Der Ja-Wort-Joker: Oder warum man niemals eine Waschmaschine heiraten sollte.
Teil 8: Das Erbe der Tante Erna und die Statisten-Armee
Das Quietschen von Autoreifen kündigte das Ende unserer relativen Ruhe an. Ein silberner Kombi rollte auf den Hof der Lagerhalle, als wäre er ein gepanzertes Fahrzeug der UN-Friedenstruppen. „Sie sind da“, flüsterte Mia und krallte sich in ihren Brautstrauß, der im Grunde nur aus Disteln und ein paar welken Blumen bestand, die Lukas kurz zuvor aus einem Vorgarten „gerettet“ hatte.
Aus dem Wagen stieg Mias Mutter, Beate, eine Frau, die so viel Energie ausstrahlte, dass man mit ihr eine Kleinstadt beleuchten könnte. Und sie war nicht allein. Auf dem Beifahrersitz thronte er: Lohmeyer, der ausgestopfte Schwan. Er sah noch bösartiger aus als auf dem Foto. Seine Glasaugen schienen direkt in meine Seele zu blicken und dort nur Steuerschulden und schlechte Lebensentscheidungen zu finden.
„Mia! Finn-Alexander!“, rief Beate und stürmte auf uns zu. Sie wirbelte Mia herum und drückte mich so fest, dass ich kurzzeitig die Farbe meiner eigenen Lunge sah. „Diese Halle! So... mutig! So progressiv! Man riecht förmlich die harte Arbeit der Generationen vor uns.“ „Eher das Schmieröl der Gabelstapler“, murmelte ich, doch Lukas trat mir sofort gegen den Knöchel.
„Beate, ein Traum, dass du schon da bist!“, schleimte Lukas und griff sich sofort den Schwan aus dem Auto. „Lohmeyer! Er gibt dem Raum genau die patriarchale Schwere, die wir für das 'Industrial-Vintage'-Konzept brauchen.“
Während Beate begann, Mias Gesicht nach Anzeichen von Schwangerschaftsübelkeit abzusuchen, öffnete sich das Hallentor erneut. Die Ebay-Statisten trafen ein. Es war eine Gruppe von etwa zwanzig Leuten, die aussahen, als kämen sie direkt von einem Casting für einen dystopischen Science-Fiction-Film. Wie von Lukas befohlen, trugen fast alle Schwarz. Ein Typ mit einem Kinnbart und einer Baskenmütze kam auf mich zu.
„Ich bin Malte“, raunte er. „Ich spiele den 'traurigen Onkel aus der Pfalz', der ein dunkles Geheimnis hütet. Ist das okay für die Dramaturgie?“ „Äh, ja, sicher“, stammelte ich. „Hauptsache, du sagst nichts, was uns auffliegen lässt.“ „Verstanden“, sagte Malte und blickte sehnsüchtig in die Ferne. „Stille ist mein Handwerk.“
Basti, unser falscher Standesbeamtin Dr. von Vogelstein, versuchte derweil, seine Autorität zu behaupten, indem er sich hinter dem Panzertape-Altar aufbaute und wichtig in seinem leeren Notizbuch blätterte. Das Problem war nur, dass er immer noch den Geruch von Tiefkühl-Fischstäbchen aus seiner Zeit als Werbe-Pinguin verströmte.
„Wer ist der junge Mann im Rollkragen?“, fragte Beate misstrauisch und deutete auf Basti. „Das ist... Dr. von Vogelstein!“, rief Mia hastig. „Ein ganz enger Freund von Finn. Er ist Professor für... äh... angewandte Romantik an der Uni.“ Basti nickte würdevoll. „Die Liebe ist ein rostiger Nagel im Reifen der Ewigkeit“, dozierte er mit Grabesstimme.
Beate blinzelte. „Oh. Wie... tiefgründig. Finn, du hast wirklich interessante Freunde.“ „Du hast ja keine Ahnung“, sagte ich und sah zu, wie Lukas versuchte, den Schwan Lohmeyer so auf einer Europalette zu balancieren, dass er nicht vornüberkippte.
Plötzlich klatschte Lukas in die Hände. „Okay, Leute! Briefing! Wir machen einen Probelauf. Die Statisten setzen sich auf die Reifenstapel. Beate, du bekommst den Ehrenplatz neben dem Schwan. Finn, Mia, ihr stellt euch vor den Altar. Und Karl-Friedrich...“ – er blickte zur Ratte, die gerade unter einer Palette verschwand – „...du hältst dich bitte im Hintergrund.“
Wir nahmen unsere Positionen ein. Die Halle war erfüllt von einer absurden Stille, die nur durch das Tropfen von Wasser vom Dach unterbrochen wurde. Basti räusperte sich. „Wir haben uns heute hier versammelt, um Zeuge eines Verbrechens zu werden... ich meine, einer Vereinigung!“
Beate schniefte bereits in ihr Taschentuch. Die Ebay-Statisten starrten mit leerem Blick an die Decke. Es hätte klappen können. Doch dann passierte etwas, mit dem niemand gerechnet hatte: Das Geräusch eines zweiten Autos auf dem Hof. Ein Auto, das viel teurer klang als Beates Kombi.
„Oh nein“, flüsterte Mia und erbleichte. „Das ist der Mercedes meiner Oma. Und sie ist zwei Stunden zu früh.“
Der Ja-Wort-Joker stand kurz vor dem Platzen, noch bevor das erste Freibier ausgeschenkt war.