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Der Ja-Wort-Joker: Oder warum man niemals eine Waschmaschine heiraten sollte.

Teil 5: Die Inquisition der Buttercreme

Mein Umzug in Mias Zimmer dauerte genau vier Minuten. Das lag vor allem daran, dass mein gesamter Besitz in drei Ikea-Tüten und einen Gaming-Stuhl passte, der dezent nach Käse-Nachos roch. „Der Stuhl bleibt draußen“, verfügte Mia sofort. Sie stand in der Tür ihres Zimmers, das so ordentlich war, dass man darin vermutlich eine offene Herzoperation durchführen könnte. „Wenn meine Oma diesen 'Thron der sozialen Isolation' sieht, weiß sie sofort, dass hier kein liebender Ehemann wohnt, sondern ein ungewaschener Troll.“

Lukas kam den Flur entlanggeschlurft und hängte unser „Verlobungsfoto“ aus dem Park direkt über Mias Schreibtisch. „Zack! Visuelle Bestätigung. Und Finn, zieh dir ein Shirt an, das keine Brandlöcher von Pizza-Resten hat. Oma Hildegard ist in zehn Minuten da.“

Oma Hildegard (74, ehemalige Oberzollrätin) kam nicht einfach an. Sie infiltrierte das Gebäude. Wir hörten das rhythmische Klacken ihrer Absätze im Treppenhaus – ein Geräusch, das mich an die Trommeln in Der Herr der Ringe erinnerte. Als Lukas die Tür öffnete, ignorierte sie ihn komplett. Sie schob sich an ihm vorbei, blieb im Flur stehen und schnupperte. „Es riecht nach Verzweiflung“, stellte sie fest. „Und billigem Reinigungsmittel.“

Dann fixierte sie mich. „Finn“, sagte sie. Es war keine Begrüßung, sondern die Feststellung einer Ordnungswidrigkeit. Mia stürmte nach vorne, um sie zu umarmen – es wirkte so natürlich wie ein schlechter Werbespot für Joghurt. „Lass gut sein, Mia“, sagte Hildegard und stellte eine riesige Kühlbox auf den Tisch. „Wir haben Arbeit. Die Torte. Und das Verhör.“

Wir setzten uns an den klebrigen Küchentisch. Hildegard holte drei Tortenstücke heraus: Marzipan, Zitrone und Schoko-Chili. „Wählt weise. Die Torte sagt viel über den Charakter einer Ehe aus.“ Bevor ich nach Schokolade greifen konnte, schoss sie das erste Projektil ab: „Finn, wie war das damals im Supermarkt? Wer hat die letzte Packung Maultaschen zuerst berührt?“

Mein Gehirn ging auf Standby. Maultaschen? Ach ja, die Legende von Lukas! „Ich!“, sagte ich gleichzeitig mit Mia, die „Sie!“ rief. „Ich meine“, korrigierte ich mich hastig, „ich hatte sie schon in der Hand, aber Mia hat mich mit so einem Blick fixiert, dass ich sie freiwillig losgelassen habe. Es war Einschüchterung auf den ersten Blick.“ „Liebe“, korrigierte Lukas vom Türrahmen aus. „Er meint Liebe.“

Hildegard verengte die Augen und schob sich ein Stück Zitrone in den Mund. „Und welche skandinavische Krimiserie habt ihr letzten Sonntag geschaut? Die mit dem einbeinigen Kommissar oder die, wo es immer regnet?“ Ich schwitzte. „Die, wo es regnet! Es regnet dort immer. Total deprimierend. Genau wie... unsere Liebe... äh, ich meine, tiefgründig!“ Mia trat mir unter dem Tisch gegen das Schienbein. „Wir schauen 'Der Fjord-Mörder'“, rettete sie die Situation.

Plötzlich stand Hildegard auf und steuerte Mias Zimmer an. Mein Herz rutschte in meine löchrigen Socken. Sie stieß die Tür auf und entdeckte direkt neben den Jura-Büchern meine mechanische Gaming-Tastatur, die in grellem Pink und Neongrün leuchtete. „Was ist das?“, fragte sie und hob das blinkende Teil hoch. „Ein... orthopädisches Lichttherapie-Gerät!“, improvisierte Lukas geistesgegenwärtig. „Für Mias Handgelenke. Finn hat es ihr gekauft. Aus purer Fürsorge.“

Hildegard sah von der blinkenden Tastatur zu mir. Ein winziges Zucken in ihrem Mundwinkel verriet, dass wir entweder gewonnen hatten oder sie bereits die Handschellen suchte. „Zitrone ist zu sauer für eine Hochzeit“, entschied sie plötzlich. „Wir nehmen Schokolade. Die überdeckt den bitteren Nachgeschmack. Und Finn? Wenn ich noch einmal eine Socke von dir im Flur finde, ziehe ich dir die Ohren lang. Wir sehen uns morgen beim Location-Check.“

Als sie die Tür hinter sich zuzog, sackten wir alle gleichzeitig zu Boden. „Sie weiß es“, flüsterte ich. „Sie weiß es definitiv.“ „Unsinn!“, rief Lukas und klatschte in die Hände. „Morgen geht’s in die Lagerhalle. Wir brauchen 50 Leute und ein Wunder.“