Das Smart-Apartment sah aus wie das Labor eines verrückten Wissenschaftlers. Auf dem Küchentisch stand eine gigantische Schüssel mit ungekochtem Basmati-Reis, aus der Wursts metallisches Hinterteil und seine unbeweglichen Kohlefaser-Ohren ragten. Lukas hatte den Dackel komplett auseinandergeschraubt, um die empfindlichen Platinen zu trocknen. Daneben lag Kikos Emitter-Linse unter einer warmen Schreibtischlampe, während Amina das Gehäuse vorsichtig mit einem Mikrofasertuch abtupfte.
„Wenn meine Mutter sehen könnte, was wir mit dem teuren Reis machen, würde sie mich hochkant aus Kenia werfen“, schmunzelte Amina und legte das Tuch beiseite.
Lukas, dessen Hände vom Schrauben voller Schmieröl waren, blickte von Wursts offenem Zentralprozessor auf. „In Deutschland ist das die offizielle Erste-Hilfe-Maßnahme für ertrunkene Smartphones. Wenn Wurst morgen wieder aufwacht, riecht er höchstens ein bisschen nach Curry. Das ist ein Upgrade.“
Da der Strom im Viertel durch das Unwetter kurzzeitig ausgefallen war, hatte Amina ein paar echte Wachskerzen angezündet. Das warme, flackernde Licht warf lange Schatten an die Wände und hüllte das Studio in eine gemütliche Atmosphäre, die Jambo-Home mit keinem Smart-Algorithmus der Welt hätte kopieren können. Ohne das ständige Summen der Drohnen-Rotoren und das Flimmern der Hologramme war es plötzlich unglaublich still im Raum.
Amina setzte sich neben Lukas auf den Boden, die Knie an die Brust gezogen. „Es ist seltsam“, sagte sie leise und blickte in die Kerzenflamme. „Wir haben uns über die fortschrittlichste Technologie des Jahres 2026 kennengelernt. Aber jetzt, wo die Systeme down sind... fühlt es sich überhaupt nicht mehr digital an.“
Lukas legte den Schraubenzieher weg. Er sah Amina an. Das weiche Licht betonte ihre Züge, und die nimmermüde Energie der Stadt schien für einen Moment draußen vor dem Fenster zu warten. „Vielleicht“, sagte er und strich sich verlegen das Öl von den Fingern, „mussten die beiden Quälgeister einfach mal die Klappe halten, damit wir uns richtig unterhalten können.“
Amina lächelte, und dieses Mal wich sie seinem Blick nicht aus. Sie rutschte ein Stück näher. Lukas spürte die Wärme, die von ihr ausging, und all die Unsicherheit, die ihn in Hamburg noch blockiert hatte, war wie weggewischt. Ganz langsam, ohne dass ein KI-Sensor ihre Herzfrequenz analysierte, beugte er sich vor. Ihre Lippen trafen sich zu einem sanften, langen Kuss, der absolut analog, vollkommen fehlerfrei und ohne jede Zeitverzögerung war.
Plötzlich ertönte ein leises, knuspriges Geräusch aus der Reisschüssel.
„System-Reboot zu 42 Prozent abgeschlossen“, nuschelte Wursts tiefe Stimme dumpf aus dem Inneren des Basmati-Bergs. „Detektiere erhöhte Lippen-Interaktivität im Nahbereich. Kiko, bist du wach? Wir müssen... die... Kamera...“ Ein leises *Puff* ertönte, und eine kleine Reiswelle schwappte über den Schalenrand. Wurst war wieder eingeschlafen.
Lukas und Amina lösten sich voneinander und brachen gleichzeitig in ein leises, glückliches Lachen aus.