Das alte Knarren der schweren Holztür hallte durch die feuchte Luft, als Sam sie aufstieß. Der schmale Eingang führte direkt in ein Labyrinth aus dunklen Gängen und steinernen Mauern, das sich tief unter dem Leuchtturm erstreckte. Sein Herz schlug wild, während er einen Schritt nach dem anderen in die Schatten setzte.
„Sam! Warte!“ Eine Stimme hallte hinter ihm wider. Doch es war nicht die vertraute Stimme von Lena oder Max, sondern die des Fremden, der ihn verfolgt hatte. „Du kannst hier nicht entkommen. Der Schatz gehört uns allen!“
Sam schüttelte den Kopf, zog die Taschenlampe aus dem Rucksack und leuchtete vorsichtig in die Finsternis. „Nicht mit mir“, murmelte er und tauchte tiefer hinein. Die Luft war schwer und roch nach Moder und Salzwasser. Jeder Schritt hallte laut wider, und irgendwo tropfte Wasser von der Decke.
Zurück an der Oberfläche hatten Lena und Max sich wiedergefunden und blickten nun auf den kleinen Eingang, der halb von Gestrüpp und Steinen verdeckt war. „Das muss der Einstieg zum Labyrinth sein“, sagte Max und griff nach einer alten Karte, die sie aus dem Paket gezogen hatten. „Hier steht was von ‚Nur wer zusammenhält, findet den Weg‘.“
„Na toll“, seufzte Lena. „Zusammenhalten klingt leichter als es ist, wenn man in dunklen Gängen von Fallen und Rätseln umgeben ist.“
„Fallen?“, fragte Max skeptisch. „Du weißt schon, dass das hier kein Freizeitpark ist, oder?“
„Ich hab’s ja nicht erfunden“, antwortete Lena grinsend und zeigte auf einen schmalen Durchgang. „Los, wir haben keine Zeit zu verlieren.“
Unten im Labyrinth tastete sich Sam vorsichtig voran. Plötzlich knirschte etwas unter seinem Fuß – eine lose Steinplatte! Mit einem Satz sprang er zurück, und ein lautes Klicken war zu hören. „Verdammt, eine Falle!“
Er drehte sich um und sah, wie sich ein Gitter aus dem Boden schob und den Gang hinter ihm versperrte. „Super, eingesperrt“, fluchte er leise. Doch er wusste, dass er nicht aufgeben durfte. Irgendwo musste es einen anderen Weg geben.
Zur gleichen Zeit betraten Lena und Max den Eingang zum Labyrinth. Kaum hatten sie ein paar Schritte gemacht, verschwand das Tageslicht hinter ihnen, und die Dunkelheit schloss sich wie eine Mauer. „Ich hoffe, du hast eine bessere Orientierung als ich“, murmelte Max und versuchte, die Karte richtig zu lesen.
„Ich hab’s mir angeguckt“, antwortete Lena, „aber das hier ist ein echtes Puzzle. Schau mal, überall sind Zeichen an den Wänden, die könnten Hinweise sein.“
Sie gingen vorsichtig weiter, und plötzlich ertönte ein leises Summen. „Was war das?“, fragte Max und hielt inne.
„Keine Ahnung“, flüsterte Lena, „aber wir sollten aufpassen. Vielleicht ist das eine weitere Falle.“
Währenddessen tastete sich Sam durch einen schmalen Gang, der von kleinen Fackeln schwach beleuchtet wurde. Er spürte, wie ihm der Schweiß den Rücken herunterlief. „Ich muss hier raus und die anderen finden“, dachte er, „aber erst muss ich diesen Typen abhängen.“
Plötzlich hörte er Schritte hinter sich – diesmal schneller, näher. Er drehte sich um und rannte los, doch der Gang verzweigte sich plötzlich in drei Richtungen. „Mist! Welcher Weg ist richtig?“
Zurück bei Lena und Max begann das Labyrinth sich zu verändern. Die Wände schienen sich zu verschieben, und aus dem Nichts tauchten neue Gänge auf. „Das darf doch nicht wahr sein!“, rief Max erschrocken. „Das hier ist keine normale Höhle, das ist ein lebendes Labyrinth.“
„Dann müssen wir schlauer sein als es“, sagte Lena entschlossen. „Wir dürfen uns nicht verlieren. Max, merk dir jeden Schritt, wir gehen zusammen.“
Sie tasteten sich weiter voran, bis sie vor einem massiven Steintor standen, das mit Symbolen bedeckt war – Sternbilder, Meerestiere und seltsame Runen. „Das muss das nächste Rätsel sein“, flüsterte Lena und begann, die Zeichen zu studieren.
„Wenn wir das Tor öffnen, kommen wir dem Schatz näher“, sagte Max. „Aber was, wenn es eine Falle ist?“
„Dann müssen wir sie gemeinsam entschärfen“, antwortete Lena. „Aber wir dürfen nicht zögern.“
Währenddessen hatte Sam endlich einen Moment, um kurz Luft zu holen. Er blickte sich um und entdeckte eine kleine Inschrift an der Wand: „Vertraue nicht jedem Schatten, der dich begleitet.“ Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken. „Was soll das heißen?“, murmelte er.
Plötzlich hörte er Schritte – diesmal nicht verfolgt, sondern näherkommend. Er drehte sich um und blickte in die Augen von... Max? „Was machst du denn hier?“, fragte Sam überrascht.
„Ich bin dir nachgekommen“, antwortete Max, „wir müssen zusammenhalten, sonst schaffen wir das hier nie.“
Doch bevor Sam etwas erwidern konnte, flackerte das Licht, und eine Stimme ertönte aus dem Nichts: „Ihr glaubt wirklich, ihr könnt das Labyrinth bezwingen? Das Spiel hat gerade erst begonnen.“
Ein Schatten bewegte sich schnell durch den Gang, und plötzlich fiel die Tür hinter ihnen mit einem lauten Knall ins Schloss.
„Oh nein“, flüsterte Lena, die gerade zu ihnen gestoßen war, „wir sind gefangen. Und ich glaube, wir sind nicht allein...“