Am nächsten Morgen wachte Kofi auf, als die Sonne gerade ihre ersten goldenen Finger durch das Fenster streckte. Doch etwas war anders. Es gab kein Vogelgezwitscher. Kein Hühnerkrähen. Nichts.
„Das ist seltsam", murmelte er und setzte sich auf. „Warum ist die Welt so still?"
Draußen vor seinem Fenster stand Lamu, ein kleiner Pavian mit einem roten Halstuch, das ihm ständig über das eine Auge fiel. Lamu sah aus, als hätte er eine ganze Woche lang nicht geschlafen – was wahrscheinlich stimmte.
„Kofi", sagte Lamu mit einer Stimme, die klang wie trockenes Laub, „du musst mir helfen."
„Was ist los?", fragte Kofi und öffnete die Tür.
„Ich... ich habe mein Lachen verloren", gestand Lamu traurig. „Gestern Abend habe ich gelacht. Über einen Witz von Gustav. Aber heute... kann ich es nicht mehr."
Kofi runzelte die Stirn. „Wie kann man sein Lachen verlieren?"
„Es ist passiert, als ich den Wunsch-Sparbrief von Madame Croco gelesen habe", erklärte Lamu. „Ich habe gedacht: ‚Wow, zwanzig Wünsche! Das ist unglaublich!' Und dann... pff. Weg. Mein Lachen."
„Ein Wunsch hat dein Lachen genommen?", fragte Kofi verwundert.
„Nein", sagte Lamu. „DER GEDANKE AN DIE WÜNSCHE hat es genommen. Zu viel Aufregung. Meine Lachmuskeln sind... eingeschlafen."
In diesem Moment hoppelte Felix vorbei, immer noch auf seiner Suche nach Donuts. „Hallo Kofi! Hallo Lamu! Habt ihr schon von Herrn Bongo gehört? Er versucht, Fliegen zu zählen, aber er kommt nur bis drei!"
Lamu schaute daraufhin nicht einmal lächelnd. „Das ist... nicht witzig."
„Siehst du?", sagte Felix besorgt. „Sein Lachen ist wirklich weg!"
Kofi kratzte sich am Kopf. „Wir brauchen Hilfe. Wir müssen zum Baobab-Baum gehen."
„Der flüsternde Baum?", fragte Lamu. „Der weiß wirklich alles?"
„Alles, außer wie man einen Witz macht", sagte Kofi und grinste. „Komm mit."
Die drei machten sich auf den Weg. Unterwegs trafen sie Zahara, eine junge Giraffe mit einem Schal aus bunten Federn. Sie trug eine Brille, die sie aus Zweigen gebastelt hatte.
„Wo geht's hin?", fragte Zahara und reckte ihren langen Hals so hoch, dass sie fast Wolken berührte.
„Zum Baobab", sagte Kofi. „Lamu hat sein Lachen verloren."
„Oh nein", sagte Zahara erschrocken. „Ohne Lachen ist die Savanne wie Wasser ohne Fische – leer und traurig. Ich komme mit!"
So wanderten sie weiter, mit Lamu vorne, Felix auf seiner Schulter, Kofi in der Mitte, Zahara dahinter (ihr Hals reichte weit über alle hinweg), und Gustav, der oben kreiste und gelegentlich einen Witz erzählt, den niemand verstand, weil seine Feder immer im Weg war.
Als sie den Baobab erreichten, saß Madame Nala – Kofis Großmutter – dort und strickte einen Socken aus Spinnennetzen.
„Ah", sagte sie, als sie die Gruppe sah. „Ihr sucht das Lachen."
„Ja", sagte Kofi. „Können Sie es zurückbringen?"
„Das Lachen lässt sich nicht zurückrufen", sagte Tante Nala. „Aber man kann es neu pflanzen. Wie einen Samen."
„Einen Samen?", fragte Lamu. „Mit welchem Material?"
„Mit Freude", sagte Tante Nala. „Und Geduld. Und einem wirklich schlechten Witz."
„Einem schlechten Witz?", wiederholte Felix und lehnte sich vor. „Ich kenne einen!"
„Nicht du", sagte Gustav. „Deine Witze klingen wie Froschgeräusche."
„Das ist ein Kompliment!", rief Felix beleidigt.
„Hör zu", sagte Tante Nala ruhig. „Jeder von euch muss einen Witz erzählen. Einen wirklich schlimmen. Derjenige, dessen Witz am schlechtesten ist, bekommt das Lachen zurück."
„Also müssen wir absichtlich schlecht sein?", fragte Kofi.
„Ja", sagte Tante Nala. „Und das ist schwieriger, als es scheint."
Erstens versuchte Gustav. „Was sagt ein Geier, wenn er einen Keks findet? ‚KekS!' Weil ich sehe... ähm... ja." Er stopfte sich eine Feder in den Schnabel und sagte: „Das war nicht gut."
Zweitens war Felix dran. „Warum darf ein Frosch keine Brille tragen? Weil er sonst alles zu nah sieht! HAHAHA!" Er wartete auf Gelächter. Niemand lachte.
Drittens versuchte Zahara. „Was sagt eine Giraffe, wenn sie einen Hut verliert? ‚Oh nein, ich finde meinen Kopf nicht!' ... Also..." Sie seufzte.
Vierter Versuch: Kofi. „Was macht ein Elefant, wenn er tanzt? BUMM! Er macht ein Erdbeben!"
„Das war kein Witz", sagte Lamu ernsthaft.
„Und das ist das Ziel!", rief Tante Nala. „PERFEKT!"
In diesem Moment fing Lamu an zu kichern. Erst leise. Dann lauter. Dann so laut, dass alle Vögel erschrocken aufflogen.
„HAHAHA!", rief Lamu. „MEIN LACHEN IST ZURÜCK!"
Alle lachten mit ihm – sogar Madame Nala, was selten vorkam. Ihr Sockengestrick fiel zur Erde, und sie musste sich festhalten, damit sie nicht lachend umfiel.
„Du hast gewonnen", sagte Tante Nala lächelnd. „Weil dein Witz der schlimmste war."
„Aber das war fair!", sagte Kofi. „Niemand sollte gewinnen wollen."
„Genau", sagte Tante Nala. „Deshalb ist das Lachen zurück."
Genau in diesem Moment flüsterte der Baobab-Baum:
„Gut. Aber achtet auf Madame Crocos Wünsche. Sie haben einen Preis. Und dieser Preis wird bald gefordert."
„Welcher Preis?", fragte Lamu aufgeregt.
„Das erfährt ihr heute Abend", sagte Tante Nala geheimnisvoll. „Wenn die Sonne untergeht und die Sterne erscheinen."
„Was für ein Geheimnis?", fragte Felix neugierig.
„Das ist die Aufgabe des Tages", sagte Kofi. „Kommt mit. Wir müssen Madame Croco besuchen."
„WARUM?", rief Gustav. „DAS IST GEFAHRVOLL!"
„Nein", sagte Kofi. „Madame Croco ist nur... kompliziert. Wie eine Krokodiltasche voller Wünsche."
Und so machten sich alle auf den Weg zum Teich, wobei Lamu unterwegs einen neuen Witz erzählte: „Was sagt ein Pavian, wenn er ein Lachen verliert? ‚Oh nein, meine Freude ist weg!' Und was sagt ein Pavian, wenn er es wiedergefunden hat? 'HALLO FREUDE! WIE GEHT ES DIR?'"
Alle lachten. Und zum ersten Mal seit Tagen fühlte sich die Savanne ganz normal an.
(Fortsetzung folgt in Teil 4...)