschlossen.

„Lea“, zischte Sofia.

„Wenn nicht jetzt, dann nie“, sagte Lea, ohne sich umzudrehen.

Jonas und Mehmet folgten.

Hinter ihnen tobte der Markt weiter. Vor ihnen begann etwas zu kippen.

Und keiner von ihnen wusste, ob das, was gleich passieren würde, alles zerstören oder endlich alles erklären würde.