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Der Tag, an dem Marvin beschloss, Influencer zu werden

Teil 2

Nachdem sein Matcha-Video viral gegangen war, fühlte Marvin sich wie ein kleiner Star. Er hatte zwar noch keinen Werbevertrag, aber immerhin wurde sein Post von einer Meme-Seite geteilt, die ihm statt Geld nur drei lachende Emojis schickte. Trotzdem — Ruhm ist Ruhm.

Naturlich wollte Marvin nun nachlegen. Seine KI empfahl ihm, „einen persönlichen Touch“ zu zeigen. Also filmte er sich beim Wäschewaschen, in der Hoffnung, dass Authentizität ihm Sympathie einbringen würde.

Doch seine Waschmaschine sah im Video aus wie ein UFO, das gleich startet — blinkende Lichter, lautes Rumpeln, und Marvin, wie er heroisch danebenstand und tat, als hätte er alles im Griff.

Er postete:
„Laundry-Day — powered by Artificial Intelligence 🧼🤖✨“

Tom kommentierte sofort:
„Bro, deine Maschine klingt, als werde sie gleich ins All geschossen.“

Doch einige Zuschauer liebten es. Jemand schrieb: „Das ist das stressigste Hausgerät seit meiner Diplomarbeit.“ Ein anderer: „Ich fühle mich im Herzen gesehen.“

Damit bekräftigten sie Marvin in seiner waghalsigen Theorie, dass Chaos + Kamera = Content.

Gleichzeitig bekam er plötzlich Nachrichten:
„Wann kommt das nächste Reel? Wir brauchen mehr Alltagstragödien!“

Marvin spürte das erste Mal Druck. War das Influencer-Leben wirklich so glamourös? Oder war es hauptsächlich, Dinge zu filmen, bevor sie explodierten?

Zur Beruhigung beschloss er, Meditation auszuprobieren. Natürlich dokumentierte er sie — schließlich war er Influencer.

Doch während er seine Kamera positionierte, fiel sie vom Bücherstapel, landete in seinem Teebecher und filmte nur noch verzerrte Wasserbilder, die aussahen, als sei er in einem Aquarium gelandet.

Er stellte das Video trotzdem online.
„My Zen Journey“
Kommentare:
„Selten wurde Meditation so real dargestellt.“
„Wasser hat mehr Kontrolle als du.“

Marvin konnte nicht anders, als zu lachen. Vielleicht war er wirklich nicht dazu geboren, Ordnung zu produzieren — sondern episches Scheitern mit Stil.

Und während er so darüber nachdachte, vibrierte sein Handy: Eine Mikro-Tee-Firma fragte, ob er Interesse an einer Kooperation habe.

Marvin starrte auf die Nachricht:
„Es beginnt“, murmelte er und fühlte sich wie ein Matcha-Avenger.

Doch gleichzeitig wusste er: Wenn sein nächstes Reel nicht irgendwie Sinn ergibt, würde ihn das Internet schneller fallen lassen, als seine Kamera in den Tee gefallen war.

Und damit war klar: Sein Abenteuer hatte gerade erst begonnen.