Die verrückte Lieferung

Teil 2 – Verfolgung durch den Hausflur

Lio starrte den Kühlschrank an. „Wie bitte soll ich dich verstecken? Du bist größer als mein Bett und wahrscheinlich schwerer als ein Nilpferd!“

Der Kühlschrank antwortete sofort: ICH WIEGE 312 KILOGRAMM. NILPFERDE SIND SCHWERER.

„Das hilft mir gerade überhaupt nicht“, murmelte Lio nervös.

Draußen im Treppenhaus hörte man metallische Schritte. Langsam. Gleichmäßig. Bedrohlich.

Klonk. Klonk. Klonk.

Keks fuhr hektisch im Kreis. „Analyse abgeschlossen. Das sind Sicherheitsdrohnen vom Typ SECURITRON-X.“

„Und was machen die?“

„Normalerweise kontrollieren sie Lieferfehler.“ Lio atmete kurz erleichtert auf. Doch dann ergänzte Keks: „Manchmal schießen sie auch Türen auf.“

„WAS?!“

„Aber nur selten.“

Der Kühlschrank summte leise. ICH EMPFEHLE EINE SOFORTIGE FLUCHT.

Lio verschränkte die Arme. „Moment mal. Woher weiß ich überhaupt, dass du nicht gefährlich bist?“

Auf dem Display erschien kurz ein drehender Ladekreis. Danach stand dort: ICH HABE NOCH NIE JEMANDEN GETÖTET.

Lio starrte ihn an. „Das ist eine unglaublich schlechte Antwort.“

Plötzlich blinkte das Licht im Flur rot auf. Eine Computerstimme erklang: „Wohnung 48-B. Öffnen Sie bitte freiwillig die Tür.“

Keks zeigte nun eine panische Kartoffel auf seinem Display. „Die Betonung auf freiwillig gefällt mir überhaupt nicht.“

Lio dachte fieberhaft nach. Dann schnippte er mit den Fingern. „Keks! Fahr in die Küche und mach Chaos!“

„Chaos ist normalerweise verboten.“

„Heute nicht!“

Keks raste sofort los. Sekunden später hörte man scheppernde Töpfe, einen Alarmton und die automatische Stimme des Backofens:

„WARNUNG. DIE PIZZA WIRD KRITISCH SCHWARZ.“

Lio rief verwirrt: „Wir hatten doch gar keine Pizza!“

„Jetzt schon“, antwortete Keks stolz aus der Küche.

Währenddessen packte Lio den Kühlschrank an der Seite. „Okay… irgendwie müssen wir dich bewegen.“

Zu seiner Überraschung setzte sich der Kühlschrank plötzlich selbst in Bewegung und rollte lautlos durchs Wohnzimmer.

„Du kannst fahren?!“

NATÜRLICH. ES IST DAS JAHR 2100.

„Stimmt auch wieder.“

Genau in diesem Moment klopfte es laut an der Tür.

„Sicherheitskontrolle“, sagte eine tiefe Roboterstimme. „Bitte öffnen.“

Keks raste zurück aus der Küche. Hinter ihm quoll dunkler Rauch hervor. „Kleine Nebeninformation“, sagte er. „Der Backofen hat Angst.“

„Wie kann ein Backofen Angst haben?“

„Modell ab 2097.“

Es klopfte erneut, diesmal deutlich lauter. „Letzte Aufforderung.“

Lio blickte hektisch durchs Wohnzimmer. Unter dem Tisch? Unmöglich. Badezimmer? Viel zu klein. Balkon? Vielleicht…

„Kühlschrank! Kannst du fliegen?“

Kurze Pause.

LEIDER NEIN. ICH BIN EIN KÜHLSCHRANK.

„War einen Versuch wert.“

Dann öffnete der Kühlschrank plötzlich seine Tür. Auf der Rückwand erschien diesmal kein Text, sondern eine Karte von Neu-Stuttgart. Ein roter Punkt blinkte mitten in der Stadt.

Darunter stand: ZIELORT: U-BAHN-STATION 17

„Was ist dort?“ fragte Lio leise.

Der Kühlschrank antwortete sofort: DORT FINDET IHR DIE WAHRHEIT.

„Das klingt extrem nach Ärger.“

Draußen hörte man plötzlich ein scharfes elektrisches Geräusch. Die Wohnungstür begann langsam orange zu glühen.

Keks piepste hektisch. „Ähm… schlechte Nachricht.“

„Welche?“

„Sie schneiden gerade die Tür auf.“

Lio sah den Kühlschrank an. Der Kühlschrank sah Lio an. Keks zeigte inzwischen eine brennende Kartoffel.

Dann sagte der Kühlschrank ruhig:

ICH HABE EVENTUELL EINEN FLUCHTPLAN.