Der Weg zum Seerosen-Teich führte durch das hohe Gras der Savanne, das bis zu Kofis Knie reichte und sich im Wind wie goldene Wellen bewegte. Felix hoppelte voraus, während Gustav der Geier über ihnen kreiste, immer noch auf der Suche nach einem essbaren Blatt.
„Sag mal", rief Felix und drehte sich um, „wie schmecken Fliegen eigentlich wie Donuts?"
„Das ist ein Geheimnis", sagte Kofi verschmitzt. „Aber ich kann dir verraten: Sie machen dich nicht dick. Anders als echte Donuts."
„Schade", murmelte Felix. „Dabei habe ich immer davon geträumt, ein dicker Frosch zu sein. Dann könnte ich auf dem Bauch liegen und die Welt beobachten."
Gustav lachte so laut, dass ihm fast eine Feder vom Flügel fiel. „Ein dicker Frosch? Mein Junge, in der Savanne macht nur einer den dicken Frosch – und das ist Herr Bongo!"
„Wer ist Herr Bongo?", fragte Kofi neugierig.
„Der einzige Elefant, der jemals versucht hat, tanzen zu lernen", sagte Gustav. „Er hatte keine Ahnung von Tanz. Aber er hatte Schwung." Er machte eine Pause. „Zu viel Schwung."
In diesem Moment kam ein tiefes BUMM! durch die Luft. Der Boden bebte, und Kofi musste sich fest an einen Grasbüschel klammern.
„Oh nein", sagte Felix und versteckte sich hinter einer großen Lilienblatt. „Das klingt nach Bongo."
Tatsächlich tauchte aus dem Nebel eine riesige graue Gestalt auf – Herr Bongo, ein Elefant mit einem Hut aus Palmblättern, der schief auf seinem Kopf saß und wie ein Regenschirm aussah, der vergaß, geschlossen zu werden.
„HALLO FREUNDE!", rief Bongo so laut, dass alle Vögel in einer Meile Umkreis erschraken. „TANZ MIT MIR! HEUTE IST DER TAG FÜR BONGO-TANGO!"
Er hob ein Bein und versuchte, eine Drehung zu machen. Das Ergebnis war weniger „Tango" und mehr „Erdbeben".
Kofi kicherte. „Herr Bongo, Sie sind fantastisch!"
„DANKE!", brüllte Bongo und verlor dabei seinen Hut. Dieser landete mitten im hohen Gras und wurde sofort von einer Gruppe eifriger Termiten übernommen, die ihn als neuen Wohnort betrachteten.
„OH NEIN!", rief Bongo. „MEIN STILVOLLER HUT!"
Felix sprang mutig vor. „Keine Sorge, Herr Bongo! Wir finden Ihren Hut! Aber dafür müssen Sie versprechen, nicht mehr zu tanzen, solange wir suchen."
Bongo sah bedrückt aus. „NICHT TANZEN? DAS IST WIE... OHNE ELEFANT SEIN!"
„Versprochen", sagte Kofi. „Wir suchen den Hut. Und als Belohnung zeigen wir Ihnen die Fliegen-Donuts am Teich."
„DONUTS?", rief Bongo. „ELEFANTEN MÖGEN DONUTS!"
„Ähm", sagte Kofi vorsichtig. „Fliegen-Donuts. Also... Fliegen. Die schmecken wie Donuts."
Bongo hielt inne. „FLIEGEN?"
„Ja", sagte Felix und nickte ernsthaft. „Aber sie sind lecker!"
„DANN...", sagte Bongo langsam, „BRINGT MICH ZU DEN FLIEGEN-DONUTS!"
So marschierten alle weiter: Kofi vorne, Felix auf seiner Schulter, Gustav oben fliegend, und Bongo dahinter, der jeden Schritt so vorsichtig setzte, als würde er auf Eierschalen laufen. Leider war dies unmöglich.
Als sie endlich den Seerosen-Teich erreichten, lag der Wasserflächen wie ein grünes Teppich vor ihnen. Aber es gab ein Problem.
Auf dem Teich schwamm etwas Großes. Etwa so groß wie ein Auto. Mit Augen. Und einem Mund.
„Was ist das?", fragte Kofi und trat zurück.
Gustav kreiste höher. „Das ist Madame Croco! Eine Krokodilin, die glaubt, sie sei eine Meerjungfrau."
Madame Croco tauchte langsam auf und grüßte mit einer Flosse. „Guten Tag, kleine Leute! Sucht ihr einen Spiegel? Denn ich bin wunderschön!"
„Entschuldigung", sagte Kofi höflich. „Wir wollten nur die Fliegen-Donuts."
„Achtung!", rief Madame Croco warnend. „Diese Fliegen gehören MIR! Seit letzter Woche! Ich habe ein Schild hingesetzt!"
„Ein Schild?", fragte Felix verwirrt. „Ich sehe kein Schild."
„ES STECKT UNTER MEINEM SCHWANZ!", rief Madame Croco stolz.
Alle blickten auf den Schwanz der Krokodilin. Tatsächlich ragte ein kleines Holzschild heraus mit der Aufschrift: „Private Fliegen-Zone. Bitte anklopfen."
„Klopfen?", sagte Kofi. „Bei Fliegen?"
„MAN MUSS RESPEKT VOR FLIEGEN HABEN!", rief Madame Croco empört. „SIE SIND DIE KLEINSTEN BAUER IN DER SAVANNE!"
Herr Bongo konnte sich nicht länger halten. Ein tiefes Grollen entstand in seiner Brust, dann platzte es heraus:
„HAHAHA! DIE KLEINSTEN BAUER! DAS IST KOMISCH!"
Sein Lachen war so laut, dass Madame Croco erschrocken ins Wasser tauchte. Ihr Schwanz wackelte, und das Schild flog weg – direkt auf Felix' Kopf.
„Jetzt hast du es", sagte Felix triumphierend. „Das ist dein Schild!"
Madame Croco tauchte wieder auf. „DAS SIND MEINE RECHTE!"
„Okay, okay", sagte Kofi schnell. „Wir bezahlen die Fliegen-Donuts! Aber bitte lassen Sie uns mindestens zwanzig Fliegen haben!"
„ZWANZIG?", fragte Madame Croco skeptisch. „DAS IST EIN TEUERER PREIS!"
„Wieviel kostet denn eine einzelne?", fragte Felix neugierig.
„Eine Fliege kostet einen Wunsch", sagte Madame Croco geheimnisvoll. „Und zwanzig Fliegen kosten zwanzig Wünsche. ABER – wenn du sie nicht brauchst, kannst du sie auch behalten!"
Kofi und Felix tauschten Blicke. Wünsche? Jetzt? Das klang kompliziert.
„Vielleicht", sagte Kofi langsam, „können wir die Wünsche später nutzen? Als Sparbuch?"
„SPARBUCH?", rief Madame Croco begeistert. „DAS IST GENIAL! EIN WUNSCH-SPARBUCH!"
Und damit nahm sie zwanzig Fliegen und reichte sie Kofi in einem kleinen Blatt-Korb. Als Gegenleistung bekam sie einen Versprechenzettel, auf dem stand: „Zwanzig Wünsche von Kofi, Felix, Bongo & Co."
„Perfekt", sagte Felix und aß eine Fliege. „Mmmh! Schmeckt wirklich wie Donuts!"
„Wirklich?", fragte Bongo und sah neidisch zu.
„Probieren Sie!", sagte Felix. „Eine für Sie!"
Bongo fraß die Fliege. Seine Ohren weiteten sich. „...Es schmeckt wie... Regenwasser und... Honig?"
„Genau", sagte Kofi lächelnd. „Das ist die Magie der Savanne."
Genau in diesem Moment flüsterte eine tiefe Stimme hinter ihnen:
„Gut gemacht, Kinder. Aber achtet auf die Wünsche. Manchmal kommen Dinge, die man nicht erwartet."
Alle drehten sich um. Der Baobab-Baum war da – oder zumindest seine Stimme, die aus dem Wind kam.
„Baobab?", fragte Kofi verwundert.
„Ja", sagte der Baum. „Und ich sage euch: Dieser Wunsch-Sparen wird euch bald gebrauchen. Denn morgen wacht jemand anders auf, der auch Wünsche braucht."
„Wer?", fragte Bongo aufgeregt. „Sagt es mir!"
„Das erfahrt ihr morgen", antwortete der Baum. „Jetzt geht heim. Bevor Madame Croco ihre Preise erhöht."
Madame Croco grinste. „Übrigens... ab morgen kostet eine Fliege zwei Wünsche!"
Alle rannten los.
(Fortsetzung folgt in Teil 3...)