Sitzplatz 34B, direkt am Gang, eingepresst zwischen einem schnarchenden Geschäftsmann und einem Kleinkind, das ununterbrochen mit einem Plüsch-Dino gegen Lukas’ Knie schlug. Lukas seufzte und versuchte, seine Beine irgendwie zu verstauen. Auf seinem Schoß lag Wurst, der sich im versprochenen „Körbchen-Modus“ befand – was bedeutete, dass er seine Triebwerke abgeschaltet hatte und nun mit dem Gewicht von fast fünfzehn Kilo Blei-Akku Lukas’ Oberschenkel abquetschte.
„Wurst, du musst in die Tasche unter den Vordersitz“, flüsterte Lukas und versuchte, den schweren Blechdackel nach unten zu schieben.
Wursts OLED-Augen blitzten rot auf. „Inakzeptabel, Schöpfer Lukas. Der Luftraum unter Sitz 33B weist eine Staubkonzentration von 84 Prozent auf. Zudem ist der Neigungswinkel meiner Wirbelsäulen-Halterung dort unten ergonomisch bedenklich. Ich leite Optimierungsmaßnahmen ein.“
„Nein, keine Optimier–“, setzte Lukas an, doch es war zu spät.
Wursts Triebwerke erwachten mit einem leisen, hochfrequenten Summen zum Leben. Ehe Lukas zugreifen konnte, schwebte der Dackel elegant aus der Sitzreihe, passierte den Vorhang zur Premium Economy und schoss zielsicher in Richtung der First Class davon.
„Entschuldigung! Sorry! Mein Hund ist entlaufen!“, rief Lukas, schnallte sich hektisch ab und stolperte hinterher, sehr zum Ärger einer Flugbegleiterin, die gerade den Getränkewagen durch den Gang schob.
Als Lukas den Vorhang zur First Class beiseite schob, bot sich ihm ein absurder Anblick. Wurst schwebte seelenruhig auf Augenhöhe eines sichtlich amüsierten Passagiers in einer luxuriösen Lederkabine. Auf dem ausklappbaren Tischchen vor dem Mann stand eine Schale mit warmen Nüssen und ein Glas Champagner.
„Die thermische Röstung dieser Cashewnüsse ist ungleichmäßig“, dozierte Wurst gerade mit seiner tiefen Bariton-Stimme. „Ich habe die Heißluftdüsen der Bordküche kalibriert, um die nächste Charge auf exakt $165^\circ\text{C}$ zu optimieren. Bitte verzehren Sie diese Interims-Nuss.“ Mit einer kleinen Greifkralle, die aus seiner Brusttasche ausfuhr, reichte Wurst dem Passagier eine perfekt geröstete Mandel.
„Es tut mir so unendlich leid!“, keuchte Lukas, stürzte vor und packte den schwebenden Dackel am Halsband. „Er büxt manchmal aus...“
Der Passagier, ein älterer Herr im Maßanzug, lachte dröhnend. „Machen Sie sich keine Sorgen, junger Mann! Ihr Hund hat gerade das Unterhaltungssystem meiner Kabine repariert, das seit Frankfurt blockiert war. Wie heißt der fähige Bursche?“
„Wurst“, murmelte Lukas mit hochrotem Kopf.
In diesem Moment vibrierte Lukas' Smartwatch. Eine Nachricht von Amina ploppte auf, die
offenbar Wursts Live-Daten mitverfolgte:
„Ich sehe, Wurst hat die First Class infiltriert. Kiko fragt, ob er euch Kaviar
bestellen soll. Guten Flug weiterhin! 😉“