Weihnachten mit Vollgas
Teil 13: Hinter der Bühne
Hinter der Bühne war es schlagartig ruhiger. Der Lärm vom Platz klang hier nur noch gedämpft, wie durch eine dicke Wand aus Stoff und Technik.
Lea ging vorneweg. Zielstrebig. Ohne sich umzusehen.
Jonas folgte dicht hinter ihr, Mehmet ein paar Schritte versetzt, Sofia zuletzt. So, dass sie nicht wie eine Gruppe wirkten.
Niemand hielt sie auf. Niemand fragte nach Pässen oder Berechtigungen. Genau das machte Lea nervös.
„Zu einfach“, murmelte Jonas.
Lea nickte. „Absicht.“
Zwischen Kabelkisten und Traversen sahen sie den Mann mit dem Klemmbrett wieder. Er stand an einem Monitor und beobachtete mehrere Kamerabilder gleichzeitig.
Tom war auf einem davon zu sehen. Er zog gerade den Bart ab. Sein Lächeln verschwand.
„Da ist er“, flüsterte Mehmet.
Der Mann bemerkte sie erst, als Lea direkt neben ihm stehen blieb.
„Ihr solltet hier nicht sein“, sagte er ruhig. Kein Ärger. Keine Überraschung.
„Doch“, sagte Lea. „Genau jetzt.“
Der Mann musterte sie. Vier Jugendliche. Keine Angst in den Augen. Nur Entschlossenheit.
„Ihr glaubt, ihr habt etwas verstanden“, sagte er.
„Nein“, antwortete Jonas. „Wir haben aufgehört, das zu glauben, was Sie uns sagen.“
Ein kaum sichtbares Lächeln huschte über das Gesicht des Mannes.
„Clever“, sagte er. „Aber zu spät.“
Sofia trat einen Schritt vor. „Was genau ist WinterSpark?“
Der Mann sah sie an. Dann die Monitore. Dann wieder sie.
„Eine Inszenierung“, sagte er. „Ein perfektes Erlebnis. Kontrolliert. Planbar. Sicher.“
„Manipuliert“, warf Mehmet ein.
„Kuratiert“, korrigierte der Mann ruhig.
Lea verschränkte die Arme. „Und Tom?“
„Ein Element“, sagte der Mann. „Wie die Lichter. Wie die Musik.“
„Wie wir?“, fragte Jonas.
Der Mann zögerte einen Moment. „Fast.“
In diesem Augenblick tauchte Tom hinter ihnen auf. Ohne Bart. Ohne Lächeln.
„Nein“, sagte Tom. „Nicht fast.“
Alle drehten sich um.
Tom sah den Mann an. „Ich bin kein Element. Und sie auch nicht.“
Der Mann seufzte. „Du hättest gehen sollen.“
Tom schüttelte den Kopf. „Ich wollte sehen, wer entscheidet.“
Stille.
Dann sagte der Mann: „Und jetzt?“
Lea sah zu den Monitoren. Zu den Menschen draußen. Zu den Kindern, die noch immer lachten.
„Jetzt“, sagte sie, „fangen wir an, die richtigen Fragen zu stellen.“
Der Mann lächelte nicht mehr.
Und zum ersten Mal wirkte er unsicher.