Im Jahr 2125 gab es eine ganz besondere Stadt.
Sie schwebte hoch über den Wolken. Und sie war voller Tiere.
Nicht einfach nur Tiere.
Sondern Tiere aus allen möglichen Orten:
Leuchtende Quallen, die durch die Luft schwebten. Streifenhörnchen mit neonfarbenen Streifen. Und sogar ein Roboter-Pinguin mit blinkenden Füßen.
Die Stadt hieß: Farbopolis.
Und dort war alles bunt.
Zumindest fast alles.
Denn ganz unten, am Rand der Stadt, lebte Kiko.
Ein kleiner Fleckfrosch.
Mit braunen Flecken.
Ganz normalen, unglänzenden, nicht-leuchtenden Flecken.
„Warum hast du keine Neonflecken?“, hatte ihn einmal ein fliegender Fisch gefragt.
„Oder wenigstens Glitzer?“, hatte ein Eichhörnchen ergänzt.
Kiko hatte nur mit den Schultern gezuckt.
„Ich bin einfach so.“
Doch das schien in Farbopolis nicht zu reichen.
Denn hier galt eine einfache Regel:
Je bunter, desto besser.
Und je gewöhnlicher…
…desto unsichtbarer.
Kiko hüpfte jeden Morgen zur Schule.
Doch niemand setzte sich neben ihn.
Nicht, weil er gemein war.
Sondern weil er „nicht besonders“ war.
„Du bist irgendwie… langweilig“, sagte einmal ein Chamäleon, das ständig seine Farbe wechselte.
Kiko sagte nichts.
Er mochte seine Flecken.
Aber manchmal…
…wünschte er sich, er wäre ein bisschen anders.
Ein bisschen leuchtender.
Ein bisschen mehr wie die anderen.
An diesem Tag passierte etwas Seltsames.
Sehr Seltsames.
Als Kiko durch die Stadt ging, flackerten plötzlich die Farben.
Erst leicht.
Dann stärker.
Die Neonstreifen eines Eichhörnchens wurden blass.
Die leuchtenden Quallen verloren ihr Glühen.
Und sogar die blinkenden Füße des Roboter-Pinguins…
…gingen aus.
„Was ist denn jetzt los?!“, rief jemand.
Die ganze Stadt wurde still.
Und plötzlich war alles…
…ein bisschen grauer.
Nur einer war noch genau so wie vorher.
Kiko.
Er sah sich um.
Und zum ersten Mal…
…starrten ihn alle an.