Drei Monate später herrschte im neuen Hauptquartier von „Delta-Byte Designs“ in Nairobi kreativer Ausnahmezustand. Das Studio – eine perfekt umgebaute, lichtdurchflutete Lagerhalle – war eine Mischung aus afrikanischer Kunstgalerie und futuristischem Tech-Labor. An den Wänden pulsierten riesige Screens mit den Live-Nutzerzahlen der neuen Streaming-App, die seit ihrem Launch in West- und Ostafrika alle Rekorde brach.
Lukas stand am großen Panoramafenster, einen Becher kenianischen Kaffee in der Hand, und blickte lächelnd auf das geschäftige Treiben im Raum. Zwei neue, lokale Nachwuchs-Entwickler saßen an den Arbeitsplätzen und optimierten Codezeilen, während Amina am zentralen Tisch einer Gruppe von Design-Praktikanten die Feinheiten von fluiden User-Interfaces erklärte.
Er hatte seine Hamburger Wohnung gekündigt. Es war ein gewaltiger Schritt gewesen, aber als er sah, wie Amina sich kurz zu ihm umdrehte und ihm einen Luftkuss zuwarf, wusste er, dass es die beste Entscheidung seines Lebens gewesen war.
Natürlich war auch das tierische Gründungs-Team voll im Einsatz. Wurst schwebte majestätisch auf und ab, sein Gehäuse trug nun stolz ein graviertes Logo der neuen Firma. Er hatte sich zum offiziellen „Chief Security Officer“ des Studios ernannt.
„Systemwarnung an alle Mitarbeiter“, tönte der Dackel gut gelaunt durch den Raum. „Die Server-Temperatur in Block B nähert sich der Wohlfühl-Grenze. Ich habe die Klimaanlage automatisch nachjustiert. Als Belohnung für die exzellente Performance der letzten Stunde werde ich nun ein dezentes Klang-Intermezzo einspielen.“
Aus den Studio-Lautsprechern ertönte ein überraschend lässiger, tanzbarer Remix: Eine perfekte Fusion aus traditionellem bayerischen Jodeln, fetten Hamburger Elektro-Beats und dem treibenden Rhythmus kenianischer Trommeln.
Kiko materialisierte sich mit einem enthusiastischen Sprung auf Wursts Rücken. Das holografische Äffchen war mittlerweile mit einem kleinen, virtuellen Headset ausgestattet und fing an, passend zur Musik bunte, tanzende Pixel-Figuren an die Decke zu projizieren. Die Mitarbeiter im Studio lachten und wippten im Takt mit.
Amina trat zu Lukas ans Fenster und legte ihren Kopf an seine Schulter. „Hättest du gedacht, dass ein bayerischer Defiliermarsch und ein gehacktes Design-Skript uns mal hierher führen würden?“
Lukas legte den Arm um sie und zog sie fest an sich. „Ehrlich gesagt? Nein. Aber es zeigt wohl, ist der Algorithmus erst einmal im Chaos-Modus, schreibt das Leben die besten Programme.“
Über ihnen an der Decke ließen Kiko und Wurst die bunten Pixel-Lichter im Takt der transkontinentalen Musik tanzen. Zwei KI-Haustiere hatten das Netz auf den Kopf gestellt – und zwei Menschen zueinander geführt, deren Herzen nun im exakt selben Takt schlugen. Ganz ohne Verzögerung. Vollkommen fehlerfrei.