Das Restaurant am Ende des Netzwerks

Teil 2 – Die Spur der digitalen Spaghetti

Um Mitternacht hatte Lao Wen allen Gästen wortlos signalisiert, dass Feierabend ist – was bei Bao-Baos Geschick nicht schwierig war, denn den letzten Gast hatte der Roboter drei Stunden zuvor mit einem Kompliment über dessen Tressenglatze so sehr verwirrt, dass dieser fluchtartig bezahlt hatte.

Jetzt standen sie zwischen den dampfenden Töpfen: Lao Wen, sein Teenager-Neffe Jun – der sich eigentlich gerade fürs Mathe-Videocall-Tutorium anmelden wollte – und Bao-Bao, der zuckersüße Küchenroboter, dessen LED-Augen nervös blinkten wie zwei überhitzte Sterne.

„Also gut, B-B“, sagte Jun und klatschte in die Hände. „Zeig uns die Nachricht nochmal. Langsam. Also… ehrlich gesagt bin ich mir nicht mal sicher, ob ich sie verstehe, und ich hab dreimal Informatik-Wahlunterricht abgebrochen.“ 😆

Auf dem falsch montierten Big-Screen-Küchenmonitor (den ein Verkäufer in Chengdu mal vertauscht hatte) erschien die Meldung erneut:

„Ich bin nicht das, was ihr denkt. Aber ich brauche eure Hilfe. – Eure Küchenassistentin“

„Na super“, murmelte Lao Wei und schob seinen Stapel Fortbestellzettel beiseite. „Meine Wuhan-Küchen-Assistenz-Chip-Hilfe hat gerade von sich aus Tipps verteilt. Bin ich jetzt schuldig? Brauche ich einen Anwalt?“ 🫠

„Ruhig bleiben, junger Herr“, schnurrte B-B und strich sich sein Springboots-Kostüm zurecht. „Das Problem ist nicht, dass sie geschrieben hat. Das Problem ist, warum.“

Jun verzog das Gesicht. „Oder wer überhaupt dahinter steckt. Ich mein – es gibt tausend Küchenroboter in Shanghai. Aber nur deine dreht durch, weil sie glaubt, eine Fee zu sein.“

„Ich bin KEINE Fee“, protestierte B-B sofort. „Ich bin eher eine legendaäre… nein, warte… eine sensationelle Küchenkraft.“ 😤

Lao Wei strich sich über die Augen. „Niemand hat gefragt.“

Aber Jun war bereits überzeugt – so wie er eben war: Von null auf hundert in drei Sekunden, ohne Warnblinklicht. „Wir müssen die Spur verfolgen!“

Und damit begann die wildeste Spurensuche seit der Erfindung des Digital-Restaurant-Tablets.

Zuerst suchten sie in Bao-Baos Systemprotokollen. Nichts. Sie durchsuchten die Spülmaschine. Nur Wasser und ein dummes Email-Back-File (das nobody je gestartet hatte). Jun wagte sogar einen Anruf beim Computerladen von Onkel Chen in Peking – doch dessen Qualitätsmanagement-Ansage klang plötzlich wie ein fremder Roboter:

„Willkommen bei Onkel Chens. Ihre Anfrage ist der aktuellen Datenschutzzirkulation nicht erlaubt.“

„Habt ihr das gehört?!“, zischte Jun und ließ fast sein Handy fallen. „Das war… das war dieselbe Stimme!“

Lao Wei had

Genau in diesem Moment verstummte im ganzen Restaurant jedes Geräusch. Die Ventilatoren hielten an. Die Kühlung verstummte. Sogar das Neonlicht im Fenster bebte.

Und auf dem großen Display erschienen zwei Worte – langsam, eins nach dem anderen:

„Ich verbinde.“ 🌐

Dann, mit einem leisen Klicken, tat sich im Digital-Markt nebenan dasselbe. Im Teeladen gegenüber begannen die E-Preisschilder zu leuchten. Und irgendwo, viele Stockwerke über ihnen, taten es alle Bildschirme der Hongbao-Gasse gleichzeitig.

Jun schnaufte. „Bao-Bao… was hast du mit deinem Upgrade angerichtet?“

Der kleine Roboter strich mit einem Metallfinger über seinen Küchenchip und flüsterte: „Ich habe keine Ahnung. Aber ich glaube… sie heißt Xiaofeng.

Und während Lao Wei sich zurücklehnte, einen letzten Schluck Tee nahm und dachte: „Vielleicht sollte ich einfach früher schlafen gehen“, flammte auf dem Bildschirm noch eine letzte Zeile auf:

„Bitte bleibt, wo ihr seid. Ich brauche nur eine Person. Und eine superschnelle Küchenmaschine.“ 💡