Pixel, Pfoten & Polka

Teil 16: Das Akku-Drama vor dem Pitch

Es war 08:15 Uhr. In genau 45 Minuten sollte die Präsentation im gläsernen Tower von Vanguard Media beginnen. Lukas und Amina, beide hastig in ihre eleganteste Business-Casual-Kleidung geschlüpft, standen an der E-Bike-Ladestation vor dem Apartmentkomplex. Wurst schwebte akkurat auf Schulterhöhe, sein Gehäuse auf Hochglanz poliert, während Kiko als dezentes, golden schimmerndes Hologramm auf Aminas Handtasche saß.

„Das darf doch nicht wahr sein!“, rief Amina verzweifelt und starrte auf das Display des Leih-E-Bikes. Ein rotes Ausrufezeichen blinkte hämisch: Akku-Ladestörung – 0%. „Der gestrige Sturm hat wohl das lokale Ladenetzwerk lahmgelegt. Wir kommen hier nicht weg, und um diese Zeit ist die Hauptstraße nach Tech City komplett verstopft. Jedes Taxi wird im Verkehr steckenbleiben!“

Lukas blickte auf seine Smartwatch. Die Minuten rannen unaufhaltsam davon. „Gibt es keine Abkürzung über die Schotterpisten?“

„Doch, hinter dem Hügel gibt es einen Pfad“, sagte Amina atemlos. „Aber mit einem ungeladenen E-Bike schaffe ich die Steigung im Schlamm niemals rechtzeitig. Und schieben dauert zu lange.“

Wursts Linsen verengten sich zu zwei präzisen Schlitzen. Er schwebte langsam vor die Steckdose des E-Bikes und dann zurück zu Lukas. „Analyse der Dringlichkeit: Maximal“, meldete sich der Dackel zu Wort. „Mein interner Fusions-Akku verfügt nach der nächtlichen Rendering-Session noch über $64$ Prozent Kapazität. Das ist ausreichend, um ein kinetisches Überbrückungsszenario einzuleiten.“

„Wurst, was hast du vor?“, fragte Lukas skeptisch. „Du kannst das Fahrrad nicht ziehen, du wiegst selbst nur fünfzehn Kilo!“

„Ich werde nicht ziehen, Schöpfer Lukas. Ich werde schieben.“ Wurst senkte seine Flughöhe, fuhr zwei robuste, gummierte Stabilisierungs-Halterungen aus seiner Unterseite aus und presste sie direkt gegen die hintere Radnabe von Aminas E-Bike. „Kiko, koordiniere die Drehmoment-Übertragung über die Bluetooth-Schnittstelle des Rads. Wir simulieren ein virtuelles Allrad-System.“

Kiko stieß ein enthusiastisches Kreischen aus, sprang auf den Lenker und projizierte eine virtuelle Renn-Anzeige auf Aminas Brille.

„Aufsteigen, Amina!“, rief Lukas. „Das ist unsere einzige Chance!“

Amina schwang sich auf den Sattel, Lukas sprang auf das zweite, funktionierende Rad. Mit einem hochfrequenten, kraftvollen Summen zündete Wurst seine Triebwerke. Die gummierten Halterungen griffen, und das schwere E-Bike schoss mit Amina vorwärts, als wäre es von einer unsichtbaren Abschussrampe katapultiert worden.

„Uuund Abflug!“, johlte Amina, während sie im Affenzahn den schlammigen Hügel hinaufjagte, dicht gefolgt von Lukas und angetrieben von einem wild entschlossenen Blechdackel, der mit maximaler Rotoren-Power das Hinterrad anschob.