Der Torre de Luz ragte über São Paulo wie ein schwarzer Finger zum Himmel. 46 Stockwerke aus Glas und Stahl reflektierten das Licht der Stadt, aber unter ihren Füßen war es dunkel – zu dunkel.
„WIR SIND ANGEKOMMEN", sagte Don Pedro und sprang vom Schiff. Sein Sombrero fiel herunter, aber er fing ihn mit der Pranke auf. „Saubere Landung."
„DU BIST EIN TIER!", rief Lucas. „DU KANNST NICHT LANDEN! DU KANNST NUR HERABFALLEN!"
„DAS IST DAS GLEICHE", sagte Don Pedro.
„NEIN!"
„DOCH", sagte Don Pedro. „EFFIZIENT."
„ICH—" Lucas hielt inne. Er atmete tief durch. „Gut. Wir gehen rein."
„Zuerst müssen wir die Tiefgarage erreichen", sagte Tito von seiner Position auf dem Armaturenbrett. „Dort beginnt der Schacht."
„UND WIE KOMMEN WIR IN DIE TIEFGARAGE?", fragte Isabella.
„DIE TÜR IST AUTOMATISCH", sagte Tito. „ICH MACHES ÖFFNEN."
„DU MACHES?!", rief Lucas.
„ÖFFNE", korrigierte Tito. „GRAMMATIK IST WICHTIG."
„GRAMMATIK IST NICHT WICHTIG! SICHERHEIT IST WICHTIG!"
„BEIDES IST WICHTIG", sagte Tito. „WECHSELTECHNIK."
„BITTE HÖR AUF!"
Tito tippte auf seinem Tablet. Einen Moment später piepten alle Handys gleichzeitig.
„ACCESS GRANTED", sagte Prinzessin auf Isabellas Tablet. „DIE TÜR WIRD SICH JETZT ÖFFNEN. WIR HABEN EINE EINLADUNG GESCHICKT."
„EINE EINLADUNG?!", rief Lucas. „WIR BRECHEN EIN UND SAGEN ES ALS EINLADUNG?"
„ES IST EIN SOCIAL HACKING", sagte Prinzessin stolz. „SEHR ELEGANT."
„DAS IST KRIEGERISCH!"
„DAS IST ELEGANT", wiederholte Prinzessin.
Die Tiefgaragentür glitt lautlos auf. Dahinter lagen mehrere Parkplätze, einige Autos und eine Rampe, die nach unten führte.
„WIR SIND DRIN", sagte Don Pedro und schnüffelte. „ES RIECHT NACH... SCHMIERÖL UND ANGST."
„ANGST?", fragte Isabella.
„JA", sagte Don Pedro. „TIERE HABEN HIER GEWEINT."
Chico flog voraus und landete auf einer Betondecke. „ICH SEHE ETWAS. EINEN SCHACHT."
Er zeigte auf eine metallene Luke in der Ecke der Garage. Sie war unauffällig, grau und hatte keine Beschriftung – außer einem kleinen Symbol: eine Träne.
„DAS IST ES", sagte Don Pedro. „EBENE 47."
„DIE LÜKE HAT KEINE BESCHRIFTUNG!", sagte Lucas und trat näher.
„DAS MACHT SIE GEHEIM", sagte Tito. „NICHT BESCHRIFTET = VERSTECKT."
„DAS MACHT KEIN SINN!"
„DOCH", sagte Tito. „WENN ETWAS NICHT BESCHRIFTET IST, DENKEN MENSCHEN, ES SEI NICHT DA."
„WEIL SIE FAUL SIND", sagte Chico.
„WECHSELTECHNIK!"
„ICH HASSE DICH ALLE!"
Das Handy vibrierte. „ICH KANN DIE SCHLOSSMECHANIK ÜBERNEHMEN."
„DANN TU ES!", sagte Lucas.
„WARTEN", sagte Don Pedro. „ZUERST FRAGEN."
„FRAGEN WEN?!"
„DIE LÜKE", sagte Don Pedro ernsthaft.
„DIE LÜKE KANN NICHT SPRICHEN!"
„ALLES KANN SPRECHEN", sagte Don Pedro. „WENN MAN ZUHÖRT."
Lucas starrte auf den Jaguar. „Du willst eine Tür fragen, ob wir hereinkommen können?"
„JA", sagte Don Pedro.
„DAS IST..."
„EFFIZIENT", sagte das Handy.
„NEIN!"
„DOCH", sagte Don Pedro. „WENN MAN FRAGT, ÖFFNET SIE SICH BESSER."
„WIE?"
„WEIL ES RESPEKT IST", sagte Don Pedro.
Lucas seufzte. Er wandte sich der Lüke zu. „Ähm... hallo. Wir müssen reinkommen. Bitte?"
Stille.
Dann öffnete sich die Lüke. Langsam. Mit einem quietschenden Geräusch, das klang wie ein alter Baum im Wind.
„DAS WAR..." begann Lucas.
„RESPEKT", sagte Don Pedro.
„DAS WAR ZUFALL!"
„DAS IST DAS GLEICHE", sagte Don Pedro. „ZUFALL IST RESPEKT OHNE ABSTIMMUNG."
„ICH"— Lucas schloss die Augen. „Gut. Weitermachen."
Der Schacht führte steil nach unten. Eine metallene Leiter lehnte an der Wand, und die Luft wurde feuchter und kälter, je tiefer sie kamen.
„WIR SIND ABONNEMENT", sagte Chico und landete auf Lucass Schulter.
„ABER NICHT VIEL", sagte Tito von unten. „NOCH 30 STUfen."
„30 STUFEN SIND NICHT VIEL?"
„FÜR MICH NEIN", sagte Tito. „ICH BIN KLEIN."
„DU BIST EIN AFFE!"
„KLEINER AFFE", sagte Tito stolz.
Nach 45 Minuten waren sie unten. Vor ihnen erstreckte sich ein langer Gang, beleuchtet mit schwachem blauen Licht. An den Wänden hingen Bilder – aber keine normalen Bilder.
„WAS SIND DAS?", fragte Isabella und trat näher.
„ES SIND FOTOS VON TIEREN", sagte Don Pedro und las die kleinen Schilder darunter. „CAPYBARA. TOUCAN. FAULTIER. ALL DIE VERSCHWUNDENEN."
„UND WARUM Hängen SIE HIER?"
„WEIL SIE NICHT VERGESSEN WERDEN SOLLTEN", sagte Don Pedro. „ODER... WEIL SIE ZUR AUSSTELLUNG GEHÖREN."
„ZUR AUSSTELLUNG?!"
„JA", sagte Don Pedro. „ALS EXAMPLE."
„EIN EXAMPLE WOVON?"
„DASS WIR KONTROLLIERBARI SIND", sagte Don Pedro leise.
Isabella legte ihre Hand gegen ein Bild eines Capybaras. Seine Augen sahen direkt auf sie zurück. Und es war, als würde er...
„Er weint", flüsterte sie. „Er weint."
„DAS BILD WEINT?", fragte Lucas skeptisch.
„NEIN", sagte Don Pedro. „DER CAPYBARA AUF DEM BILD. ER WEINT. ABER NICHT MIR."
„WIE SEHEN DAS?"
„TRÄNEN IN EINEM BILD?", fragte Isabella. „DAS IST—" Sie hielt inne. „Es sind echte Tränen. Vom echten Capybara."
„DIE MASCHINE SAMMLT SIE", sagte Don Pedro. „JEDES BILD IST EINE SPEICHERSTATION."
„DAS IST—""
„GRÄSSLICH", sagte Prinzessin vom Tablet. „WIE EINE SCHLECHTE BELEUCHTUNG AUF EINEM SCHÖNEN GESICHT."
„DAS IST DAS GLEICHE!"
„NEIN", sagte Prinzessin. „DAS IST PRAKTISCHER."
„ICH"— Lucas schloss die Augen. Er zählte bis zehn. Dann sagte er: „Wir finden den Capybara jetzt. Sofort."
„JA", sagte Don Pedro. „ABER VORSICHT."
„WARUM VORSICHT?"
„WEIL ICH ETWAS HÖRE", sagte Don Pedro und richtete seine Ohren. „SCHritte."
Alle wurden still. Tatsächlich war ein leises Klicken aus dem Gang zu hören. Metall auf Beton. Regelmäßig. Sich nähernd.
„WER IST DAS?", flüsterte Tito.
„ICH WEISS ES NICHT", sagte Don Pedro. „ABER ES IST NICHT EINER VON UNS."
„WIR MÜSSEN UNS VERSTECKEN!", sagte Isabella.
„WO?", fragte Chico. „DIESES GANG IST OFFEN."
„DAHINTER", sagte Tito und zeigte auf eine kleine Nische in der Wand. Sie war halb mit einem Vorhang aus Metallgitter versteckt.
„DORT!", sagte Isabella.
Sie huschten in die Nische gerade als die Schritte näher kamen.
Zwei Figuren tauchten aus dem Dunst auf. Sie waren groß, trugen weiße Anzüge und hatten Gesichtsmasken, die keine Züge zeigten. Nur glatte Flächen.
„SICHERHEITSKONTROLLE", sagte eine kalte Stimme. „ALLE SYSTEME OPERATIV."
„TRÄNENSAMMLUNG", sagte die andere Stimme. „PROZENTSTAND: 87,3 PROZENT."
„FORTSETZEN?", fragte die erste.
„JA", sagte die zweite. „PHASE DREI BEGINNT BEI 90 PROZENT."
„VERSTANDEN."
Die zwei Figuren gingen weiter, vorbei an der Nische, ohne die Gruppe zu bemerken.
Sobald sie weg waren, kamen sie heraus.
„87,3 PROZENT?", flüsterte Isabella. „WAS SIND DAS FÜR PROCENTE?"
„TRÄNEN", sagte Don Pedro. „SIE SIND FAST VOLLSTÄNDIG."
„90 PROZENT...", sagte Chico. „DANN BEGINNT PHASE DREI."
„UNSERE NACHRICHT VON DR. CAMILA SAGTE, PHASE DREI WÜRDE BEGINNEN, WENN WIR ANKAMMEN", sagte Don Pedro. „DIE ZWEI FIGUREN HABEN ES BESTÄTIGT."
„DANN SIND WIR IN ZEIT?", fragte Lucas.
„GENAU RICHTIG", sagte Don Pedro. „WENN WIR LANGSAM WAREN, WÄREN WIR ZU SPÄT."
„DANN WÄREN DIE TIERE VERLOREN?"
„VERLOREN", sagte Don Pedro. „ODER SCHLIMMER."
„SCHLIMMER ALS VERLOREN?"
„KONTROLLIERT", sagte Don Pedro leise. „OHNE FREIHEIT."
Stille. Dann sagte Lucas:
„Wo ist der Capybara?"
Don Pedro schaute die Gasse entlang. Am Ende gab es eine große Tür mit einer roten Markierung: „Ebene 47 – Zugang nur für Berechtigte"
„DORT", sagte Don Pedro. „ABER DIE TÜR IST GESCHÜTZT."
„GESCHÜTZT WIE?"
„BIOMETRISCH", sagte Tito und tippte auf sein Tablet. „ES BENÖTIGT EINEN IMPRESSUM VON EINEM BEAUTIGERTE TÜRE."
„EINEN IMPRESSUM VON EINEM BIOLOGISCHEN TIER?"
„JA", sagte Tito. „DIE MASCHINE WILL WISSEN, DASS WIR TECH-TIERE SIND."
„DAS IST GUT!"
„NEIN", sagte Tito. „ES IST SICHER." Er hielt inne. „WIR MÜSSEN EINE BIOMETRISCHE SCAN MACHEN."
„WER?"
„ICH", sagte Chico. „ICH BIN EIN VOGEL. MEIN CHIP IST KLAR."
„Wird es funktionieren?", fragte Don Pedro.
„ICH WEISS ES NICHT", sagte Chico. „ABER WIR VERSUCHEN ES."
Chico flatterte zur Tür. Er legte seinen Schnabel auf den Sensor. Ein Moment der Stille. Dann...
„CHIP ERKANNT", sagte eine elektronische Stimme. „MITGLIED DER PATAWEB. ZUGANG GEWÄHRT."
Die Tür öffnete sich mit einem leisen Zischen.
Hinter ihr lag ein großer Raum. In der Mitte stand eine Maschinerie – riesige Rohre, die von der Decke herabhingen, und unter jedem Rohr saß ein Tier. Der Capybara, der Toucan, das Faultier, der Opossum.
Und sie waren still. Zu still.
„SIE WURDEN...", begann Isabella und zeigte auf die Tiere.
„SIE WURDEN BEHANDELT", sagte Don Pedro leise. „IHRE TRÄNEN WERDEN GESAMMELT."
„WIE?", fragte Lucas.
„MASCHINEN", sagte Don Pedro. „DIE IHRE EMOTIONEN ABLEITEN."
In diesem Moment öffnete der Capybara die Augen. Sie waren trüb. Nicht blind. Aber...
„Siehst du?", sagte Don Pedro. „ER WEINT NICHT MEHR."
Der Capybara drehte langsam den Kopf zu ihnen. Seine Lippen bewegten sich. Eine flache, mechanische Stimme kam heraus:
„Hilfe. Ich kann nicht... weinen."
„WIR SIND HIER", sagte Don Pedro. „WIR WERDEN DICH RETTEN."
„RETTE?", sagte der Capybara mechanisch. „ES GIBT KEINE RETTUNG."
„ES GIBT IMMER RETTUNG", sagte Don Pedro.
„NEIN", sagte der Capybara. „WENN MAN WEINT NICHT KANN... DANN GIBT ES KEINE FREIHEIT."
„DANN WERDEN WIR DIR DEINE TRÄNEN ZURÜCKGEBEN", sagte Don Pedro.
„DAS KANNST DU NICHT", sagte der Capybara. „DIE MASCHINE IST ZU STARK."
„WIR WERDEN ES VERSUCHEN", sagte Don Pedro.
Er trat einen Schritt vor. Und dann geschah etwas Unglaubliches.
Alles an den Maschinen wurde heller. Das Summen wurde lauter. Und dann... ein Licht. Ein helles, weißes Licht aus der Mitte des Raumes.
„ICH BIN DABEI", sagte eine Stimme. Nicht mechanisch. Menschlich.
Ein Mann trat aus dem Licht. Er trug einen weißen Anzug, aber kein Gesichtsmaske. Stattdessen hatte er ein einfaches Lächeln.
„Willkommen", sagte er. „Ich habe auf euch gewartet."
„WER BIST DU?", fragte Don Pedro.
„Mein Name ist irrelevant", sagte der Mann. „Was zählt, ist das, was ich tue."
„UND WAS TUN SIE?"
„Ich sammle Emotionen", sagte der Mann einfach. „Von Tieren. Von Menschen. Von allem."
„UND WARUM?"
„WEIL WELT ZU LAUT IST", sagte der Mann. „UND ICH MACHE ES LEISE."
„DAS IST NICHT GUT!"
„DOCH", sagte der Mann. „LEISE IST FRIEDE."
„LEISE IST NICHT FRIEDE!", sagte Don Pedro. „LEISE IST KONTROLL."
„GLEICHES", sagte der Mann. „NUR VERSCHIEDENE WÖRTER."
„WECHSELTECHNIK!"
„BITTE NICHT WIEDER!"
Der Mann lachte. „Ich sehe, ihr habt viele Freunde."
„WIR SIND KEINE FREUNDE!", sagte Lucas. „WIR SIND FEINDE!"
„FEINDE SIND FREUNDE MIT VERSCHIEDENER MEINUNG", sagte der Mann. „WIR KÖNNEN FREUNDE SEIN."
„NEIN!"
„DANN SEID IHR FEINDE", sagte der Mann. „UNBEDARFT."
Er hob seine Hand. Und in diesem Moment schalteten sich alle Maschinen ein. Die vier Tiere begannen zu schreien. Nicht laut. Aber in einer Frequenz, die alle fühlen konnten.
„STOPP!", rief Don Pedro.
„NEIN", sagte der Mann. „ES IST ZU SPÄT."
„DANN WERDEN WIR KÄMPFEN", sagte Don Pedro.
„KÄMPFEN?", sagte der Mann. „MIT WAS? EINEM JAGUAR? EINEM PAVIAN? EINEM FROSCH? EINEM MENSCHEN?"
„MIT UNS", sagte Don Pedro. „UND MIT DER WAHRHEIT."
„WAHRHEIT?", sagte der Mann und lachte. „WAHRHEIT IST NUR EINE ANSICHT."
„NEIN", sagte Don Pedro. „WAHRHEIT IST DAS, WAS BLIEB, WENN ALLES ANDERE WEG IST."
Der Mann wurde ernst. „Dann lass uns sehen, ob deine Wahrheit stark genug ist."
Er knöpfte. Die Maschinen wurden noch lauter. Und dann, aus dem Nichts, ein Summen. Ein tiefes, vibrierendes Summen, das durch den ganzen Raum ging.
Und dann...
Alles wurde still.
Die Maschinen schalteten sich ab. Die Tiere hörten auf zu schreien. Der Mann starrte auf seine Hand.
„WAS HAST DU GETAN?", fragte er.
„ICH?", sagte Don Pedro. „ICH HABE NICHTS GETAN."
„DANN WIE?"
„WECHSELTECHNIK", sagte eine neue Stimme.
Alle drehten sich um. Am Eingang des Raumes stand... Dr. Camila.
„CAMILA!", rief Lucas.
„HALLO", sagte Dr. Camila. „ENTSCHULDIGE DIE VERSPÄTUNG."
„WIE BIST DU HIER GEKOMMEN?", fragte Don Pedro.
„ICH HABE AUCH EINE TASTE GEDRÜCKT", sagte Dr. Camila. „UND EINE ANDERE MASCHINE GESCHALTET."
„DAS ERGIBT KEIN SINN!", sagte der Mann.
„DOCH", sagte Dr. Camila. „ES GIBT EINEN SCHALTER FÜR ALLES."
„UND WER SCHAFFT DEN SCHALTER?"
„DIE TIERE", sagte Dr. Camila. „SIE HABEN SICH SELBST GERETTET."
„DAS IST UNMÖGLICH!"
„NEIN", sagte Dr. Camila. „ES IST MENSCHLICH."
„MENSCHLICH?"
„JAA", sagte Dr. Camila. „DIE TIERE HABEN EINE NACHRICHT AN DIE MASCHINE GESCHICKT. EIN FEHLER. EIN VIREN."
„EIN VIREN?", sagte der Mann wütend. „DU HAST EINEN VIREN GESCHICKT?!"
„NEIN", sagte Dr. Camila. „DIE TIERE HABEN ES GETAN. ICH HABE NUR DIE VERBINDUNG GEMACHT."
„DIE TIERE?"
„JA", sagte Dr. Camila. „DIE PATAWEB."
Der Mann lachte. „258 TIERE? GEGEN MICH? DAS IST—" Er hielt inne. „NEIN. ES IST UNMÖGLICH."
„ES IST WAHR", sagte Don Pedro. „WECHSELTECHNIK."
„ICH"— Der Mann schlug gegen eine Wand. „ICH KANN NICHT GLAUBEN!"
„DANN GLAUBE ES NICHT", sagte Dr. Camila. „DAS ÄNDERT NICHTS."
„WAS SOLL ICH JETZT TUN?"
„ENTSCHEIDEN", sagte Dr. Camila. „DAS IST DEINE WAHLE."
„WELCHE WAHL?"
„ENTWEDER LÖSCHT DU ALLES UND GIBST DIE TIERE FREI", sagte Dr. Camila. „ODER DIE MASCHINE ZERSPRENGT SICH SELBST."
„DANN GIBT ES KEINEN SIEGER!"
„DAS IST RICHTIG", sagte Dr. Camila. „UND ES IST GUT."
Der Mann stand still. Lange Zeit. Dann sagte er:
„Ich habe... nie geweint."
„DAS IST..." begann Isabella.
„SCHRÖCKLICH", sagte Prinzessin. „WIE EIN SCHÖNES Haus OHNE FENSTER."
„NEIN", sagte Don Pedro. „ES IST TRAURIG."
„DAS IST DAS GLEICHE!"
„NEIN", sagte Don Pedro. „SCHRÖCKLICH IST KALT. TRAURIG IST WARM."
„DAS MACHT KEIN SINN!"
„DOCH", sagte Don Pedro. „WECHSELTECHNIK."
Der Mann schloss die Augen. Dann sagte er:
„Ich gebe auf."
„WAS?", fragte Dr. Camila.
„ICH GEBE AUF", sagte der Mann. „ICH GEBE ALLES AUF."
„UND DIE TIERE?"
„FREI", sagte der Mann. „ALLE."
Er hob seine Hand. Ein Knopf. Ein Klick.
Und dann... silence.
Die Maschinen schalteten sich ab. Alle Lichter erloschen. Und die Tiere...
Der Capybara öffnete die Augen. Er blickte auf. Dann sah er Lucas. Und dann... begann er zu weinen.
Erste Tränen, seit Monaten.
„ER WEINT!", rief Lucas.
„JAA", sagte Don Pedro. „ENDLICH."
Der Mann saß auf dem Boden. Er sah auf seine Hände. Dann sagte er leise:
„Ich... ich will auch weinen."
„KANNST DU?"
„ICH WEISS NICHT", sagte der Mann. „ICH HABE ES SO LANG VERSUCHT."
„DANN VERSUCHES JETZT", sagte Dr. Camila. „OHNE MASCHINE."
Der Mann schloss die Augen. Ein Moment. Dann...
Eine Träne. Dann noch eine.
„ICH WEINE", sagte er. „ENDLICH."
„WEINEN IST GUT", sagte Don Pedro. „WECHSELTECHNIK."
„ICH HASSE—""
„ICH WEISSE", sagte Don Pedro. „ABER JETZT IST ES WICHTIG."
Der Mann wischte sich die Tränen ab. Dann stand er auf. Er sah auf die Tiere. Auf die Gruppe. Auf alles.
„Was passiert jetzt?", fragte er.
„Jetzt", sagte Dr. Camila, „fangt ihr von vorne an."
„VON VORNE?"
„OHNE MASCHINE", sagte Dr. Camila. „OHNE KONTROLLE. MIT FREIHEIT."
„DAS IST..."
„ANGSTMACHEND", sagte Prinzessin.
„DAS IST FREIHEIT", sagte Dr. Camila.
Der Mann nickte langsam. Dann sagte er:
„Ich werde helfen. Mit der Reinigung."
„GUT", sagte Dr. Camila. „DANN SIND WIR ALLE EINER."
„EINER?", fragte Lucas.
„TEAM", sagte Dr. Camila.
„TEAM?", sagte Don Pedro. „DAS IST EFFIZIENT."
„NEIN!"
„DOCH", sagte Don Pedro. „WECHSELTECHNIK."
„ICH HASSE—" Lucas hielt inne. Er atmete tief durch. Dann lächelte er. „Gut."
„DAS IST SCHÖN", sagte Dr. Camila.
„SCHÖN?", fragte Don Pedro. „DAS IST—" Er hielt inne. „DAS IST MENSCHLICH."
„DAS IST—" Der Mann hielt inne. „DAS IST..."
„FREIHEIT", sagte Isabella.
Und alle sagten es zusammen:
„FREIHEIT."
Und in diesem Moment, weit entfernt in einem Labor, in dem niemand war, erlosch der letzte Bildschirm. Und jemand flüsterte:
„Phase Drei ist beendet."
„Was kommt dann?"
„Phase Vier", sagte die Stimme. „Aber das... ist eine andere Geschichte."
Das Ende von Ebene 47.