Der Ja-Wort-Joker: Oder warum man niemals eine Waschmaschine heiraten sollte.

Teil 15: Die Bescherung der Absurditäten

Nachdem das Sakko-Massaker notdürftig mit drei Sicherheitsnadeln und einer Menge Panzertape geflickt worden war, rief Lukas zur „Bescherung“ auf. Wir saßen auf unserem Thron aus Europaletten, Mia in ihrem zerknitterten Tüll und ich mit einem Rücken, der sich anfühlte, als hätte ich eine Begegnung mit einem Reißwolf gehabt.

„Bevor wir zu den... äh... flüssigen Aufmerksamkeiten kommen“, verkündete Lukas und fuchtelte mit einem Brieföffner herum, „haben wir noch ein ganz besonderes Highlight! Beate?“

Mias Mutter trat vor, die Augen immer noch gerötet von den „Tränen der Leidenschaft“, die unser Sturz bei ihr ausgelöst hatte. Sie schleppte einen schweren, mit braunem Packpapier umwickelten Gegenstand heran. „Das hier“, schniefte sie, „ist von Tante Erna. Sie konnte heute nicht dabei sein – ihr Ischias, ihr wisst schon –, aber sie wollte, dass ihr dieses Erbstück bekommt. Es hat bereits drei Generationen von Ehen in unserer Familie... überdauert.“

Mia und ich rissen das Papier auf. Zum Vorschein kam eine Wanduhr aus massivem Eichenholz, verziert mit geschnitzten Hirschen und einem Pendel, das aussah wie ein abgehackter hölzerner Fuß. „Sie schlägt jede volle Stunde“, flüsterte Beate ehrfürchtig. „Und sie erinnert uns daran, dass die Zeit der Liebe kostbar ist.“ „Oder dass jede Stunde die letzte sein könnte“, murmelte ich, während ich das Ungetüm skeptisch beäugte. Das Ding wog gefühlt eine Tonne.

In diesem Moment stolperte Basti, unser Dr. von Vogelstein, ins Rampenlicht. Er hatte inzwischen den Inhalt mehrerer Sektgläser intus und sein Rollkragenpullover war so nassgeschwitzt, dass er wie eine zweite Haut an ihm klebte. Er kletterte auf einen Stapel Reifen und breitete die Arme aus.

„HÖRT MIR ZU!“, rief er mit einer Stimme, die gefährlich nach einem Heulkrampf klang. „Die Uhr... die Uhr ist eine Metapher! Wir alle sind Pendel in einem Gehäuse aus Lügen! Finn! Mia! Ihr habt heute nicht nur geheiratet... ihr habt die Zeit besiegt! Ihr seid wie... wie zwei Socken in einer Waschmaschine, die sich im Schleudergang der Existenz gefunden haben!“

Die Statisten-Armee, die eigentlich kurz davor war, wegen des leeren Freibierfasses zu meutern, hielt inne. Malte, der 'traurige Onkel', begann leise zu klatschen. „Tiefgründig“, schluchzte er. „Einfach nur tiefgründig.“

Oma Hildegard stand derweil am Gabentisch und fing an, die Umschläge zu zählen. Sie war wie ein menschlicher Metalldetektor für Betrug. Sie zog einen Umschlag heraus, hielt ihn gegen das Licht und sah dann direkt zu uns herüber. „Mia“, rief sie durch die Halle. „Komm mal her. Onkel Herbert hat euch etwas geschenkt, das ich mir gerne genauer ansehen würde. Es sieht aus wie ein Gutschein für eine... 'gemeinsame Haushaltsberatung'?“

Mia erbleichte. „Eine Haushaltsberatung? Das ist... das ist bestimmt nur ein Scherz von Herbert!“ „Er meinte, ihr hättet Probleme mit den Nebenkosten“, sagte Hildegard mit einem Lächeln, das gefährlicher war als Karl-Friedrich die Ratte. „Ich habe ihm gesagt, dass ich das gerne für euch übernehme. Ich komme nächste Woche in die WG und schaue mir eure Buchhaltung an. Als Hochzeitsgeschenk.“

Mein Herz blieb stehen. Lukas, der gerade einen Umschlag mit „Reisegeld“ in seiner Hosentasche verschwinden lassen wollte, erstarrte zur Salzsäule. Wenn Oma Hildegard unsere Buchhaltung prüfte, würde sie nicht nur die zweitausend Euro Schulden finden, sondern auch die Quittungen für das Panzertape, die Ebay-Anzeige und Bastis Pinguin-Kostüm-Reinigung.

„Das ist... das ist toll, Oma!“, brachte Mia hervor, während sie versuchte, die Eichenuhr so zu halten, dass sie nicht auf ihre Füße fiel.

Basti auf seinem Reifenturm begann jetzt, „My Way“ zu summen, während Karl-Friedrich triumphierend über das Zifferblatt der neuen Uhr flitzte. Wir hatten zwar die Geldumschläge, aber die Zoll-Oma hatte gerade die Lunte an unser gesamtes Kartenhaus gelegt.