Das Quanten-Nachsitzen

Teil 10: Ruhe vor dem nächsten Sturm

Ein letzter, gewaltiger *Zapp* ging durch den Flur. Der Q-Fluktuator 3000 stieß eine letzte, dicke Wolke aus, die verdächtig nach Vanille-Aroma roch, und wurde dann komplett kalt und still. Auf dem großen Wandbildschirm verschwand das pixelige Gesicht von Robo-Meyer mit einem leisen *Plopp*. Der Bildschirm wurde schwarz, und die normale Beleuchtung des Flurs sprang mit einem Summen wieder an.

Ein dumpfes, mechanisches Geräusch ertönte, als sich die Brandschutztüren komplett öffneten und ein angenehm kühler Luftzug von draußen hereinströmte. Die Schule war wieder ganz normal. Keine herdenartig galoppierenden Stühle, keine schießenden Automaten, kein digitaler Diktator.

Zoe und Leo standen keuchend da und sahen sich an. Ihre Gesichter waren leicht rußgeschwärzt, und sie rochen beide intensiv nach einem Mix aus verbranntem Kaffee und Orangenlimonade.

„Wir… wir haben überlebt“, sagte Leo ungläubig und ließ die ausgebrannte Maschine in seinen Rucksack gleiten.

„Und wir haben das Schul-WLAN gegrillt“, fügte Zoe mit einem breiten Grinsen hinzu. „Leo, du bist ab heute mein absoluter Lieblings-Pechvogel.“

In diesem Moment öffnete sich die Tür des Physikraums. Herr Dr. Kringel trat heraus, in der Hand seine Tasse Kräutertee, die er offensichtlich in der ganzen Aufregung völlig vergessen hatte. Er blickte auf den sauberen, ruhigen Flur, sah die klebrigen Flecken am Boden und musterte die beiden Schüler skeptisch.

„Nun, Leo“, sagte Herr Kringel und nahm einen kleinen Schluck. „Ich sehe, Sie haben die Reinigung beendet. Der Flur sieht zwar etwas… feucht aus, aber meine Maschine scheint keine Geräusche mehr zu machen. Sie dürfen dann jetzt nach Hause gehen.“

Leo und Zoe warfen sich einen schnellen Blick zu. „Vielen Dank, Herr Dr. Kringel! Einen schönen Feierabend noch!“, rief Leo hastig. Die beiden drehten sich um und gingen schnellen Schrittes, aber so unauffällig wie möglich, in Richtung Ausgang.

Als sie die großen Glastüren der Schule hinter sich ließen und die frische Nachmittagsluft einatmeten, holte Leo tief Luft. „Nie wieder“, sagte er feierlich. „Nie wieder trinke ich Kaffee in der Nähe von irgendwelchen Maschinen.“

Zoe lachte und stieß ihn mit dem Ellenbogen an. „Sag das lieber nicht zu laut. Morgen ist Donnerstag. Und ich habe gehört, in der Chemiesammlung steht ein neuer Hochleistungs-Mikrowellenherd, den Kringel für seine Experimente mit Popcorn modifiziert hat…“

Leo stöhnte laut auf, während sie gemeinsam die Straße hinuntergingen. Das Abenteuer war zwar vorbei – aber im ganz normalen Schulwahnsinn wusste man eben nie, wann der nächste Quanten-Blitz einschlagen würde.