Die verrückte Lieferung

Teil 3 – Flucht durch den Müllschacht

Die Wohnungstür glühte inzwischen so stark, dass kleine Rauchwolken aufstiegen. Irgendetwas arbeitete sich von außen durch das Metall.

Lio machte einen Schritt rückwärts. „Also schön. Jetzt wäre wirklich ein guter Zeitpunkt für deinen Fluchtplan.“

Der Kühlschrank ließ seine Innenbeleuchtung kurz aufblinken. IN DER KÜCHE GIBT ES EINEN WARTUNGSSCHACHT.

Keks hob einen Finger. „Technisch gesehen ist das ein Müll-Notfall-Transportsystem.“

„Das klingt nur wie ein besonders kompliziertes Wort für Müllschacht.“

„Korrekt.“

Die Tür krachte laut. Ein glühender Schnitt zog sich langsam quer durch das Metall.

„Okay!“, rief Lio. „Keine Zeit mehr. Wo ist dieser Schacht?“

Keks raste sofort in die Küche. Lio und der Kühlschrank folgten ihm. Dort angekommen zog Keks eine kleine Metallplatte unter der Spüle weg.

Darunter befand sich tatsächlich ein großer Schacht mit einer silbernen Röhre, die steil nach unten führte.

Lio blickte hinein. „Das ist niemals sicher.“

Keks überprüfte kurz seine Datenbank. „Die Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen liegt bei nur dreiundzwanzig Prozent.“

„NUR?!“

In diesem Moment ertönte aus dem Wohnzimmer ein dumpfer Knall. Offenbar war ein Teil der Wohnungstür bereits herausgebrochen.

Eine kalte Roboterstimme hallte durch die Wohnung:

„SICHERHEITSKONTROLLE. BLEIBEN SIE RUHIG.“

„Die sagen dauernd, man soll ruhig bleiben“, murmelte Lio. „Das macht mich überhaupt nicht ruhig.“

Der Kühlschrank rollte bereits Richtung Schacht. ICH PASSE HINDURCH.

Lio starrte ihn an. „Das Ding ist vielleicht einen Meter breit! Wie willst du da durchpassen?“

Der Kühlschrank antwortete nicht. Stattdessen begann er plötzlich zu summen.

Dann geschah etwas vollkommen Verrücktes.

Die Seiten des Kühlschranks klappten langsam nach innen. Die gesamte Maschine wurde schmaler, kleiner und kompakter, bis sie plötzlich kaum breiter als eine Waschmaschine war.

Keks piepste begeistert. „Ohhh! Flexible Titan-Verbundplatten! Sehr teuer!“

„Du kannst dich zusammenfalten?!“

PREMIUM-AUSSTATTUNG.

Im Wohnzimmer krachte es erneut. Jetzt hörte man schwere Schritte näherkommen.

„Wohnung gesichert“, sagte eine mechanische Stimme.

Lio schluckte. „Okay. Wir springen da jetzt wirklich rein?“

Keks nickte. „Alternative Möglichkeit: Verhaftung.“

„Dann lieber Müllschacht.“

Der Kühlschrank ließ sich zuerst in die silberne Röhre fallen und verschwand mit einem dumpfen Rumpeln nach unten.

Keks fuhr direkt hinterher.

Lio blieb nur noch eine Sekunde Zeit. Schon hörte er metallische Schritte in Richtung Küche kommen.

Er kletterte hastig in den Schacht.

Genau in diesem Moment erschien eine große Sicherheitsdrohne in der Küchentür.

Sie war fast zwei Meter groß, komplett schwarz und hatte statt Augen nur eine rote Sensorleiste.

„IDENTITÄT BESTÄTIGEN“, sagte sie kalt.

Lio antwortete nicht.

Er stieß sich ab.

Sofort schoss er durch die glatte Röhre nach unten. Der Fahrtwind rauschte ihm um die Ohren.

„AAAAAAAAAHHHH!“

Die Röhre machte plötzlich eine scharfe Kurve. Lio wurde herumgeschleudert und krachte gegen die Wand.

Unter ihm hörte er Keks schreien:

„ICH HABE KEINEN SICHERHEITSGURT!“

Dann wurde alles dunkel.

Sekunden später schoss Lio unten aus der Röhre heraus und landete mitten auf einem riesigen Haufen Verpackungsmüll.

„Uff…“

Neben ihm steckte Keks kopfüber in einem alten Karton. Nur seine Räder ragten noch heraus.

Der Kühlschrank stand dagegen völlig ruhig neben ihnen, als wäre überhaupt nichts passiert.

FLUCHT ERFOLGREICH.

„Das war NICHT erfolgreich!“, keuchte Lio. „Ich glaube, mein Rücken hat gerade gekündigt.“

Plötzlich ertönte über ihnen ein metallisches Geräusch.

Die Sicherheitsdrohne hatte den Schacht erreicht.

Eine rote Lampe leuchtete von oben herab.

Keks zog langsam seinen Kopf aus dem Karton. Auf seinem Display erschien eine zitternde Kartoffel.

„Ähm… schlechte Nachricht.“

„Bitte nicht schon wieder.“

„Sie kommen hinterher.“

Im selben Moment sprang die erste Sicherheitsdrohne in den Schacht.