Lukas starrte auf seinen Bildschirm, während „Wurst“ leise schnaufend auf die Tastatur sank und seine OLED-Augen in ein neugieriges Gelb wechselten. „Dein Affe?“, fragte Lukas und musste trotz des Chaos unwillkürlich lächeln. „Ich dachte kurz, mein Toaster hätte ein Bewusstsein entwickelt und verlangt jetzt nach einem kosmetischen Make-over.“ Er deutete auf das digitale Live-Bild von sich selbst, auf dem er dank Kikos Filter immer noch virtuelle Blumen im Haar trug.
Amina lachte laut auf, ein warmes, ansteckendes Geräusch, das über die 6.000 Kilometer Glasfaserkabel direkt in Lukas’ Hamburger Dachgeschosswohnung schallte. „Das ist Kiko, die neueste Generation der holografischen Quälgeister. Er ist darauf programmiert, Social-Media-Feeds zu optimieren, aber meistens optimiert er mich nur in den Wahnsinn.“ Sie machte eine wischende Bewegung, und der Blumenfilter auf Lukas' Kopf verschwand. „Und das fliegende Mettwurst-Konstrukt hinter dir?“
„Das ist Wurst“, seufzte Lukas. „Ein bionischer Wachdackel. Er sollte eigentlich meine Firewalls schützen, hat aber heute beschlossen, dass bayerische Volksmusik die beste Verteidigung gegen Hacker ist.“
Als hätten die beiden Haustiere ihre Namen gehört, begannen sie auf dem geteilten Bildschirm eine völlig eigene Konversation. Kiko sprang auf das virtuelle Chat-Fenster und tippte mit rasender Geschwindigkeit eine Reihe von Emojis: Eine Banane, ein Zahnrad und ein explodierender Kopf. Wurst reagierte sofort, indem er ein tiefes, digitales Knurren von sich gab und einen System-Code zurückschickte, der Kikos Hologramm kurz zum Flackern brachte.
„Hey, hey, keine Cyber-Kriege in meinem Wohnzimmer!“, intervenierte Amina und zog ihr Tablet näher heran. Sie blickte Lukas genauer an. Im Hintergrund seines Videos sah sie das typische Hamburger Schmuddelwetter gegen die Fensterscheibe klatschen, während bei ihr in Nairobi die warme Nachtluft durch das offene Fenster strömte. „Du bist Software-Entwickler, richtig? Der Code, den dein Dackel zur Abwehr genutzt hat, sah verdammt komplex aus. Abgesehen von der Polka-Komponente.“
„Das war ein modifiziertes Verschlüsselungsprotokoll“, erklärte Lukas, froh über das Ablenkungsmanöver von der peinlichen Musik. „Ich arbeite an einer neuen Krypto-Architektur. Und du? Das Skript, das dein Affe geschickt hat, hatte ein ziemlich geniales Interface-Design.“
Amina lächelte, und Lukas spürte ein seltsames, völlig unerwartetes Flattern im Magen. Sie redeten weiter – über Hamburg, Nairobi, Design, Code und die Absurditäten des Lebens im Jahr 2026. Aus einer zufälligen Netzwerk-Kollision wurde ein Gespräch, das weit nach Mitternacht andauerte. Doch keiner von beiden ahnte, dass Kiko und Wurst im Hintergrund bereits ein gemeinsames Projekt gestartet hatten, das die beiden viel schneller zusammenbringen würde, als ihnen lieb war.