Als die Sonne hinter den Akazienbäumen unterging, tauchte die Savanne in ein warmes Orangerot. Die Schatten wurden lang, und die ersten Grillen begannen ihre nächtliche Musik zu spielen. Kofi und seine Freunde marschierten Richtung Teich, wobei jeder einen anderen Gedanken im Kopf hatte.
„Sag mal", sagte Lamu und wippte nervös mit dem Schwanz, „was glaubt ihr, ist der Preis für die Wünsche?"
„Vielleicht müssen wir Fliegen zählen", sagte Felix hoffnungsvoll. „Das kann ich! Ich kann bis drei!"
„Zwei", korrigierte Zahara liebevoll. „Du hast letzte Woche bei einem Schmetterling aufgehört."
„DANN ZÄHLE ICH BIS VIER!", rief Felix empört. Und er begann sofort: „Eins... zwei... drei... ähm..."
„Das reicht erstmal", lachte Kofi. „Aber ernsthaft, wir sollten vorsichtig sein. Madame Croco ist... nun ja, kompliziert."
Gustav kreiste höher. „Ich habe sie schon öfter gesehen. Wenn sie einen Wunsch bekommt, wird sie... euphorisch. Wie ein Geier, der gerade发现 (finde ich?) eine große Fleischstelle sieht."
„Findest du", sagte Zahara. „Deine chinesischen Wörter sind verwirrend."
„Es ist ein neues Wort", sagte Gustav stolz. „Ich habe es gestern von einem Reisenden gelernt."
Endlich erreichten sie den Seerosen-Teich. Madame Croco wartete bereits auf der Wasserfläche, mit ihrer Flosse auf dem Hintern balancierend wie eine Zirkusdarstellerin.
„AH!", rief sie, als sie die Gruppe sah. „DIE KUNDEN SIND DA! WILLKOMMEN IM CROCOS WUNSCH-PARADIES!"
„Paradies?", wiederholte Kofi skeptisch. „Sie hat doch nur einen kleinen Schild."
„DER SCHILD IST SYMBOLISCH!", rief Madame Croco. „WIE EIN HINTERN, DER NACH EINEM BAD RUFT!"
Alle blieben stumm. Das war... seltsam formuliert.
„Guten Abend", sagte Kofi höflich. „Wir wollten über unsere Wünsche sprechen."
„EXAKT!", rief Madame Croco. „Jeden Abend um diese Zeit komme ich an! Und heute ist der Tag, wo ich ZAHLEN!"
„Zahlen?", fragte Kofi und trat einen Schritt zurück.
„JA!", sagte Madame Croco und tauchte kurz unter. Als sie wieder auftauchte, hielt sie ein großes Buch in der Flosse. „ICH HABE ALLE IHR GEBOTENE WÜNSCHE AUFGEZEICHNET! UND JETZT KOMMT DER TEIL, WO IHR ZAHLT!"
„Aber... wir haben doch nichts versprochen außer dem Versprechenzettel", sagte Kofi vorsichtig.
„VERSCHREIBEN IST VERSCHREIBEN!", rief Madame Croco. „ZWANZIG WÜNSCHE! TWENTY WISHES! XX VINGT VOEUX!"
„Sie spricht drei Sprachen", flüsterte Felix beeindruckt.
„Genau", sagte Madame Croco. „Und jede Sprache kostet extra! Also zwanzig Wünsche plus Sprachgebühr plus Zinsen plus Late Fee plus... ähm... was auch immer ich vergessen habe!"
„Das ist unfair", sagte Lamu empört. „Wir wollten doch nur Fliegen!"
„AUCH DAS!", rief Madame Croco. „FLIEGEN SIND INBEGRIFEN, ABER NUR MIT EINEM WUNSCH! OHNE WUNSCH KOSTET ES DREI WÜNSCHE!"
„Das ergibt keinen Sinn", murmelte Zahara. „Wie können drei Wünsche mehr kosten als einer?"
„WEIL DIE FLIEGEN WERTVOLLER SIND, WENN MAN NICHT ZAHLEN WILL!", rief Madame Croco triumphierend.
In diesem Moment tauchte plötzlich Herr Bongo aus dem hohen Gras auf. Er trug immer noch keinen Hut, aber er hatte sich statt dessen eine Schachtel auf den Kopf gesetzt – mit der Aufschrift „Schatzkasten Nr. 7".
„HALLO!", rief Bongo und hob beide Ohren. „ICH HABE ETWAS FÜR EUCH! MEINE TANTE HAT MIR GESAGT, DASS MADAME CROCO WÜNSCHE VERKAUFT!"
„DEINE TANTE?", fragte Kofi verwirrt. „Hat Bongo eine Tante?"
„ALLE ELEFANTEN HABEN TANTEN!", rief Bongo. „UND IHRE TANTE HEIẞT TANTE ZARA! SIE IST DIE KÖNIGIN DES TANGES!"
„Die Königin des Tanzes?", wiederholte Gustav. „Aber Bongo, du tanszt doch so..."
„BUMM!", unterbrach Bongo und machte eine Drehung. Der Schatzkasten fiel von seinem Kopf und landete direkt neben Madame Crocos Flosse.
„ÖFFNEN!", rief Madame Croco aufgeregt. „DAS KÖNNTE GELD ENTHALTEN!"
Sie öffnete den Kasten. Draußen fielen... Schokoladenstücke. Viele Schokoladenstücke. Alle mit kleinen Wünschen darauf geschrieben.
„WUNSCH-SCHOKOLADE?", sagte Felix entsetzt. „DAS IST DOCH GEBAUT AUS SCHOKOLADE!"
„EXAKT!", rief Tante Nala, die plötzlich aus dem Gebüsch trat. „MEINE SCHWESTER HAT DIESE SCHOKOLADE HERGESTELLT. SIE IST VERFLUCHT!"
„Verflucht?", fragte Kofi und trat zurück.
„JA", sagte Tante Nala ernsthaft. „WERESSIG DIESE SCHOKOLADE, MUSS JESEN EINE WAHNHAFTEN WUNSCH ERZÜHLEN. UND JESEN, DEN EIN WAHNHAFTER WUNSCH ERZÜHLT, MUSS DIE SCHOKOLADE WIEDER AUSENDEN!"
„Also... ein Kreislauf?", fragte Lamu verwirrt.
„GENAU", sagte Madame Croco und kaute bereits auf einem Stück. „MMMH! SCHMECKT WIE CHOCOLATE UND... ÄHM..."
Ihre Augen weiteten sich. Plötzlich begann sie zu sprechen:
„ICH WÜNSCHE, DASS ALLES IN DER SAVANNE NACH SCHOKOLADE RIECHT! UND DASS DIE FOSSEN NACH VANILLE DUFTEN! UND DASS JEDER KROKODILE EINEN SCHOKOLADEN-HUT TRAGEN!"
„Das ist doch kein guter Wunsch", sagte Kofi besorgt.
„OH NEIN!", rief Madame Croco erschrocken. „ICH HABE ES AUSGESPROCHEN!"
„JETZT MUSS ICH ES AUSENDEN", sagte Tante Nala. „DAS IST DAS REGELWERK DER WUNSCH-SCHOKOLADE!"
Plötzlich beganen die Sterne am Himmel zu glühen. Ein warmer, schokoartiger Duft erfüllte die Luft. Und tatsächlich – alle Felsen in der Umgebung riechen plötzlich nach Vanille.
„Das ist... seltsam schön", sagte Zahara und schnupperte an einem Stein.
„ABER", sagte Tante Nala streng, „JEDER MUSS EINEN GEGENWUNSCH MACHEN! SONST BLEIBT DIE SCHOKOLADE IMMER DA!"
Kofi dachte nach. „Also... wenn Madame Croco einen Wunsch sagt, muss jemand anderes einen besseren wünschen, damit alles normal bleibt?"
„GENAU", sagte Tante Nala. „DAS IST DIE MAGIE DER SAVANNE!"
„DANN..." sagte Kofi langsam, „ICH WÜNSCHE, DASS ALLE WÜNSCHE NUR FÜR DIE FREUDE GEBRAUCHT WERDEN! NICHT FÜR GELD! NICHT FÜR MACHT! NUR FÜR FREUNDSCHAFT!"
In diesem Moment hörte der Schokoduft auf. Die Sterne leuchteten wieder normal. Madame Croco schaute auf ihre Flosse, die nicht mehr nach Vanille roch.
„DU HAST GEWONNEN", sagte sie ehrfürchtig. „DEIN WUNSCH WAR BESSER ALS MEINER."
„DANKE", sagte Kofi und lächelte. „Jetzt können wir die Schokolade teilen."
„TEILEN?", rief Bongo aufgeregt. „ELEFANTEN LIEBEN SCHOKOLADE!"
„Aber nur eine Scheibe pro Person", sagte Tante Nala. „Sonst gibt es Bauchweh."
So aßen alle eine Scheibe Schokolade – und zum ersten Mal seit langem fühlte sich alles einfach richtig an.
Aber tief im Wald flüsterte eine Stimme:
„Gut gemacht... aber achtet auf den nächsten Vollmond. Denn dann öffnet sich die Höhle der alten Wünsche..."
„Wer war das?", fragte Lamu aufgeregt.
„Keine Sorge", sagte Kofi und lächelte müde. „Wir schaffen das. Zusammen."
(Fortsetzung folgt in Teil 5...)