„Zoe! Fang das Board ab!“, brüllte Leo, während er über eine wild gewordene Putzbalken-Bürste sprang, die im Kreis rotierte und versuchte, den Linoleumboden zu polieren, als gäbe es kein Morgen mehr.
Zoe reagierte blitzschnell. Sie war nicht umsonst die beste Torwartin der Schul-Handballmannschaft. Sie warf ihren Rucksack punktgenau in die Fahrbahn des Whiteboards. Das Board machte ein erschrockenes „Uh-Oh!“, bremste scharf, rutschte über den Stoff und knallte mit dem Aluminiumrahmen sanft gegen einen Feuerlöscher. Die gezeichneten Augen auf der Oberfläche drehten sich wie in einem Cartoon im Kreis.
Leo schlitterte herbei und drückte sofort den großen, roten Knopf auf dem Q-Fluktuator, den er immer noch in den Händen hielt. Ein leiser, blauer Strahl traf das Board. Das Vibrieren hörte auf, die Beine wurden wieder starr, und die Augen auf der Oberfläche verwandelten sich wieder in eine ganz normale, langweilige Mathe-Formel.
„Puh…“, keuchte Leo und sackte auf den Boden. „Es ist vorbei.“
„Von wegen vorbei“, sagte Zoe und tippte ihm auf die Schulter. Sie zeigte den langen Flur hinunter.
Am anderen Ende des Ganges hatte sich mittlerweile eine kleine, aber sehr entschlossene Gruppe von drei Biologie-Stühlen und einem Lehrerpult formiert. Das Pult klappte seine Schubladen rhythmisch auf und zu, wie ein hungriges Krokodil. Dahinter blockierte der Getränkeautomat den Ausgang zum Schulhof und feuerte in unregelmäßigen Abständen Cola-Dosen in die Luft, die wie kleine Granaten einschlugen.
„Leo“, sagte Zoe mit verschränkten Armen. „Ich weiß ja, dass du im Physikunterricht meistens schläfst. Aber hast du gerade eine Möbel-Revolution angezettelt?“
„Es war ein Unfall!“, verteidigte sich Leo. „Mein Kaffee ist in Kringels Zeitmaschine gelaufen. Jetzt verteilt das Ding lebendige Quanten-Blitze. Wenn wir diese Möbel nicht stoppen, wird die Schule morgen früh von einem Getränkeautomaten regiert!“
Zoe betrachtete den Q-Fluktuator in Leos Hand, der im Takt von Leos Herzschlag grün blinkte. „Okay. Das Gerät hat die Dinger zum Leben erweckt. Also muss das Gerät sie auch wieder deaktivieren können. Du hast das Whiteboard doch auch gerade ausgeschaltet.“
„Ja, aber ich musste ganz nah ran und den Strahl direkt draufhalten“, erklärte Leo. „Wie soll ich an einem Automaten vorbeikommen, der mich mit achtzig Kilometern pro Stunde mit Zitronen-Limonade beschießt?“
Zoe grinste plötzlich. Es war dieses Grinsen, das Leo immer Angst machte, weil es meistens bedeutete, dass eine extrem riskante Idee im Anmarsch war.
„Wir brauchen eine Ablenkung“, sagte sie und zog ihren Sportbeutel auf. „Und ich weiß ganz genau, wie wir diese Stühle austricksen.“