Teil 6: Die geheime Botschaft

Kaum hatten die Schritte aufgehört, atmeten Lena, Max und Sam vorsichtig auf, doch das mulmige Gefühl blieb. „Okay, das war echt knapp“, flüsterte Max und blickte sich nervös um. „Wir sollten uns langsam mal überlegen, wie wir hier rauskommen.“

Doch bevor jemand etwas sagen konnte, vibrierte plötzlich Max’ Rucksack. Er griff hinein und zog ein kleines, unscheinbares Paket heraus, das er vorher nicht bemerkt hatte. Es war in braunes Papier eingewickelt und mit einer Schnur festgebunden. Keine Absenderadresse, keine Aufschrift – nur ein rotes Siegel mit einem seltsamen Symbol, das aussah wie ein Kompass mit einem Stern in der Mitte.

„Was zum...?“ Max sah zu Lena und Sam. „Hab ich das etwa die ganze Zeit mit mir rumgeschleppt?“

Lena nahm das Paket vorsichtig in die Hand und drehte es hin und her. „Sieht aus, als wäre das extra für uns hier abgelegt worden. Vielleicht ein weiterer Hinweis?“

Sam zog eine kleine Taschenlampe aus seinem Rucksack und leuchtete auf das Siegel. „Das Symbol... das kenne ich. Das ist das Zeichen einer alten Schatzjäger-Gilde, von der ich mal gehört habe. Die sollen vor Jahrhunderten hier in der Gegend aktiv gewesen sein.“

„Na super“, murmelte Max. „Also sind wir nicht nur auf der Jagd nach einem alten Schatz, sondern auch noch im Visier einer Geheimgesellschaft?“

Lena schnürte das Paket auf und klappte das Papier vorsichtig auseinander. Darin lag ein zerknittertes Pergament, auf dem in einer feinen, fast verblassten Handschrift geschrieben stand:

„Wer die Wahrheit sucht, muss schneller sein als der Schatten. Der Schatz liegt dort, wo Wasser und Himmel sich berühren. Doch hüte dich vor den Augen, die im Dunkeln wach sind.“

„Klingt ja fast wie ein Schatzrätsel aus einem Abenteuerfilm“, grinste Lena. „Aber was meint das mit Wasser und Himmel? Und wer sind diese Augen im Dunkeln?“

Sam runzelte die Stirn. „Das könnte der Hafen sein – dort, wo das Meer den Horizont trifft. Vielleicht müssen wir zum alten Leuchtturm zurück? Der steht doch am Wasser, und von dort aus sieht man den Himmel am besten.“

Max nickte. „Klingt logisch. Aber wenn wir uns beeilen müssen, dann sollten wir nicht lange fackeln. Irgendjemand anderes scheint uns auf die Spur gekommen zu sein.“

Plötzlich hörten sie wieder das Knacken von Schritten. Diesmal waren die Geräusche näher, schneller. „Verdammt!“, flüsterte Lena. „Die sind uns auf den Fersen!“

„Wir müssen hier weg, und zwar jetzt!“, rief Sam und zog die beiden Richtung Ausgang des Marktes. „Mit dem Paket und der Karte haben wir endlich einen richtigen Anhaltspunkt. Aber ich habe das Gefühl, dass das nicht das letzte Rätsel war.“

Als sie die engen Gassen erreichten, spürten sie, wie die Schatten hinter ihnen dichter wurden. Lena blickte noch einmal zurück und sah schemenhafte Gestalten, die sich zwischen den Häusern bewegten, kaum mehr als dunkle Flecken in der Nacht.

„Schneller!“, keuchte Max. „Sonst sind wir gleich umzingelt!“

Mit klopfendem Herzen und dem geheimnisvollen Paket fest in der Hand rannten sie los, die Nacht schluckte ihre Schritte – doch irgendwo da draußen wartete die Wahrheit auf sie. Und jemand, der alles dafür tun würde, sie nicht zu finden.

Plötzlich blieb Sam abrupt stehen und zog Lena und Max hinter eine Ecke. „Stopp! Da vorne – seht ihr das? Jemand hat gerade die Straße abgesperrt. Wir können nicht weiter.“

Vor ihnen leuchteten zwei grelle Scheinwerfer auf, und eine tiefe Stimme rief: „Halt! Niemand verlässt jetzt diese Zone!“

Ein kalter Schauer lief ihnen über den Rücken. Die Jagd hatte gerade erst begonnen – und das Spiel wurde gefährlicher, als sie es je erwartet hätten.