Mit einem metallischen Krachen, das Lu bis in die Zahnwurzeln spürte, kam der Lastenaufzug zum Stehen. Die verrosteten Gittertüren glitten nur widerwillig ein Stück auf und gaben den Blick auf Ebene 5 frei. Es war eine völlig andere Welt. Während oben in Sektor 42 das Neonlicht die Nacht zum Tag machte, herrschte hier unten ein ewiges, dämmriges Zwielicht. Dichter Nebel aus den riesigen Abwasser- und Kühlsystemen der Oberstadt waberte durch die engen, von Kabelsträngen überwucherten Straßen.
„Willkommen im Keller von Neo-Chongqing“, hustete Lu und wischte sich den öligen Kondensat-Film vom Gesicht. Er checkte sein Handgelenk-Display. „Kein Netz. Absolut tot. Wir sind im digitalen Niemandsland.“
Mei setzte Bao ab, der sofort anfing, mit seinen kleinen mechanischen Füßen durch die Pfützen zu waten. Seine blauen Linsen scannten die Umgebung. „Analyse: Hohe Dichte an recycelten Bauteilen. Mangelhafte Hygiene-Standards. Meine Sensoren registrieren Spuren von... billigem synthetischem Fett. Inakzeptabel.“
„Gewöhn dich dran, Kumpel“, sagte Mei und zog ihr Hoverboard hinter sich her, dessen Antrieb hier unten mangels Magnetfeldern nur noch nutzlos stotterte. „Hier unten überlebt nur, wer analog denkt.“
Plötzlich knackte es im dichten Nebel vor ihnen. Mehrere Gestalten schälten sich aus den Schatten der heruntergekommenen Marktstände. Sie trugen Kleidung aus zusammengeflickten Kevlar-Resten und Brillen mit klobigen, analogen Zoom-Linsen. In ihren Händen hielten sie keine Laser-Blaster, sondern modifizierte Schrott-Flinten, die mit Druckluft funktionierten.
Ein schlaksiger Mann mit einer kybernetischen Augenklappe, die rhythmisch tickte wie eine alte Taschenuhr, trat vor. Er blickte erst auf Lu, dann auf Mei und schließlich auf Bao, dessen poliertes blaues Gehäuse in dieser Dreckswelt leuchtete wie ein Diamant.
„Seht mal an, was der Aufzug uns da ausgespuckt hat“, sagte der Mann mit rauchiger Stimme. „Oberstadt-Gringos mit einem High-Tech-Spielzeug. Ich bin **Zhao**, der Schrott-König von Ebene 5. Und alles, was hier unten landet, gehört automatisch... mir.“