Die unsichtbare Pausenklingel

Teil 9: Die Entscheidung

Die Zeit lief wieder.

Der Junge rannte weiter.

Direkt auf die Tür zu.

„Jetzt!“, rief Leo.

Doch Emil blieb stehen.

„Nein.“

Alle drehten sich zu ihm um.

„Was meinst du mit nein?!“, rief Leo.

„Wir sollen ihn nicht aufhalten“, sagte Emil ruhig.

„Wir sollen ihn verstehen.“

„Das ist keine Zeit für Verstehen!“, rief Leo.

„Doch“, sagte Emil.

Und dann rannte er los.

Aber nicht, um den Jungen zu stoppen.

Sondern, um ihn einzuholen.

„Warte!“, rief Emil.

Der Junge drehte sich erschrocken um.

Er stolperte.

Und blieb stehen.

„Was willst du?“, fragte er.

Emil blieb vor ihm stehen.

„Warum hast du das genommen?“

Der Junge sah auf das Metallteil in seiner Hand.

„Damit die Pause länger bleibt.“

„Warum?“

Der Junge zögerte.

Dann sagte er leise:

„Weil ich nicht zurück in den Unterricht will.“

Stille.

„Warum nicht?“, fragte Emil vorsichtig.

Der Junge schluckte.

„Weil ich immer der Langsamste bin.“

„Alle anderen sind schneller.“

„Besser.“

„Und ich…“

Er sah auf den Boden.

„Ich schaffe es nie.“

Die anderen kamen näher.

Langsam.

Mila lächelte vorsichtig.

„Das stimmt nicht.“

Der Junge sah auf.

„Doch.“

Emil schüttelte den Kopf.

„Du hast etwas geschafft, das sonst niemand kann.“

Der Junge runzelte die Stirn.

„Was denn?“

Emil zeigte auf das Metallteil.

„Du hast die Zeit angehalten.“

Stille.

„Das ist ziemlich beeindruckend.“

Der Junge blinzelte.

„Wirklich?“

„Ja“, sagte Leo.

„Aber vielleicht… musst du die Zeit nicht anhalten, um mithalten zu können.“

Die kleine Klingel schwebte näher.

Kling…

Sanft.

„Die Zeit will dir helfen“, sagte Emil.

„Aber sie braucht das Teil zurück.“

Der Junge sah auf das Metallstück.

Dann auf die Klingel.

Dann auf die anderen.

Langsam…

…streckte er die Hand aus.

Und gab es zurück.

Kling!

Die Welt begann zu leuchten.

Heller.

Stärker.

Und plötzlich…

…begann alles zu verschwinden.