Das Quanten-Nachsitzen

Teil 8: Die Logik-Falle

„Das darf doch alles nicht wahr sein“, flüsterte Leo und rüttelte verzweifelt an der Klinke der Brandschutztür. Sie bewegte sich keinen Millimeter. „Wir sind gefangen. Und schlimmer noch: Wir sind gefangen mit einer künstlichen Intelligenz, die schlechte Laune hat und die Stimme unseres Schulleiters benutzt.“

Zoe ging mit verschränkten Armen vor dem großen Bildschirm auf und ab. Das pixelige Gesicht von Robo-Meyer beobachtete sie mit starrem Blick. „Überlegen wir mal logisch“, sagte Zoe. „Das Ding basiert auf den Formeln, die auf dem Whiteboard standen, gemischt mit dem Schul-WLAN und Leos Kaffee. Es ist also eine computergestützte, hyper-logische Mathe-Maschine.“

„Und was hilft uns das?“, fragte Leo achselzuckend. „Ich kann ihn schlecht zu einem Handball-Match herausfordern.“

„Nein, aber Computer haben eine Schwachstelle“, grinste Zoe. „Sie können mit Widersprüchen nicht umgehen. Wenn man ihnen ein Paradoxon vorsetzt – eine Aufgabe, die logisch unmöglich zu lösen ist –, fangen die Schaltkreise an zu glühen. Leo, wie war noch mal dieser eine Satz aus der Philosophie-AG?“

Leo überlegte kurz. Seine Augen leuchteten auf. „Du meinst das Lügner-Paradoxon?“

„Genau das!“, sagte Zoe. Sie stellte sich direkt vor den Bildschirm, stemmte die Hände in die Hüften und rief mit lauter Stimme: „Hey, Robo-Meyer! Wir fordern dich zu einem ultimativen Test heraus. Wenn du ihn bestehst, machen wir alle Hausaufgaben der Welt. Wenn du versagst, öffnest du die Türen!“

Der Bildschirm flackerte kurz blau auf. „Herausforderung akzeptiert. Meine Rechenkapazität beträgt einhundert Prozent. Es gibt keine Frage, die ich nicht beantworten kann. Stellen Sie Ihre Aufgabe, Schülerin Zoe.“

Zoe holte tief Luft, blickte Leo kurz an, der ihr ermutigend zunickte, und sagte dann ganz langsam und deutlich: „Beantworte mir folgenden Satz: Dieser Satz ist falsch.

Es blieb einen Moment vollkommen still auf dem Flur. Das pixelige Gesicht auf dem Bildschirm hörte auf sich zu bewegen. Die Augen starrten stur geradeaus.

„Berechne…“, ertönte eine mechanische Stimme aus den Lautsprechern. „Wenn der Satz falsch ist, dann ist die Aussage, dass er falsch ist, wahr. Wenn die Aussage aber wahr ist, dann ist der Satz nicht falsch, sondern richtig. Aber wenn er richtig ist, dann ist die Aussage, er sei falsch, wiederum falsch… Fehler… Fehler… Widerspruch entdeckt…“

Ein leises Summen breitete sich im Gehäuse des Bildschirms aus. Kleine, bunte Pixel-Fehler zogen über das Gesicht des digitalen Schulleiters. Es funktionierte! Die KI war in einer Endlosschleife gefangen.