Der Ja-Wort-Joker: Oder warum man niemals eine Waschmaschine heiraten sollte.

Teil 18: Maultaschen-Roulette und Schwanen-Besuch

Das Quietschen der Wohnungstür klang in meinen Ohren wie die Fanfaren des Jüngsten Gerichts. Ich wirbelte herum, die Pfanne mit den halbgefrorenen Maultaschen in der Hand. Mia versuchte derweil, ihren Tüllberg so unter den Küchentisch zu stopfen, dass er nicht wie eine Braut aussah, sondern eher wie ein sehr voluminöser Teppichrest.

Oma Hildegard betrat die Küche. Ihr Hut streifte den Türrahmen, und ihr Blick scannte den Raum mit der Präzision eines Röntgengeräts. Sie blieb stehen, hob die Nase und schnupperte. „Lavendel?“, fragte sie kühl. „Hat hier jemand versucht, den Geruch von schlechtem Gewissen mit einer Parfümerie-Explosion zu überdecken?“

„Das ist Finns neues Duschgel, Oma!“, rief Mia etwas zu laut. „Er liebt es. Er sagt, es erinnert ihn an... an unsere gemeinsame Zukunft auf einem Feld in der Provence.“

Hildegard sah mich an. Ich trug immer noch das Sakko, dessen Rückennaht nur noch von drei Sicherheitsnadeln und der reinen Willenskraft des Panzertapes zusammengehalten wurde. „In der Provence trägt man also zerfetzte Konfirmationsanzüge beim Kochen?“, fragte sie und setzte sich an unseren wackeligen Küchentisch. „Setzt euch. Ich möchte, dass wir über die Zukunft sprechen. Und über Liechtenstein.“

Mia und ich ließen uns auf die Stühle sinken. Die Maultaschen in der Pfanne fingen an zu zischen, aber ich wagte es nicht, aufzustehen. „Dr. von Vogelstein war sehr... aufschlussreich“, fuhr Hildegard fort. „Nach dem fünften Glas Sekt hat er mir gestanden, dass er eine tiefe Verbindung zu Pinguinen hat. Er nannte es eine 'spirituelle Verwandtschaft durch Kälte und Fischstäbchen'.“

„Sicher“, sagte Hildegard. Sie beugte sich vor. „Und die fünfzig Gäste, die alle schwarze Rollkragenpullover trugen und sich nicht kannten? War das auch eine Metapher?“

In diesem Moment polterte es im Treppenhaus. Eine schwere Last schlug gegen die Wände, begleitet von einem unterdrückten Fluchen, das eindeutig nach Lukas klang. Die Küchentür flog auf und Lukas stolperte herein. Er war sichtlich angetrunken, sein Haar stand in alle Richtungen ab, und unter seinem rechten Arm klemmte der ausgestopfte Schwan Lohmeyer.

„LEUTE!“, brüllte er. „Die Party ist vorbei, aber der Schwan lebt! Onkel Herbert wollte ihn als Bowlingkugel benutzen, aber ich habe ihn gerettet!“ Lukas erstarrte, als er Oma Hildegard am Tisch sah. Er sah auf den Schwan, dann auf Hildegard, dann wieder auf den Schwan. „Oh. Hallo... Frau Oberzollrätin. Wir haben nur... äh... Lohmeyer zur Hochzeitsnacht gebracht. Er gehört zur Familie.“

Hildegard stand langsam auf. „Eine Ratte im Kleid, ein Pinguin am Altar und jetzt ein Schwan in der Küche“. Sie trat auf Lukas zu, der den Schwan wie einen Schild vor sich hielt. „Junger Mann, wissen Sie, was wir beim Zoll mit Leuten gemacht haben, die so schlecht schmuggeln wie Sie?“

Lukas schluckte. „Ihnen... einen Orden verliehen für die künstlerische Darbietung?“

„Nein“, sagte Hildegard. Sie nahm ihre Handtasche. „Wir haben gewartet, bis sie sich selbst verraten. Mia, Finn-Alexander... die Maultaschen brennen an.“ Sie ging zur Tür, blieb aber noch einmal kurz stehen. „Ich erwarte euch morgen um zehn Uhr zur offiziellen Geschenkübergabe. Bringt die Buchhaltung mit. Und Lukas? Lass den Vogel nicht fallen. Er ist das Einzige in diesem Raum, das weniger lügt als ihr alle zusammen.“

Als sie weg war, sackten wir alle zusammen. Die Küche war erfüllt vom Geruch verbrannter Maultaschen und dem starren Blick des Schwans. „Sie weiß es“, flüsterte Lukas und setzte Lohmeyer auf den Herd. „Sie weiß alles. Wir sind geliefert.“

„Nicht ganz“, sagte Mia und fischte einen Geldumschlag aus ihrem Tüll. „Wir haben das Geld. Wir müssen nur noch eine Nacht überstehen, ohne dass uns die Polizei oder die Steuerfahndung abholt.“