Das Chongqing-Cyber-Chaos

Teil 9: Der Pakt der Garküchen

Lu atmete so tief aus, dass er fast vom Hoverboard gekippt wäre. Mei fing ihn am Kragen auf, während das bedrohliche Summen von Madame Shengs Vibrations-Nudelholz endgültig erstarb. Die Leibwächter steckten ihre Cyber-Blaster zurück in die Halfter, doch die Anspannung auf der Terrasse des „Goldenen Dumplings“ blieb mit Händen greifbar.

„Ein Franchise also“, murmelte Lu und rieb sich die schmerzenden Schläfen. „Du willst, dass wir dein Imperium legalisieren, während die halbe Stadt nach diesem kleinen, blauen Chaos-Reaktor jagt?“

„Nicht nur legalisieren, Junge. Wir werden expandieren“, entgegnete die Großmutter mit einem rätselhaften Funkeln in ihren bionischen Augen. „Aber dafür brauche ich deine Fähigkeiten. Du wirst diesen Roboter so umprogrammieren, dass er die Rezepte nur an von mir autorisierte Küchen-Terminals streamt. Wenn das Open-Source-Chaos so weitergeht, brennt uns morgen der Sektor nieder.“

Lu trat an Bao heran, der zufrieden vor sich hin summte und bereits die nächste Ladung Teigtaschen präzise faltete. Doch als Lu sein Datenkabel in Baos Wartungsport stecken wollte, schlug die Sensor-Anzeige auf seinem Handgelenk-Display plötzlich in ein alarmierendes, pulsierendes Rot um.

„Verdammt...“, flüsterte Lu. „Das ist kein normaler Systemfehler mehr. Jemand blockiert meinen Zugriff von außen.“

Im selben Moment erloschen die Neonreklamen der umliegenden Wolkenkratzer. Das vertraute, bunte Leuchten von Sektor 42 wich einer bedrohlichen, eisigen Dunkelheit. Aus den Schatten der oberen Kühlelemente schwebten lautlos drei schwere, militärisch modifizierte Drohnen herab. Sie trugen das neongrüne Emblem der „Eisernen Ente“ – dem skrupellosesten Konkurrenz-Syndikat der Unterstadt.

Eine verzerrte, synthetische Stimme dröhnte aus den Lautsprechern der Führungs-Drohne: „Madame Sheng. Ihr kulinarisches Monopol ist hiermit beendet. Übergeben Sie uns den Optimierungs-Roboter, oder wir löschen dieses Viertel von der digitalen Landkarte.“