Jonas blieb stehen.
Ben sah direkt in seine Richtung.
Für einen Moment bewegte sich niemand.
Die Zeit schien stillzustehen.
Dann runzelte Ben leicht die Stirn.
„…Habt ihr das gesehen?“
Die anderen drehten sich um.
Jonas’ Herz raste.
„Okay… jetzt gibt’s kein Zurück mehr…“, flüsterte er.
Er trat einen Schritt weiter in den Raum.
Und diesmal…
wurde er gesehen.
Sarahs Augen wurden groß.
„Jonas?“
Stille.
Die anderen sahen ihn ebenfalls an.
Verwirrt.
Überrascht.
Ein bisschen misstrauisch.
„Äh…“, begann Jonas.
Seine Stimme klang plötzlich ganz normal.
Nicht mehr gedämpft.
Ganz echt.
„Ich… weiß, das ist jetzt komisch…“
Er kratzte sich nervös am Hinterkopf.
„Ich hätte einfach kommen sollen.“
Niemand sagte etwas.
Die Blicke blieben auf ihm.
Jonas zwang sich weiterzureden.
„Ich hab gesagt, ich hab keine Zeit… aber das stimmt nicht.“
Ein kurzer Moment der Stille.
Dann zuckte Ben mit den Schultern.
„Warum bist du dann nicht gekommen?“
Jonas atmete tief ein.
Das war der Punkt.
Der unangenehme Teil.
„Keine Ahnung…“, sagte er ehrlich.
„Ich hatte einfach keine Lust. Und dann war’s mir zu blöd, das zu sagen.“
Wieder Stille.
Diesmal länger.
Jonas spürte, wie ihm das Gesicht heiß wurde.
„Und…“, fügte er hinzu, „das war irgendwie… dumm.“
Sarah sah ihn an.
Dann musste sie plötzlich lachen.
Nicht gemein.
Einfach ehrlich.
„Ja, war es“, sagte sie.
Ein paar der anderen grinsten.
Die Spannung im Raum löste sich.
Einfach so.
Ben schüttelte leicht den Kopf.
„Du bist echt ein Idiot manchmal.“
Jonas nickte sofort.
„Ja.“
Ein kurzer Moment.
Dann sagte Ben:
„Setz dich halt.“
Jonas blinzelte.
„Echt jetzt?“
„Ja, was denn sonst?“
Ein paar schoben ihre Stühle zur Seite.
Platz wurde frei gemacht.
Ganz normal.
Als wäre nichts gewesen.
Jonas setzte sich langsam.
Er konnte es kaum glauben.
Die Gespräche gingen weiter.
Locker.
Einfach.
Und diesmal…
war er dabei.
Nach ein paar Minuten begann die Szene zu flackern.
Erst ganz leicht.
Dann stärker.
Jonas sah sich um.
Die Stimmen wurden leiser.
Die Farben verblassten.
„Okay…“, murmelte er.
„Ich glaube, das war’s.“
Er stand auf.
Die Tür erschien wieder am Rand des Raumes.
Diesmal ohne Zögern ging er darauf zu.
Er öffnete sie.
Und trat hindurch.
Im nächsten Moment stand er wieder im Zug.
Im Gang.
Alles war ruhiger.
Stabiler.
Der Mann in der Uniform stand dort.
Und diesmal…
lächelte er deutlich.
„Du hast es verstanden“, sagte er.
Jonas atmete tief durch.
„Ich glaub schon…“
Er ging zurück ins Personalabteil.
Der Ordner lag noch da.
Er schlug ihn auf.
Sein Eintrag war jetzt vollständig.
14:37 – Jonas Weber – weitergefahren
Darunter stand:
Station 1 ausgelassen
Station 2 bestanden
Station 3 bestanden
Und ganz unten:
Fahrt beendet
Jonas starrte darauf.
Ein ruhiges Gefühl breitete sich in ihm aus.
Kein Stress mehr.
Keine Anspannung.
Einfach… klar.
Der Zug wurde langsamer.
Ganz langsam.
Dann kam er zum Stillstand.
Jonas ging zurück in den Gang.
Die Tür am Ende stand offen.
Helles Licht fiel hinein.
Er trat hinaus.
Und stand wieder am alten Bahnhof.
Der kaputte Zaun.
Die rostigen Gleise.
Alles wie vorher.
Nur die Uhr über dem Eingang…
lief wieder.
Jonas sah auf seine Hand.
Der Schlüssel war verschwunden.
Langsam ging er zurück durch das Gelände.
Als er den Zaun erreichte, blieb er kurz stehen.
Er drehte sich noch einmal um.
Der Bahnhof wirkte still.
Ganz normal.
So, als wäre nichts passiert.
Jonas atmete tief ein.
Dann ging er nach Hause.
Am nächsten Tag schrieb er Ben eine Nachricht:
„Bin beim nächsten Mal dabei.“
Und diesmal meinte er es ernst.