Die Schritte auf dem Flur wurden lauter, dann plötzlich blieb es still. Lena und Max hielten den Atem an, lauschten gespannt. Nach einer Ewigkeit schien sich niemand zu bewegen. „War das jetzt jemand oder nur eingebildet?“, flüsterte Max.
„Keine Ahnung“, antwortete Lena und zog die Vorhänge zu. „Aber ich hab das Gefühl, hier stimmt was nicht. Irgendjemand beobachtet uns.“
Max nickte ernst. „Vielleicht hat der Fischer doch recht gehabt mit seinen Geheimnissen. Und vielleicht will jemand nicht, dass wir sie entdecken.“
Sie beschlossen, die Pension so schnell wie möglich zu verlassen. Ohne Frühstück packten sie ihre Rucksäcke und machten sich auf den Weg in den kleinen Ort. Die Straßen waren noch ruhig, nur vereinzelt liefen ein paar Einheimische vorbei, die sie neugierig musterten.
„Lass uns in dieses Café da reingehen“, schlug Lena vor und deutete auf ein winziges, gemütlich wirkendes Lokal mit bunten Fensterläden und handgemalten Schildern. „Vielleicht finden wir dort heraus, was hier wirklich los ist.“
Das Café war ein bisschen wie aus der Zeit gefallen: Holztische, alte Stühle, und an den Wänden hingen Schwarz-Weiß-Fotos von Menschen und Booten. Eine ältere Frau hinter dem Tresen lächelte ihnen zu, als sie hereinkamen.
„Was darf’s sein?“, fragte sie mit warmem Dialekt.
„Zwei Kaffee, bitte“, sagte Max und setzte sich an einen Tisch am Fenster. Lena zog ihre Jacke aus und legte sie über die Stuhllehne.
Während sie warteten, fiel Lena etwas auf dem Boden auf – ein kleines Stück Papier, das halb unter dem Tisch hervorlugte. Neugierig hob sie es auf. Es war ein zerknitterter Zettel mit einer handschriftlichen Notiz: „Vertraue niemandem. Suche den alten Leuchtturm.“
Max beugte sich neugierig herüber. „Der alte Leuchtturm? Den hat uns der Fischer doch nicht erzählt, oder?“
„Nein, das hat er nicht“, murmelte Lena und ließ den Blick durch das Café schweifen. „Aber warum sollte hier so eine Nachricht rumliegen? Und wer hat sie da hinterlassen?“
In diesem Moment bemerkten sie, dass an der Wand gegenüber eine weitere Karte hing – nicht die gleiche wie die verschwundene, sondern eine alte Seekarte, die den Küstenabschnitt zeigte. Auf der Karte war mit rotem Stift ein Weg eingezeichnet, der vom Dorf wegführte – genau in Richtung eines kleinen, verlassenen Leuchtturms am Rand der Klippen.
„Das kann kein Zufall sein“, sagte Max und zeigte auf die Karte. „Ich glaube, wir müssen da hin.“
Lena nickte langsam. „Aber warum diese Geheimniskrämerei? Und wer will, dass wir diesen Leuchtturm finden – oder eben nicht finden?“
Plötzlich fiel ihr Blick auf einen Mann, der sich am anderen Ende des Cafés in einer dunklen Ecke versteckte. Er trug eine Mütze tief ins Gesicht gezogen und beobachtete sie aufmerksam.
„Max, siehst du den Typen da drüben?“, flüsterte sie.
Max folgte ihrem Blick und runzelte die Stirn. „Definitiv nicht hier, um Kaffee zu trinken. Sollten wir lieber verschwinden?“
Lena schüttelte den Kopf. „Nein, wir brauchen Antworten. Aber vorsichtig.“
Der Mann erhob sich plötzlich, griff nach seiner Jacke und verließ das Café so schnell, wie er gekommen war. Lena und Max sahen sich an, ein stilles Einverständnis zwischen ihnen. Dieses Abenteuer war plötzlich viel größer, als sie gedacht hatten.
Draußen auf der Straße war der Wind stärker geworden, und die Wolken zogen sich zusammen. „Also gut“, sagte Max, „Leuchtturm it is. Lass uns keine Zeit verlieren.“
Als sie losgingen, spürten sie beide einen Schatten hinter sich, der Schritt für Schritt näherkam...