Es war einmal in einem kleinen Dorf namens Sunrise-Savanne, wo die Sonne jeden Morgen so hell aufging, dass selbst die Hühner erst nach dem zweiten Weckruf krähten. Hier lebte Kofi, ein Junge mit einem Lächeln, das größer war als sein Magen, wenn es um Süßigkeiten ging.
Eines Morgens, als der Nebel noch wie Watte über den Feldern lag, saß Kofi unter dem riesigen Baobab-Baum, der seit Jahrhunderten stand und alles gesehen hatte – außer vielleicht einen guten Witz.
„Kofi", gurrte eine tiefe, brummige Stimme. „Du siehst aus, als hättest du gerade eine ganze Ananas gegessen."
Kofi zuckte zusammen. Es war Tante Nala, seine Großmutter, die eigentlich gar nicht hier war, sondern nur im Traum erschien, weil sie ihm immer sagte: „Träume sind wie Samen, mein Sohn. Manche wachsen, andere werden zu Unkraut."
„Tante Nala!" rief Kofi und wischte sich Krümel vom Mund. „Ich habe nichts gegessen! Ich habe nur... nachgedacht."
„Nachdenken ist gut", sagte die Stimme des Baobab-Baums plötzlich, was alle Vögel zum Schweigen brachte. „Aber denken ist auch anstrengend. Besser ist es, etwas zu tun. Zum Beispiel... einen Frosch retten."
Kofi blickte verwirrt nach oben. „Einen Frosch? Warum?"
„Weil dieser Frosch glaubt, er könne den Mond fressen", antwortete der Baum trocken. „Und wenn er das tut, wird die Nacht viel heller sein, als wir es wollen. Die Nachtmotten werden blenden."
In diesem Moment hörte man ein lautes Platsch! aus dem nahen Teich. Ein kleiner, grüner Frosch mit einer Brille (die er sich aus zwei Blättern gebastelt hatte) sprang auf einen Stein und rief:
„Heute ist der Tag! Heute esse ich den Mond! Und danach den Sonnenaufgang! Dann bin ich der Herrscher aller Lichter!"
Kofi kicherte. „Der Mond ist doch riesig, Frodo!"
„Frodo?", fragte der Frosch empört. „Mein Name ist Felix der Furchtlose! Und Größe ist nur eine Frage der Perspektive. Wenn ich weit genug springe, ist der Mond klein wie ein Käseball!"
„Ein Käseball?", wiederholte Kofi und lachte. „Aber Felix, der Mond ist tausende Kilometer entfernt!"
„Dann muss ich eben weiter springen", murmelte Felix und bereitete sich zum Sprung vor. Seine Beine spannten sich wie Federn.
„Warte!", rief Kofi. „Wenn du den Mond fressen willst, musst du zuerst wissen, wie er schmeckt. Hast du schon mal probiert?"
Felix hielt inne. „Ähm... nein. Aber ich denke, er schmeckt nach... Milch und Sternenstaub."
„Oder nach kaltem Wasser und Schmutz", sagte Kofi. „Willst du wirklich Schmutz essen?"
Felix sah skeptisch auf den Teich. „Hmm. Vielleicht sollte ich erst testen, ob der Mond überhaupt essbar ist."
Genau in diesem Moment tauchte ein alter Geier namens Gustav auf, der seit Jahren versuchte, eine Zeitung zu lesen, aber immer nur Blätter fraß.
„Hör mir zu, kleiner Frosch", sagte Gustav mit seiner heiseren Stimme. „Ich habe den Mond schon oft gesehen. Er ist hart. Sehr hart. Wie ein Stein. Wenn du ihn beißt, brechen dir die Zähne."
„Stein?", fragte Felix entsetzt. „Aber ich dachte, er wäre aus Käse!"
„Nein", sagte Kofi. „Er ist aus Gestein. Und er ist sehr weit weg. Du würdest ewig springen müssen."
Felix seufzte tief. „Also... kein Mond-Käseball?"
„Leider nein", sagte Kofi und klopfte ihm auf den Rücken. „Aber ich weiß etwas Besseres. Komm mit, ich zeige dir den größten Seerosen-Teppich der Welt. Dort gibt es Fliegen, die schmecken wie kleine Donuts."
Felix' Augen leuchteten auf. „Donuts? Wirklich?"
„Versprochen", sagte Kofi. „Und Tante Nala sagt, Donuts sind besser als Monde."
Der Frosch nickte ernsthaft. „Dann lass uns gehen. Aber vergiss nicht: Wenn du den Mond siehst, sag ihm, er soll sich beeilen. Ich komme bald wieder."
Kofi lachte laut. „Mach dir keine Sorgen, Felix. Der Mond hat Zeit."
Und so machten sich der Junge, der Frosch und der alte Geier auf den Weg, während der Baobab-Baum zufrieden summte: „Gut gemacht, Kofi. Manchmal ist das Beste, was man tun kann, jemanden davon abzuhalten, den Mond zu fressen."
(Fortsetzung folgt in Teil 2...)