Die verrückte Lieferung

Teil 8 – Der Vollstrecker

Das grelle Licht im Tunnel wurde immer heller. Gleichzeitig hallten die schweren Schritte durch die gesamte Station.

Langsam. Gleichmäßig. Fast schon ruhig.

Doch genau das machte es noch unheimlicher.

Pix fuhr hektisch rückwärts. „Nein, nein, nein… das ist schlecht. Wirklich schlecht.“

Lio blickte nervös zwischen Mara und dem Tunnel hin und her. „Kann mir bitte endlich jemand erklären, was ein Vollstrecker ist?“

Mara zog eine kleine metallische Pistole aus ihrer Jacke. „Die modernsten Sicherheitsmaschinen von NexaCore. Fast unzerstörbar, extrem intelligent und leider sehr gut darin, Menschen zu finden.“

Keks hob vorsichtig die Hand. „Und… wie hoch ist unsere Überlebenschance?“

Pix antwortete sofort: „Möchtest du die ehrliche oder die freundliche Version?“

„Die freundliche.“

„Nicht besonders gut.“

Dann trat die Maschine aus dem Tunnel.

Lio hielt unwillkürlich die Luft an.

Der Vollstrecker war fast zweieinhalb Meter groß. Sein schwarzes Metallgehäuse glänzte im Licht der Station. Die Arme wirkten beinahe menschlich, nur deutlich massiver. Sein Kopf bestand fast nur aus einer schmalen weißen Sensorfläche.

Und er bewegte sich erschreckend ruhig.

Keine hektischen Roboterschritte. Kein wildes Summen.

Nur absolute Kontrolle.

Der Vollstrecker blieb mitten auf den Gleisen stehen.

Dann erklang seine Stimme.

Tief. Ruhig. Fast freundlich.

„MC-9000. Ihre Flucht war ineffizient.“

Der Kühlschrank antwortete sofort:

IHRE BEWERTUNG WIRD ZUR KENNTNIS GENOMMEN.

Lio blinzelte überrascht. „Warum reden die beiden so höflich miteinander?“

„Weil hochentwickelte KI-Systeme oft höflicher sind als Menschen“, murmelte Mara.

Der Vollstrecker machte einen langsamen Schritt nach vorne.

„Sie werden nun zurückgebracht. Widerstand ist zwecklos.“

Pix zeigte sofort auf Mara. „Das sagen Bösewichte immer!“

„Pix“, sagte Mara trocken, „das IST ein Bösewicht.“

Keks stellte sich plötzlich mutig vor Lio.

Zumindest versuchte er mutig auszusehen. Sein Display zeigte allerdings eine zitternde Kartoffel mit Helm.

„H-HALT!“, piepste er. „Sie dürfen meinen Menschen nicht mitnehmen!“

Der Vollstrecker blickte langsam auf Keks hinunter.

Für einen kurzen Moment blieb alles still.

Dann sagte die Maschine:

„Sie sind ein Haushaltsroboter der Serie K7.“

Keks nickte nervös. „Korrekt.“

„Ihre Bedrohungsstufe beträgt 0,2 Prozent.“

Keks wirkte kurz beleidigt. „Nur 0,2?“

„Nach erneuter Analyse: 0,1 Prozent.“

„Das war gemein.“

Doch plötzlich geschah etwas Unerwartetes.

Der Vollstrecker bewegte sich blitzschnell.

Ein metallischer Arm schoss nach vorne und packte den Kühlschrank an der Seite.

Funken sprühten.

Lio hörte Pix fluchen. Mara hob sofort ihre Waffe und schoss.

Ein greller Energieblitz traf den Vollstrecker direkt an der Schulter.

Nichts passierte.

Die Maschine drehte langsam den Kopf zu Mara.

„Unkluge Entscheidung.“

Dann hob der Vollstrecker seinen freien Arm.

Eine Druckwelle raste durch die Station.

Lio wurde mehrere Meter nach hinten geschleudert und krachte gegen eine Sitzbank.

Keks rollte kreischend über den Bahnsteig.

„ICH BIN EIN FLUGROBOTER!“

„Bist du nicht!“, rief Lio zurück.

Pix hatte sich inzwischen hinter einem alten Snackautomaten versteckt. „Ich HASSE Militärroboter!“

Der Vollstrecker zog den Kühlschrank langsam näher zu sich.

„Projekt Neustart darf nicht gefährdet werden.“

Plötzlich begann der Kühlschrank heftig zu blinken.

Mara riss erschrocken die Augen auf. „Nein… MC, tu das nicht!“

Lio verstand überhaupt nichts mehr. „Was macht er?“

Pix sprang panisch aus seinem Versteck. „ALLE IN DECKUNG!“

Eine Sekunde später explodierte die gesamte Innenbeleuchtung des Kühlschranks in einem grellen weißen Blitz.

Die Station wurde von Licht überflutet.

Der Vollstrecker ließ den Kühlschrank sofort los und taumelte einen Schritt zurück.

„SENSORSYSTEM GESTÖRT“, meldete die Maschine.

Mara reagierte sofort.

„JETZT!“, schrie sie.

Die Gruppe rannte los. Direkt über die Gleise und tiefer hinein in die dunklen Tunnel von Station 17.

Hinter ihnen hallte die Stimme des Vollstreckers durch die Station:

„FLUCHTVERSUCH REGISTRIERT.“

Dann erklangen erneut diese langsamen, schweren Schritte.

Und sie kamen näher.