Jonas blieb vor der halb geöffneten Tür stehen.
Die Stimmen dahinter waren jetzt klar zu hören.
Mehrere Leute redeten durcheinander. Lachen. Gespräche. Gläserklirren.
Es klang… vertraut.
Zu vertraut.
Jonas legte die Hand an die Tür.
Er zögerte.
„Etwas, das du kennst“, hatte der Mann gesagt.
Und diesmal musste er es nicht erst sehen, um es zu wissen.
„Das wird richtig unangenehm…“, murmelte Jonas.
Dann drückte er die Tür auf.
Sofort schlug ihm warme Luft entgegen.
Und Licht.
Hell, gelblich, gemütlich.
Jonas trat hinein.
Er stand in einem Wohnzimmer.
Ein ganz normales Wohnzimmer.
Sofa. Tisch. Snacks. Getränke.
Und mehrere Leute.
Seine Freunde.
Ben, Leon, Sarah und zwei andere aus seiner Klasse.
Sie saßen zusammen, lachten, redeten.
Niemand bemerkte Jonas.
Er stand einfach da.
Unsicher.
Und dann verstand er.
Das war der Abend vor ein paar Tagen.
Die Einladung.
Die er… abgesagt hatte.
„Ich hab keine Zeit“, hatte er geschrieben.
Was nicht stimmte.
Er hatte einfach keine Lust gehabt.
Und jetzt…
war er hier.
Mitten drin.
Aber irgendwie… nicht wirklich.
„Okay…“, flüsterte Jonas.
Er machte einen Schritt näher.
Die Gespräche wurden klarer.
„Schade, dass Jonas nicht da ist“, sagte Sarah.
Jonas blieb stehen.
Sein Blick ging sofort zu ihr.
„Ja“, sagte Ben. „Er sagt in letzter Zeit öfter ab.“
Jonas spürte, wie sich etwas in seiner Brust zusammenzog.
„Vielleicht hat er einfach keinen Bock mehr auf uns“, meinte Leon halb lachend.
Einige lachten kurz.
Nicht böse.
Aber auch nicht ganz locker.
Jonas’ Hände wurden kalt.
„Ist doch egal“, sagte einer der anderen. „Wir sind ja genug.“
Wieder Lachen.
Jonas stand da.
Und wusste nicht, wohin mit sich.
Er konnte nichts sagen.
Sie konnten ihn nicht sehen.
Aber er hörte alles.
Und diesmal…
tat es mehr weh als alles vorher.
„Ich hätte einfach kommen sollen…“, murmelte er.
Die Szene lief weiter.
Die Gespräche drehten sich. Andere Themen. Andere Witze.
Aber immer wieder fiel sein Name.
Kurz.
Nebenbei.
Und jedes Mal fühlte es sich unangenehm an.
Nicht dramatisch.
Aber… echt.
Nach einer Weile stand Sarah auf und ging Richtung Tür.
Direkt auf Jonas zu.
Er erschrak und wich zurück.
Doch sie ging einfach an ihm vorbei.
Natürlich.
Sie konnte ihn nicht sehen.
Jonas drehte sich langsam um.
Die Tür, durch die er gekommen war, war noch da.
Einfach.
Offen.
Er könnte gehen.
Wie beim Test.
Wie bei Station 1.
Nur diesmal…
fühlte es sich anders an.
Es ging nicht darum, etwas zu können.
Sondern darum, was er getan hatte.
Oder eben nicht.
Jonas sah wieder zu seinen Freunden.
Sie lachten gerade über irgendetwas.
Ganz normal.
Ohne ihn.
„Ich hab das selbst so gemacht…“, sagte er leise.
In diesem Moment veränderte sich etwas.
Die Szene stockte kurz.
Ganz leicht.
Fast unmerklich.
Jonas spürte es trotzdem.
Als würde der Raum auf ihn reagieren.
„Und jetzt?“
Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
Plötzlich hörte er eine bekannte Stimme hinter sich.
Der Mann.
„Du kennst die Möglichkeiten.“
Jonas drehte sich nicht um.
Er wusste auch so, dass er da war.
„Ich kann gehen“, sagte Jonas leise.
„Ja.“
„Und dann?“
„Dann bleibt es so.“
Jonas schloss kurz die Augen.
Er wusste genau, was das bedeutete.
Diese Situation würde einfach… bestehen bleiben.
Unverändert.
Ungesagt.
Er öffnete die Augen wieder.
„Und die andere Möglichkeit?“
Diesmal dauerte es einen Moment, bis der Mann antwortete.
„Du greifst ein.“
Jonas runzelte die Stirn.
„Wie denn? Die sehen mich doch nicht.“
„Noch nicht“, sagte der Mann ruhig.
Jonas spürte, wie sein Herz wieder schneller schlug.
„Und wenn ich das mache?“
„Dann änderst du etwas.“
Jonas sah wieder zu seinen Freunden.
Ben erzählte gerade etwas. Die anderen hörten zu.
Alles normal.
Und genau das war das Problem.
Er ballte leicht die Hand.
„Das wird peinlich…“
Der Mann antwortete ruhig:
„Ja.“
Jonas atmete tief ein.
Dann setzte er einen Schritt nach vorne.
Und noch einen.
Direkt in den Raum hinein.
„Okay…“, murmelte er.
„Dann machen wir das jetzt richtig.“
In diesem Moment flackerte das Licht kurz.
Und einer der Köpfe drehte sich.
Langsam.
Direkt in Jonas’ Richtung.