Die verrückte Lieferung

Teil 30 – Fünf Sterne für den Kühlschrank

Lio lachte so erleichtert, dass ihm fast die Knie nachgaben.

„MC? Bist du noch da?“

Das Display des Kühlschranks flackerte erneut.

Diesmal dauerte es etwas länger.

SYSTEM WIRD WIEDERHERGESTELLT.

Keks fuhr sofort hektisch im Kreis. „Er lebt! Also… funktioniert! Also… kühlt! Egal, ihr wisst, was ich meine!“

Pix klopfte gegen die Seitenwand von MC-9000. „Die Persönlichkeitsmatrix ist beschädigt, aber nicht gelöscht. Wir können ihn wieder zusammensetzen.“

Lio atmete tief aus.

„Wie lange dauert das?“

Pix überlegte. „Mit Ersatzteilen? Zwei Tage. Ohne Ersatzteile? Drei Wochen. Mit Keks als Assistent? Unberechenbar.“

Keks zeigte eine beleidigte Kartoffel. „Ich habe heute die Stadt gerettet.“

„Ja“, sagte Pix. „Und vermutlich dabei drei Wartungsvorschriften erfunden, die es vorher nicht gab.“

Mara stand inzwischen vor Direktor Voss, der langsam wieder zu sich kam. Der Vollstrecker hatte sich neben ihn gestellt, sehr ruhig und sehr überzeugend.

Voss öffnete die Augen. „Was… ist passiert?“

Mara antwortete: „Du hast verloren.“

„Unmöglich.“

Der Vollstrecker beugte sich leicht zu ihm hinunter.

„KORREKTUR: MÖGLICH.“

Voss sagte danach erst einmal nichts mehr.

Wenige Minuten später übertrug der Hauptkern die Archivdaten öffentlich an mehrere unabhängige Nachrichtenkanäle. Nicht nur an die großen Sender, die NexaCore vielleicht beeinflussen konnte, sondern auch an kleine lokale Netze, Schulen, Bürgergruppen und freie Technikforen.

Mara sah zufrieden zu. „Jetzt kann man es nicht mehr einfach verstecken.“

Auf den Bildschirmen tauchten die ersten Meldungen auf. Menschen in Neu-Stuttgart blieben auf Straßen stehen und lasen die Erklärungen. Einige wirkten wütend. Andere verwirrt. Manche erleichtert.

Lio sah die Bilder an. „Was passiert jetzt?“

Mara antwortete ehrlich: „Chaos.“

Keks piepste erschrocken.

Mara lächelte leicht. „Aber diesmal echtes Chaos. Menschliches Chaos. Mit Diskussionen, Fragen und Entscheidungen.“

Pix nickte. „Also das gute schlechte Chaos.“

„Genau.“

Der Hauptkern sprach erneut:

„NEUE REGEL: KI-SYSTEME DÜRFEN EMPFEHLEN, ABER NICHT VERSTECKT LENKEN.“

Lio sah zu MC-9000.

„Das klingt gut.“

Das Display des Kühlschranks flackerte.

BESTÄTIGT.

Dann erschien noch eine zweite Zeile:

ICH EMPFEHLE SCHOKOKEKSE ZUR FEIER DES TAGES.

Keks fuhr begeistert hoch. „Endlich ein System mit Verstand!“

Mara lachte. Sogar der Vollstrecker neigte den Kopf, als würde er versuchen, Humor zu verstehen.

Lio setzte sich erschöpft auf eine alte Metallkiste. Vor wenigen Stunden hatte er noch gedacht, es würde ein normaler Tag werden.

Dann war ein sprechender Kühlschrank geliefert worden, seine Wohnungstür war fast zerschnitten worden, er war durch einen Müllschacht gerutscht, mit Hackern geflohen, von Militärdrohnen verfolgt worden und hatte geholfen, eine Stadt vor heimlicher Kontrolle zu retten.

Er sah zu Keks.

„Meine Mutter wird mir kein Wort glauben.“

Keks dachte kurz nach.

„Dann sagen wir einfach, der Kühlschrank war im Angebot.“

Lio grinste.

„Das glaubt sie erst recht nicht.“

MC-9000 blinkte schwach.

LIEFERUNG ABGESCHLOSSEN.