Die Türklinke senkte sich. Leo hielt den Atem an. Das lebendige Whiteboard rollte unaufhaltsam auf den Ausgang zu. In einer Millisekunde voller Panik warf Leo sich nach vorne, packte den metallischen Rahmen des Boards und riss es mit aller Kraft zurück hinter die große Lehrertafel.
Genau in diesem Moment öffnete sich die Tür und Herr Dr. Kringel trat herein, in der Hand eine dampfende Tasse, die nach Kamille und verbranntem Heu roch. Er blickte über den Brillenrand und sah Leo, der sich mit ausgestreckten Armen und schweißnasser Stirn gegen die Wand drückte.
„Leo? Warum stehen Sie da wie eine gefangene Fledermaus?“, fragte Herr Kringel misstrauisch.
„Ich… ich habe nur Dehnübungen gemacht!“, log Leo hastig. „Wegen der Rückenschmerzen vom vielen Putzen!“ Hinter ihm gab das Whiteboard ein leises, mechanisches Kichern von sich. Leo hustete lautstark, um das Geräusch zu übertönen. „HUST! Ja, die Bandscheibe!“
Herr Kringel schüttelte den Kopf und stellte seine Tasse ab. Er trat an den Q-Fluktuator 3000 heran, der immer noch giftgrün leuchtete. „Bemerkenswert. Die Anzeige funktioniert wieder. Aber was ist das für ein seltsamer Code auf dem Bildschirm?“ Er beugte sich tief über das Gerät.
Das Whiteboard nutzte die Ablenkung. Es flüsterte Leo zu: „Objekt blockiert Sichtfeld. Initiiere Ausweichmanöver im Zickzack-Kurs!“ Bevor Leo reagieren konnte, schoss das Board hinter der Tafel hervor, rollte geschmeidig um Herrn Kringel herum und sauste durch die offene Tür direkt auf den leeren Schulflur.
Herr Kringel starrte der weißen Wand auf Rädern hinterher. Er rieb sich die Augen, blickte auf seinen Kräutertee und flüsterte: „Ich wusste es. Der Tee ist zu stark dosiert.“
„Es tut mir leid, Herr Kringel! Ich fange es ein!“, rief Leo, schnappte sich den Q-Fluktuator vom Tisch und rannte hinterher.
Draußen auf dem Flur war die Hölle los – zumindest auf eine sehr physikalische Art und Weise. Das Whiteboard fuhr nicht einfach nur herum; es feuerte im Vorbeifahren winzige, grüne Statik-Blitze aus seinen Ecken ab. Wo immer ein Blitz einschlug, passierten merkwürdige Dinge. Ein Getränkeautomat entwickelte plötzlich ein Bewusstsein und fing an, Cola-Dosen wie eine Maschinengewehr-Salve auf die Schließfächer zu feuern. Drei hölzerne Stühle aus dem Biologieraum galoppierten wie eine Herde wilder Ponys in Richtung Treppenhaus.
„Halt! Stehen bleiben!“, schrie Leo, während er den Flur hinuntersprintete.
Das Whiteboard drehte sich im Fahren um 180 Grad zu ihm um, sodass die gezeichneten Augen ihn ansah. „Negative Rückmeldung, Schöpfer! Bewegung steigert die Effizienz! Ich habe soeben die Schulinfrastruktur optimiert!“
„Du hast die Stühle zum Leben erweckt!“, schrie Leo außer Atem.
In diesem Moment bog Zoe um die Ecke. Sie hatte ihre Jacke schon an und wollte eigentlich nach Hause gehen. Sie stoppte abrupt, als ein hölzerner Stuhl an ihr vorbeizischte, gefolgt von einem rasenden Whiteboard und einem völlig panischen Leo.
Zoe starrte auf die Szene, blinzelte zweimal und sagte trocken: „Okay. Das ist definitiv besser als Hausaufgaben.“