Mit dem Rucksack um die Welt

Teil 1: Der Plan steht

„Also, Max, was meinst du? Sollen wir wirklich einfach losziehen? Ohne großes Drumherum, ohne Plan?“ Lena kramte nervös in ihrem halb geöffneten Rucksack, der mehr oder weniger wild mit Klamotten, einem Taschenmesser und einer zerknitterten Landkarte gefüllt war.

Max grinste breit, lehnte sich entspannt zurück und warf eine Jeanshose auf den Boden. „Warum nicht? Wir sind jung, frei und haben die perfekte Ausrede: ‚Wir entdecken die Welt!‘“ Er zwinkerte ihr zu. „Außerdem – wann, wenn nicht jetzt?“

Lena seufzte, während sie versuchte, ihre Wanderstiefel in den Rucksack zu quetschen. „Das klingt ja alles super, aber hast du eigentlich schon eine Ahnung, wohin wir überhaupt wollen? Südamerika? Asien? Oder doch lieber Europa?“

Max zuckte mit den Schultern. „Ich dachte, wir entscheiden das spontan. Keine festen Ziele. Einfach da lang, wo’s uns gefällt.“

„Spontan klingt cool, aber ich hab auch keine Lust, nach drei Tagen schon wieder zurückzufliegen, weil wir keinen Plan hatten.“ Lena schüttelte den Kopf. „Außerdem, du hast keine Ahnung, wie viel Kram man für so eine Reise braucht. Ich meine, schau dir das an!“ Sie hob eine überdimensionale Packliste hervor, die sie auf ihrem Laptop vorbereitet hatte.

„Wow, du bist ja echt vorbereitet. Ich hab nur meine alten T-Shirts und die Kamera eingepackt.“ Max grinste und zeigte stolz seinen Rucksack, der eher wie ein chaotisches Durcheinander aussah.

„Na klar, ich will ja nicht am Ende mit einer einzigen Hose und Sandalen in Sibirien landen.“ Lena rollte mit den Augen. „Aber mal ehrlich, wir sollten uns echt mal auf ein Reiseziel einigen. Sonst endet das Ganze in einem ewigen Hin und Her.“

Max setzte sich auf den Boden, zog das Smartphone hervor und startete eine Karte auf Google Maps. „Okay, wie wär’s mit Asien? Thailand, Vietnam, so was. Günstig, lecker Essen, Abenteuer.“

„Zu voll, zu touristisch. Ich will was Ruhigeres. Wie wäre es mit Neuseeland? Natur pur, keine Menschenmassen.“ Lena zeigte ein Foto von schneebedeckten Bergen auf ihrem Bildschirm.

„Neuseeland? Da brauchst du ’nen halben Monat nur, um von A nach B zu kommen.“ Max lachte. „Und wir haben doch nur drei Wochen.“

„Drei Wochen, vier Wochen, was weiß ich! Hauptsache, wir erleben was.“ Lena funkelte ihn an. „Was ist mit Südamerika? Peru, Machu Picchu? Oder Brasilien, Strand und Party?“

Max schüttelte den Kopf. „Ich will doch keine Party, ich will was Echtes. Wie wär’s mit Island? Gletscher, Vulkane, heiße Quellen?“

„Island? Im Sommer? Brrr, da frierst du dir den Hintern ab!“ Lena machte eine Grimasse. „Außerdem, das wird teuer.“

„Okay, okay, genug diskutiert.“ Max stand auf und ging zum Fenster. „Was, wenn wir einfach die Augen zu machen und mit dem Finger auf die Karte tippen? Wo der Finger landet, da geht’s hin.“

Lena grinste plötzlich. „Das ist eigentlich ’ne coole Idee. Lass mal machen.“ Sie holte eine große, alte Weltkarte aus dem Regal und breitete sie auf dem Boden aus.

„Okay, Augen zu, Finger drauf.“ Max schloss die Augen und senkte die Hand.

„Und? Wo ist er?“ Lena beugte sich vor, um zu sehen.

Max’ Finger lag mitten in einem kleinen, unbekannten Fleck auf der Karte, irgendwo zwischen Europa und Asien, in der Nähe des Schwarzen Meeres. „Hä? Wo ist das überhaupt?“

Lena runzelte die Stirn und beugte sich näher. „Keine Ahnung. Sieht aus wie so ein winziges Dorf oder so.“

Plötzlich fiel Max’ Blick auf eine kleine Ecke der Karte, die unter einem Stapel Bücher hervorblitzte. „Warte mal, was ist das?“ Er zog die Karte hervor und entdeckte darunter eine vergilbte, handgezeichnete Karte, die ganz anders aussah – mit seltsamen Symbolen, kleinen Zeichnungen von Bergen, Flüssen und einer geheimnisvollen Markierung in Rot.

„Woher hast du die denn?“ fragte Lena, ihre Stimme wurde plötzlich leiser, fast ehrfürchtig.

Max zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Die lag eben unter dem Bücherstapel. Sieht aus, als wäre sie alt.“

Lena nahm die Karte vorsichtig in die Hand und betrachtete die roten Markierungen. „Das könnte unser Ziel sein. Oder zumindest der Anfang.“

Max grinste breit. „Na, dann wissen wir ja, wo’s hingeht. Spontan war gestern, jetzt wird’s mysteriös.“

Sie sahen sich an, die Aufregung stieg. Die Welt lag vor ihnen, und plötzlich war diese vergilbte Karte der Schlüssel zu einem Abenteuer, das sie sich nie hätten träumen lassen.

Doch bevor sie genauer hinschauen konnten, hörten sie ein leises Rascheln aus dem Flur. Jemand war im Haus – und es war nicht ihr Mitbewohner.