Die Stadt der tausend Farben

Teil 2: Wenn alles grau wird

Alle starrten Kiko an.

Nicht nur ein bisschen.

Sondern so, als hätten sie ihn noch nie gesehen.

„Warum… bist du noch farbig?“, fragte das Chamäleon vorsichtig.

Kiko blinzelte.

„Ich war doch schon immer so.“

Die anderen sahen an sich herunter.

Ihre Farben waren verschwunden.

Das Neon-Eichhörnchen war jetzt einfach nur… ein Eichhörnchen.

Die Quallen schwebten noch, aber ohne Leuchten.

Und der Roboter-Pinguin?

„Meine Blinkfüße funktionieren nicht mehr!“, piepte er panisch.

„Das ist eine Katastrophe!“, rief jemand.

„Die Farben sind weg!“, rief ein anderer.

Durcheinander.

Panik.

Kiko stand mittendrin.

Und verstand gar nichts.

„Vielleicht… ist das nur ein Fehler“, sagte er leise.

„Ein Fehler?!“, rief das Chamäleon. „Meine Farben sind mein ganzes Leben!“

„Ohne Farben bin ich… niemand“, flüsterte das Eichhörnchen.

Kiko schaute sie an.

„Ihr seid doch immer noch ihr.“

Doch niemand hörte ihm zu.

In diesem Moment ertönte eine Stimme aus den Lautsprechern der Stadt.

„Achtung, Farbopolis!“

Es war die Bürgermeisterin. Eine alte Eule mit riesigen, goldenen Augen.

„Wir haben einen totalen Farbausfall.“

„Alle Bürger bleiben bitte ruhig.“

„Unsere Techniker arbeiten bereits an einer Lösung.“

Der Roboter-Pinguin hob die Flosse. „Ich bin Techniker!“

„Und?“, fragte Leo… äh, nein – hier war es ein Waschbär.

Der Pinguin piepte traurig. „Ich habe keine Ahnung.“

Die Eule fuhr fort:

„Bis wir das Problem gelöst haben, gilt eine neue Regel.“

Stille.

„Alle Tiere ohne funktionierende Farben bleiben bitte im Zentrum der Stadt.“

„Zur Sicherheit.“

Ein Murmeln ging durch die Menge.

Dann sagte jemand: „Und was ist mit ihm?“

Alle blickten wieder zu Kiko.

„Er ist… anders“, sagte das Chamäleon.

„Er hat keine Farben verloren.“

Die Eule sah Kiko lange an.

Sehr lange.

Dann sagte sie:

„Du kommst mit mir.“

Kiko schluckte.

„Warum ich?“

Die Eule antwortete ruhig:

„Weil du vielleicht der Einzige bist… der nie etwas verloren hat.“

Und plötzlich hatte Kiko das Gefühl…

…dass seine ganz normalen Flecken gar nicht mehr so normal waren.