Das Wetter in der Savanne konnte im Juli 2026 unberechenbar sein. Eben noch flirrte die Luft vor milder Wärme, im nächsten Moment schoben sich tiefschwarze Wolkenwände über die Skyline von Nairobi. Ein heftiger Windstoß fegte durch den offenen Geländewagen, gefolgt von den ersten, dicken Regentropfen.
„Wolkenbruch!“, rief der Guide und versuchte hastig, das Planen-Verdeck des Wagens nach vorne zu ziehen. Doch der Himmel öffnete bereits alle Schleusen. Ein Sturzbach aus Wasser prasselte auf die Gruppe nieder.
„Kiko!“, schrie Amina auf. Für ein holografisches Haustier war Wasser der absolute Erzfeind. Kikos Lichtprojektion, die auf dem Armaturenbrett saß, begann wild zu flackern. Das feine Zwergseidenäffchen zersplitterte in bunte Pixel-Artefakte. Seine Stimme verzerrte sich zu einem mechanischen „Tsch-tsch-iiilp“, während sein digitaler Schwanz wie ein defekter Fernseher flimmerte. Amina riss panisch ihre Jacke auf, um den Projektor-Emitter an ihrer Schulter vor den Wassermassen zu schützen.
Lukas wollte gerade helfen, als ein lautes, ungesundes Surren von der Rückbank ertönte. Wurst, der gerade von seiner Löwen-Spionage zurückgekehrt war, hatte die Schleusen des Regens mit voller Wucht abbekommen. Seine Kohlefaser-Ohren rotierten unkontrolliert, und seine sonst so treuen OLED-Augen zeigten plötzlich einen bluescreen-ähnlichen Zustand.
„Kritischer Feuchtigkeits-Eintritt in Belüftungsdüse 3“, stammelte Wurst, während er wie ein betrunkener Hubschrauber durch den Innenraum des Wagens torkelte. „Initiiere... bayerisches... Notfall-Trocknungsprogramm... Ja, mir san mit'm Radl da...“
„Nicht jetzt, Wurst!“, rief Lukas. Er sprang auf, warf sich über den schlingernden Blechdackel und fing ihn ab, knapp bevor Wurst gegen die Windschutzscheibe gekracht wäre. Wursts Triebwerke setzten mit einem letzten Husten aus. Er war klatschnass, eiskalt und schwer wie ein nasser Sack Zement.
Der Wagen schlitterte durch den Schlamm der Parkstraßen, während der Regen unbarmherzig weiter auf sie einpeitschte. Lukas saß auf dem Boden des Geländewagens, hielt den triefenden Roboter-Hund fest im Arm und drückte sich eng an Amina, die zusammengekauert versuchte, Kikos Hardware trocken zu halten.
Obwohl das Wasser ihnen in die Schuhe lief und die Technik im Minutentakt streikte, sah Lukas zu Amina hinüber. Ihre nassen Locken klebten ihr im Gesicht, aber als sie seinen besorgten Blick traf, blitzten ihre Augen voller Humor auf.
„Willkommen in der echten Wildnis, IT-Spezialist!“, rief sie gegen den Donnerschlag an.
Lukas lachte laut auf, zog sie schützend näher an sich und spürte, wie Wurst in seinen Armen leise, aber stetig vibrierte – die interne Heizung des Dackels war angesprungen, um die beiden Menschen in der afrikanischen Sintflut warm zu halten.