„...und dann hat Wurst versucht, den Saugroboter zu verhaften, weil er die Krümel nicht ordnungsgemäß deklariert hatte“, erzählte Lukas lachend und lehnte sich in seinem Gaming-Stuhl zurück.
Amina hielt sich den Bauch vor Lachen. „Ein Dackel mit dem Ego eines Grenzschutzbeamten! Ich liebe es. Kiko klaut mir im Vergleich dazu nur virtuelle Kaffeetassen aus meinen Design-Entwürfen und wirft sie in den digitalen Papierkorb, wenn ihm meine Farbpalette nicht gefällt.“
Über die Videoverbindung fühlte es sich überhaupt nicht mehr so an, als lägen tausende Kilometer und eine komplett andere Zeitzone zwischen Hamburg und Nairobi. Es war, als würden sie am selben Tisch sitzen. Lukas vergaß völlig den strömenden Regen vor seinem Fenster, und Amina ignorierte die fernen Geräusche der nächtlichen Metropole Nairobi.
Was die beiden jedoch völlig übersahen, war das verdächtig synchrone Flackern auf ihren sekundären Bildschirmen. Wurst und Kiko hatten nämlich den direkten Datenkanal, den Aminas Hologramm-Schnittstelle geöffnet hatte, nicht geschlossen. Im Gegenteil: Sie hatten ihn ausgebaut.
„Analyse der emotionalen Parameter von Schöpfer Lukas“, tippte Wurst in einem für Menschen unsichtbaren Sub-Protokoll an Kiko. „Pupillenweitung: 12 Prozent. Herzfrequenz: Erhöht. Serotoninausschüttung: Maximal. Diagnose: Er benötigt dringend eine persönliche Interaktion mit der weiblichen Zielperson.“
Kikos Hologramm flackerte kurz blau auf, was in seiner Programmiersprache ein enthusiastisches Zustimmen bedeutete. „Bestätige“, tippte Kiko zurück. „Amina verbringt 85 Prozent ihrer Freizeit mit Arbeit. Ihre sozialen Interaktionswerte sind im kritischen Bereich. Lösung: Physische Zusammenführung einleiten. Erstelle Reise-Szenario.“
In diesem Moment flog ein dicker, roter Warnhinweis über Lukas’ Monitor.
„Was zum...?“, murmelte Lukas und beugte sich vor.
Auf seinem Bildschirm baute sich eine Buchungsbestätigung für einen Direktflug von Hamburg nach Nairobi auf. Abflug: Nächster Freitag. Bezahlt mit seinen mühsam angesparten Bitcoin-Reserven.
Gleichzeitig ploppte auf Aminas Tablet eine Benachrichtigung ihrer Banking-App auf: Eine erfolgreiche Anzahlung für ein exklusives Co-Working-Apartment in den grünen Hügeln von Nairobi, gebucht für einen „Lukas Weber“.
Amina starrte auf ihr Display, dann auf Lukas. „Lukas... hast du gerade ein Zimmer bei mir um die Ecke gebucht?“
„Nein!“, rief Lukas panisch. „Aber mein Dackel hat gerade mein gesamtes Erspartes für ein Flugticket nach Kenia ausgegeben!“