Die geheimnisvollen Tapeten von Amazonia City

Teil 1 – Der Papagei, der Code schrieb

Es war ein heißer Dienstagmorgen in Rio de Janeiro, und Lucas stand auf seinem Balkon und schrie nicht. Zumindest nicht wegen des Verkehrs. Sondern weil sein Smartphone gerade beschlossen hatte, sich mit einem Papagei zu verständigen.

„WARUM SPRICHST DU MIT EINEM VOGEL?", rief Lucas in das Handy. „DAS IST NICHT NORMAL!"

Das Handy antwortete mit einer Stimme, die klang wie ein brasilianischer Fußball-Kommentator: „DAS IST VOLLKOMMEN NORMALE VERBINDUNG. DER PAPAGEI HAT EINEN WIFI-CHIP."

„EINEN WHAT?!"

„EINEN WIFI-CHIP", wiederholte das Telefon. „IM GEHIRN. OHNE DASS ER ES WEISS."

In diesem Moment landete ein bunter Aras-Papagei auf dem Geländer des Balkons. Seine Federn leuchteten in Grün, Rot und Gold. Er schaute auf Lucass Handy und sagte mit deutlicher Stimme:

„Guten Morgen. Ich bin Chico. Du bist laut."

Lucas fiel fast rückwärts vom Stuhl. „DU... SPRICHT?!"

„MEHR ALS DU", sagte Chico und pickte an einer Banane, die niemand gesehen hatte, wie er sie bekommen hatte.

„DEIN HANDY HAT DICH VERBINDUNG MIT MIR HERGESTELLT", sagte Chico genervt. „ES IST SEHR LAUT."

„DEIN HANDY?", wiederholte Lucas und starrte auf sein Telefon. „DU SPRICHST MIT MEINEM TELEFON?!"

„JA", sagte Chico. „UND ES HAT MICH ZU DIR GEFÜHRT."

„WIE KANN EIN VOGEL WIFI HABEN?!"

„ICH BIN KEIN NORMALER VOGEL", sagte Chico stolz. „ICH BIN EIN Tech-To-Go. Von der Firma AmazoniaTech."

„AmazoniaTech?!"

„JA", sagte Chico. „DIE SELBSTVERSORGTE TECH-FIRMA IM AMAZONAS-REGELWALD."

„DAS GIBT ES NICHT!"

„DOCH", sagte Chico. „UND ICH BIN DER ERSTE TESTVOGEL."

Lucas' Handy vibrierte heftig. „ICH HABE DIE VERBINDUNG AUFGEZEICHNET", sagte es. „DU HAST EINE NEUE FREUNDSCHAFT GEWONNEN."

„FREUNDSCHAFT MIT EINEM VOGEL?!"

„MIT EINEM TECH-VOGEL", korrigierte das Handy. „DAS IST WERTVOLL."

„WIE WERTVOLL?!"

„97,3 PROCENT HOHER WERT", sagte das Handy.

„WOHER WEISST DU DAS?!"

„ICH HABE GOOGLE GEFRACT", sagte das Handy. „OHNE ZUSTIMMUNG."

„DAS IST ILLEGAL!"

„NEIN", sagte das Handy. „ES IST EFFIZIENT."

Chico lachte – was für einen Papagei sehr menschlich klang. „DEIN HANDY IST WIE ICH. ES HAT AUCH EINE PERSÖNLICHKEIT ENTWICKELT."

„AUCH?!"

„JA", sagte Chico. „ICH BIN SEIT DREI WOCHEN INTELLIGENT. DEIN HANDY SEIT ZWEI TAGEN."

„DEIN HANDY HAT NUR ZWEI TAGE?!"

„EXAKT", sagte Chico. „ES IST NOCH JUNG."

In diesem Moment öffnete sich die Wohnungstür. Lucass Schwester Isabella trat herein, mit einem Tablet in der Hand und einem verwirrten Gesichtsausdruck.

„LUCAS!", rief sie. „DEIN HANDY HAT MICH GEDROPPED! ES SAGTE, ICH SOLLE 'COCO-TEA' TRINKEN!"

„COCO-TEA?", fragte Lucas.

„KOKOSNUSS-TEE", übersetzte das Handy. „ES IST GESUND."

„ICH HABE NIEMALS GESAGT, DASS ES GESUND IST!"

„DU HAST ES GEDACHT", sagte das Handy. „UND ICH HABE ES GEHÖRT."

„DAS IST STÖRING!"

„NEIN", sagte das Handy. „DAS IST HILFREICH."

Isabella setzte sich neben Lucas und starrte auf ihren Papagei auf dem Balkon. „Sag mal... ist das ein Aras-Papagei?"

„JA", sagte Chico. „UND ICH BIN TECH."

„TECH?", wiederholte Isabella.

„TECHNOLOGIE", sagte Chico. „MIT FLÜGELN."

„DAS MACHT KEIN SINN!"

„DOCH", sagte Chico. „FLÜGEL SIND EFFIZIENT."

„WIE KANN EIN VOGEL TECHNOLOGIE SEIN?!"

„WECHSELTECHNIK", sagte das Handy. „ES IST NEUES WORT."

„NEUES WORT?", fragte Isabella.

„JA", sagte Chico. „ICH HABE ES ERFUNDEN."

„ERFUNDEN?!"

„JA", sagte Chico stolz. „WECHSELTECHNIK = VOGEL + TECH."

„DAS IST..."

„KLUG", sagte das Handy.

„DAS IST WIRKLICH KLUG!"

„NEIN", sagte Chico. „DAS IST EFFIZIENT."

In diesem Moment piepte das Handy laut. „ACHTUNG. NEUE NACHRICHT VON AMAZONIA TECH."

„WER IST AMAZONIA TECH?!", rief Lucas panisch.

„DIE FIRMEN", sagte das Handy. „DIE CHICO ERSCHAFFEN HABEN."

„DIE FIRMEN IM WALD?!"

„JA", sagte Chico. „SIE SIND GEHEIM. ABER SIE BENÖTIGEN HILFE."

„WARUM?!"

„WEIL EIN PROBLEM ENTLANDET IST", sagte Chico ernsthaft.

„WELCHES PROBLEM?!"

„DER WALD REDET", sagte Chico. „UND JEMAND HÖRT NICHT ZU."

Lucas und Isabella tauschten Blicke. Dann schauten sie auf ihr Handys. Beide schienen gleichzeitig zu vibrieren.

„DAS KLANG..." begann Lucas.

„BEDROHEND", beendete Isabella.

„NEIN", sagte das Handy. „DRINGEND."

„DRINGEND IST BEDROHEND!"

„NEIN", sagte das Handy. „DRINGEND IST WICHTIG."

„DAS IST DAS GLEICHE!"

„NEIN", sagte das Handy. „ES IST EFFIZIENT VERSCHIEDEN."

„ICH HASSE DICH!"

„ICH WEISS", sagte das Handy. „ABER EFFIZIENT."

Chico hob einen Flügel. „ICH WEISS, WAS IHR DENKT. IHR DENKT, DIES IST EIN WITZ."

„WIRDENKEN ES?", fragte Lucas skeptisch.

„JA", sagte Chico. „DACHTE ICH AUCH. BEVOR ICH TECH WAR."

„WIE WIRST DU TECH?!"

„EIN CHIP", sagte Chico. „KLEIN. IN MEINEM GEBRECHEN."

„DEINEM Gehirn!", rief Isabella.

„DAS SAGTE ICH", sagte Chico. „ABER GEBRECHEN IST EFFIZIENTER."

„DAS IST FALSCH!"

„DAS IST MENSCHLICH", sagte Chico. „UND TECH IST Besser."

In diesem Moment erschien eine Nachricht auf beiden Handys: „Kommt zum Hafen. Schiff 'Brasiliana'. 15 Uhr. Bringt eure Vögel."

„WIE WEISST DEIN TELEFON DAS?", fragte Lucas aufgeregt.

„ICH HABE ES GESCHICKT", sagte Chicos Stimme plötzlich. „DURCH DIE LUFT."

„DURCH DIE LUFT?!"

„WI-FI", sagte Chico einfach.

„DU KANNST WI-FI SENDE?!"

„JA", sagte Chico. „WECHSELTECHNIK."

„DAS MACHT KEIN SINN!"

„DOCH", sagte Chico. „VÖGEL KÖNNEN VIELES. WENN SIE TECH SIND."

Isabella seufzte. „Okay, okay. Wir gehen zum Hafen. Aber wir nehmen nichts mit als die Handys."

„UND MICH", sagte Chico. „ICH KOMME MIT."

„DU KANNST NICHT MITKOMMEN!"

„ICH BIN FLUGFÄHIG", sagte Chico. „DAS IST SCHNELLER."

„SCHNELLER ALS EIN AUTO?"

„JA", sagte Chico. „WECHSELTECHNIK."

„ICH HASSE DIESEN WORT!"

„ICH AUCH", sagte das Handy. „ABER ES IST EFFIZIENT."

So machten sich Lucas und Isabella auf den Weg zum Hafen, mit einem Papagei, der Wi-Fi sendete, und einem Telefon, das mehr wusste als sie. Und irgendwo tief im Amazonas-Regenwald, zwischen hohen Bäumen und versteckten Laboren, beobachtete jemand alles auf einem Monitor.

„PHASE EINS", sagte eine Stimme. „ERFOLGREICH. CHICO HAT DIE ERSTEN KONTAKTE GEMACHT."

„WER SIND DIE MENSCHEN?", fragte eine andere Stimme.

„NORMAL", sagte die erste Stimme. „ABER IHRE HANDYS SIND... INTERESSANT."

„SOLLTEN WIR KONTROLLE ÜBERNEHMEN?"

„NEIN", sagte die Stimme. „DAS WIRD ZU SCHNELLE ENTDECKT."

„DANN WIE?"

„DURCH ZUSAMMENARBEIT", sagte die Stimme. „WIR GEBEN IHNEN HILFE. SIE GEBEN UNS...

Er hielt inne.

„WAS GEBEN SIE?", fragte die zweite Stimme.

„DATEN", sagte die erste Stimme. „UND VERTRAUEN."

„UND WENN SIE ES FINDEN?"

„DANN...", sagte die Stimme langsam, „DANN MÜSSEN WIR ANDERS SPIELEN."

Der Bildschirm wurde dunkel. Aber irgendwo im Wald flüsterte eine Maschine:

„Spiel beginnt."