Die Stille im Konferenzraum war so dicht, dass man das leise, gleichmäßige Summen von Wursts Kühlsystem hören konnte. Dr. Mwangi starrte unverwandt auf das schimmernde App-Interface, das Kiko stabil über dem Mahagonitisch projizierte. Dann wanderte ihr Blick zu Lukas’ Code-Struktur und schließlich zu den Schlammspritzern auf Aminas Turnschuhen.
Langsam löste sie ihre verschränkten Finger. Ein schmales, aber unmissverständliches Lächeln legte sich auf ihre Lippen. „Ein dezentraler Rendering-Algorithmus, der über die ungenutzten Kapazitäten von Haustier-KI-Kernen skaliert... Herr Weber, das ist entweder absoluter Wahnsinn oder die brillanteste Backend-Lösung, die mir dieses Jahr untergekommen ist.“
Sie stand auf und trat an das Fenster, von dem aus man auf die Baustellen der expandierenden Tech-Metropole blicken konnte. „Und Ihr Design, Amina... es fängt die Identität unseres Kontinents ein, ohne in die typischen Tech-Klischees des Silicon Valley zu verfallen. Sie beide haben in einer einzigen Nacht geschafft, woran unsere Agenturen seit Monaten scheitern.“
Dr. Mwangi drehte sich um. „Vanguard Media will diesen Pitch kaufen. Exklusiv. Wir bieten Ihnen ein Budget, mit dem Sie hier in Nairobi Ihr eigenes Entwicklungsstudio aufbauen können. Die einzige Bedingung: Sie leiten das Projekt gemeinsam, direkt vor Ort.“
Lukas fühlte, wie ihm der Atem stockte. Er sah zu Amina, deren Augen vor Freude und Tränen glänzten. Es war der absolute Traumauftrag für sie. Doch dann blickte Amina zu ihm – und das Strahlen in ihren Augen wich einem plötzlichen, besorgten Schatten.
Nairobi. Das bedeutete für Lukas, sein geordnetes Leben in Hamburg, seine Wohnung an der Elbe und seinen sicheren Job komplett aufzugeben.
Kiko, der die emotionale Schwingung sofort registrierte, ließ das neonblaue Nil-Delta-Hologramm sanft in ein warmes, beruhigendes Abendrot übergehen. Wurst schwebte leise vom Boden auf, stupste Lukas mit seiner kalten Metallnase gegen das Knie und gab ein tiefes, fast mitleidiges Winseln von sich.
„Wir... wir benötigen ein paar Stunden Bedenkzeit für die vertraglichen Details, Dr. Mwangi“, sagte Amina mit fester, aber emotionaler Stimme und drückte Lukas’ Hand ganz fest.
„Natürlich“, antwortete Dr. Mwangi respektvoll. „Morgen früh um neun erwarte ich Ihre Antwort.“
Als sie den Tower verließen, brannte die Mittagssonne über dem Asphalt von Tech City. Sie hatten den größten Erfolg ihrer Karriere gefeiert – doch auf den Schultern der beiden lastete plötzlich die schwerste Entscheidung ihres Lebens.