Die Gruppe rannte durch den dunklen Tunnel. Über ihnen tropfte Wasser von alten Rohren, während irgendwo in der Ferne Alarmsirenen heulten.
Lio keuchte schwer. „Wie… kann… dieses Ding… so schnell sein?“
Pix raste neben ihm her. „Weil NexaCore Milliarden dafür ausgegeben hat!“
Hinter ihnen hallten weiterhin die schweren Schritte des Vollstreckers durch den Tunnel.
Langsam.
Ruhig.
Aber unerbittlich.
Keks drehte sein Display nach hinten. „Er verfolgt uns immer noch.“
„Danke für die Information“, schnaufte Lio. „Ich hatte gehofft, er macht vielleicht plötzlich Urlaub.“
Mara führte die Gruppe immer tiefer in die alten Tunnelanlagen hinein. Schließlich erreichten sie ein rostiges Stahltor mit einem verblassten Warnsymbol darauf.
ZUGANG VERBOTEN – TRANSITLINIE OMEGA
Pix grinste nervös. „Perfekt. Verbotene Orte sind meistens die sichersten.“
„Das ergibt überhaupt keinen Sinn“, sagte Lio.
„Willkommen bei den Nullwerkern.“
Mara legte ihre Hand auf einen alten Scanner neben dem Tor. Nichts passierte.
Sie schlug genervt dagegen.
Plötzlich sprang der Scanner an.
„IDENTITÄT BESTÄTIGT“, krächzte eine uralte Computerstimme.
Keks wirkte beeindruckt. „Gewaltbasierte Reparaturmethoden. Faszinierend.“
Das riesige Tor öffnete sich langsam knarrend.
Dahinter lag ein weiterer Bahnsteig.
Doch dieser sah völlig anders aus als die verlassene Station 17.
Hier brannte Licht. Alte Monitore flimmerten an den Wänden. Kabel verliefen quer über den Boden, und zwischen Werkzeugkisten standen mehrere Menschen und Roboter durcheinander.
In der Mitte der Halle stand ein Zug.
Oder zumindest etwas, das einmal ein Zug gewesen war.
Die silberne Magnetschwebebahn war voller Kratzer, zusätzlicher Metallplatten und improvisierter Reparaturen. An einer Stelle klebte sogar sichtbar Panzertape.
Lio blieb erstaunt stehen. „Der fährt noch?“
Ein alter Mann mit riesiger Schutzbrille hob beleidigt den Kopf.
„Natürlich fährt der noch! Das ist die Omega-7!“
Pix flüsterte zu Lio: „Nicht beleidigen. Er liebt diesen Zug mehr als Menschen.“
„Das habe ich gehört!“, rief der alte Mann sofort.
Mara deutete auf den Zug. „Alle einsteigen. Sofort.“
„Moment“, sagte Lio. „Wohin fahren wir überhaupt?“
Mara antwortete knapp: „Zum alten NexaCore-Zentrum.“
Lio starrte sie an. „Zu dem Ort, wo diese Irren sitzen?“
„Genau dorthin.“
„Das ist ein schrecklicher Plan.“
„Leider ist es der einzige.“
Der Kühlschrank rollte bereits in den Zug. Keks folgte ihm vorsichtig.
„Bitte sag mir, dass dieser Zug Sicherheitsgurte hat.“
Pix schüttelte den Kopf. „Nicht mal richtige Bremsen.“
„ICH WERDE STERBEN.“
„Du bist ein Roboter.“
„TROTZDEM.“
Plötzlich begann der gesamte Tunnel zu beben.
Alle verstummten sofort.
Aus der Ferne ertönten wieder diese langsamen Schritte.
Diesmal deutlich näher.
Der alte Mann mit der Schutzbrille fluchte leise. „Was habt ihr diesmal angeschleppt?“
Mara antwortete nur mit einem Wort:
„Vollstrecker.“
Der Mann wurde kreidebleich. „Oh.“
„Genau dieses Oh“, sagte Pix.
Hinter dem geöffneten Stahltor erschien plötzlich ein grelles weißes Licht.
Der Vollstrecker hatte den Tunnel erreicht.
„ALLE SOFORT IN DEN ZUG!“, schrie Mara.
Sofort brach hektisches Chaos aus.
Menschen sprangen durch die Türen. Roboter rollten durcheinander. Irgendwo fiel eine Werkzeugkiste um.
Keks versuchte gleichzeitig einzusteigen und panisch zu schreien.
„DAS IST ORGANISIERTES CHAOS!“
„Das ist einfach nur Chaos!“, rief Lio zurück.
Der Vollstrecker trat langsam durch das Tor.
Seine weiße Sensorfläche leuchtete jetzt heller als zuvor.
„FLUCHTFAHRZEUG IDENTIFIZIERT“, sagte die Maschine ruhig.
Dann hob sie ihren rechten Arm.
An der Unterseite öffneten sich mehrere Metallplatten.
Darunter kamen kleine Raketen zum Vorschein.
Lio riss erschrocken die Augen auf. „Seit wann haben die Raketen?!“
Pix sprang in den Zug. „SEIT IMMER! LOS JETZT!“
Die Türen der Omega-7 schlossen sich gerade, als die ersten Raketen gestartet wurden.
Und der Zug setzte sich ruckartig in Bewegung.