Der Ja-Wort-Joker: Oder warum man niemals eine Waschmaschine heiraten sollte.

Teil 20: Das Zoll-Finale oder: Ende gut, alles geschmuggelt

Der nächste Morgen um Punkt zehn Uhr. Die WG-Küche glänzte so sehr, dass man darin hätte operieren können, wenn man den Geruch von verbrannten Teigwaren ignorierte. Lukas hatte versucht, seine Nervosität wegzubügeln, indem er dem Schwan Lohmeyer eine kleine Fliege aus Panzertape gebastelt hatte.

Oma Hildegard saß am Kopfende des Tisches. Vor ihr lag nicht unsere chaotische Zettelsammlung, sondern ein perfekt sortierter Aktenordner. „Setzt euch“, sagte sie, und ihre Stimme klang nicht mehr wie ein Verhör, sondern wie ein Urteilsspruch mit Milde.

„Ich habe eure 'Buchhaltung' geprüft“, begann sie und tippte auf ein Blatt Papier. „Die zweitausend Euro für die Stadtwerke sind überwiesen. Den Rest des Geldes habe ich auf ein Sparkonto für 'echte Notfälle' gelegt – und nein, Lukas, ein leerer Bierkasten ist kein Notfall.“

Mia und ich hielten den Atem an. „Und die Verwandtschaft?“, fragte Mia leise. „Was sagst du denen?“

Hildegard lächelte ein dünnes, aber echtes Lächeln. „Ich habe Onkel Herbert erzählt, dass ihr euch für eine 'geheime, spirituelle Zeremonie' in Portugal entschieden habt und das Fest gestern nur eine Generalprobe für die Elite war. Er war so betrunken, dass er es geglaubt hat. Beate glaubt sowieso alles, was nach Schicksal klingt.“

Sie stand auf und strich ihren Mantel glatt. „Ihr seid schlechte Schauspieler, aber erstklassige Krisenmanager. Finn-Alexander, dein Sakko war eine Beleidigung für mein Handwerk, aber dein Blick, als Karl-Friedrich aus dem Kleid schoss... das war echtes Gold.“

Sie ging zur Tür, blieb aber kurz vor dem Schwan Lohmeyer stehen. „Behaltet den Vogel. Er erinnert euch daran, dass jede Lüge ein festes Fundament braucht – am besten aus Eichenholz oder Panzertape.“

Als die Tür ins Schloss fiel, herrschte eine Minute lang absolute Stille in der WG. „Wir sind frei?“, fragte Lukas ungläubig. „Wir sind schuldenfrei“, korrigierte Mia und sah mich an. „Aber wir sind immer noch verheiratet. Zumindest für die nächsten zweihundert Leute auf Facebook, die das Video von deinem gerissenen Sakko gelikt haben.“

Lukas schnappte sich seine Jacke. „Wisst ihr was? Ich gehe jetzt das Miet-WC zurückgeben. Wenn ich den Fahrer besteche, lässt er uns vielleicht die Kaution für die nicht genutzten Rollen Klopapier.“

Er verschwand, und plötzlich waren Mia und ich allein. In der Küche roch es immer noch vage nach Lavendel und dem Ende eines sehr langen Albtraums.

„Finn?“, sagte Mia und trat einen Schritt auf mich zu. Sie trug wieder ihren grauen Kapuzenpulli, keine sechs Meter Tüll mehr. „Ja?“ „Das mit dem Lavendel-Duschgel... du kannst es behalten. Aber wenn du jemals wieder versuchst, mich in einer Lagerhalle zu 'verstecken', verklage ich dich auf alles, was du nicht besitzt.“

Ich grinste. „Abgemacht. Und was machen wir jetzt mit dem restlichen Tag?“

Mia sah auf den Schwan Lohmeyer, dann auf die Pfanne mit den verbrannten Maultaschen. „Ich glaube, wir bestellen Pizza. Echte Pizza. Und wir teilen uns die Rechnung – wie eine ganz normale, total verlogene, glückliche Wohngemeinschaft.“

Ich nahm ihre Hand. „Klingt nach einem Plan. Aber wehe, du willst Maultaschen-Belag.“

Draußen vor dem Fenster zwitscherte ein Vogel – vielleicht war es auch nur Karl-Friedrich, der triumphierend über das Dach rannte. Die Heizung gluckerte zufrieden, die Schulden waren bezahlt, und irgendwo in Liechtenstein fragte sich ein echter Professor vermutlich gerade, warum sein Name auf einer Urkunde in einer staubigen Lagerhalle in Deutschland stand.

Es war die perfekte Hochzeit. Fast.

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