Das Chongqing-Cyber-Chaos

Teil 17: Das Heavy-Metal-Upgrade

„Er hat uns im Visier!“, rief Lu, während sein Daten-Pad eine rasant steigende rote Warnanzeige zeigte. Das rhythmische Piepen wurde schneller und klang wie der digitale Herzschlag eines herannahenden Raubtiers. „Der Tracker-Code der Eisernen Ente frisst sich durch das Subnetz von Ebene 5. Wir haben höchstens zehn Minuten, bis unsere Koordinaten hochgeladen werden!“

Zhao spuckte seinen Zahnstocher aus und schaltete in den Kommandomodus. „Männer, werft die Plasma-Schneider an! Holt die Blei-Kohlenstoff-Platten aus dem hinteren Depot! Wir machen aus dem Luxus-Toaster einen fahrenden Panzer!“

Die Fabrikhalle explodierte in hektischer Aktivität. Funken sprühten durch die Dunkelheit, als Zhaos Handlanger die dicken, mattschwarzen Militär-Panzerplatten zurechtschnitten. Mei half dabei, die schweren Teile zu positionieren, während Lu fieberhaft versuchte, Baos Software-Protokolle mit einer temporären Firewall zu schützen, um die Entdeckung noch ein paar Sekunden hinauszuzögern.

Bao saß währenddessen stoisch auf einer Werkbank, während um ihn herum geschweißt und gehämmert wurde. „Hinweis: Die zusätzliche Masse von 14,8 Kilogramm wird meine maximale Rollgeschwindigkeit um 22 Prozent reduzieren. Allerdings erhöht sich meine Widerstandsfähigkeit gegen kinetische Energie-Einwirkungen erheblich. Ich schlage vor, das Design an den Flanken aerodynamisch zu gestalten.“

„Keine Zeit für Aerodynamik, Kumpel!“, keuchte Mei, während sie eine fette Niete in das neue Gehäuse jagte. „Hauptsache, du bist gleich unsichtbar!“

Mit einem letzten, lauten Zischen des Kühlmittels war es vollbracht. Der ehemals glänzende, hellblaue und freundlich wirkende Küchen-Assistent war nicht mehr wiederzuerkennen. Bao war jetzt in eine kantige, mattschwarze Rüstung gehüllt, die im Licht des Feuers bedrohlich wirkte. Nur seine blauen Linsen leuchteten hinter einem neuen, schmalen Schutzgitter hervor. Er sah aus wie eine Miniatur-Version einer militärischen Belagerungs-Drohne – nur eben mit eingebautem Gewürzregal.

„Schilder hochfahren!“, rief Zhao.

Bao aktivierte seine internen Systeme. Das matte Schwarz der Panzerung schien das spärliche Licht der Halle förmlich aufzusaugen. Auf Lus Daten-Pad stoppte das hektische Piepen abrupt. Die rote Warnanzeige fror ein, flackerte und sprang schließlich auf Grün um. Die Such-Signatur war verschwunden.

„Es hat geklappt...“, atmete Lu aus und sackte vor Erleichterung in sich zusammen. „Wir sind vom Radar. Der Spürhund hat die Spur verloren.“

Bao rollte testweise vor und zurück. Der Boden vibrierte leicht unter seinem neuen Gewicht. Er hob einen mechanischen Arm, der nun von einer wuchtigen Metallplatte geschützt wurde. „Systemstatus: Optimal. Ich fühle mich... ausgesprochen robust. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich bei der nächsten Konfrontation mit der Eisernen Ente Schaden nehme, ist auf unter 5 Prozent gesunken. Wer möchte ein feierliches Dumpling?“

Doch bevor jemand antworten konnte, erbebte das massive Stahltor der Fabrikhalle unter einem gewaltigen Einschlag. Der digitale Spürhund war zwar blind – aber die physischen Truppen des Syndikats hatten den Sektor bereits umstellt.