Das Klicken des Schlüssels hallte in dem engen Raum wider, als Aiko ihn in das Schloss am Boden steckte. Mit einem tiefen Rattern öffnete sich eine versteckte Klappe, und darunter offenbarte sich eine schmale Treppe, die in die Dunkelheit führte. „Na gut, dann mal los“, murmelte Renji und stieg vorsichtig hinab. Aiko und Haruto folgten ihm dicht auf den Fersen.
Unten angekommen, fanden sie sich in einem kleinen Versteck wieder, das aussah wie ein altes Archiv. Überall lagen vergilbte Dokumente, Fotos und einige verstaubte Aktenordner. „Wow, das ist ja wie in einem Spionagefilm“, flüsterte Haruto, während er einen der Ordner aufschlug.
Aiko kniete sich neben einen Stapel Fotos und breitete sie aus. „Schaut mal hier“, sagte sie und zeigte auf ein Bild, das mehrere Männer in Anzügen vor dem Tokio-Tower zeigte – mit ernsten Gesichtern und geheimnisvollen Mienen. „Das müssen Mitglieder dieser Organisation sein, von der wir gehört haben.“
„Und hier“, ergänzte Renji, „sind Pläne vom Tower selbst. Sieht so aus, als hätten sie nicht nur die Touristen im Blick, sondern etwas viel Größeres geplant.“
Haruto blätterte weiter durch die Dokumente. „Sie nennen sich ’Kage no Tō’ – der Schatten-Turm. Klingt wie eine geheime Gruppe, die im Verborgenen die Fäden zieht.“
„Aber warum verstecken sie das hier?“, fragte Aiko und sah sich misstrauisch um. „Und vor allem, wie haben sie so etwas direkt unter dem Tower versteckt?“
„Keine Ahnung“, sagte Renji, „aber wir müssen vorsichtig sein. Das hier ist nicht nur ein Rätsel, es ist eine richtige Bombe.“
Plötzlich erstarrten alle drei. Aus der Dunkelheit oberhalb der Treppe schallten Schritte. Erst langsam, dann immer näher. „Oh nein, das können nicht die Bullen sein“, flüsterte Haruto. „Die würden nicht so leise kommen.“
„Vielleicht sind es die Typen, die uns seit Tagen verfolgen“, vermutete Aiko und griff nach Renjis Arm. „Wir müssen uns verstecken!“
Sie duckten sich hinter einen großen alten Aktenschrank, der zum Glück noch stabil wirkte. Die Schritte kamen immer näher, begleitet von gedämpften Stimmen. „Wir müssen die Unterlagen sichern“, hörten sie eine raue Stimme sagen. „Die dürfen nicht in falsche Hände geraten.“
Renji spürte, wie sein Herz raste. „Was, wenn wir entdeckt werden?“, flüsterte er. „Dann war’s das mit uns.“
„Nicht jetzt den Mut verlieren“, erwiderte Aiko leise. „Wir haben den Schlüssel, wir haben die Infos. Und wir sind zusammen.“
Die Stimmen kamen näher, und ein Lichtkegel fiel die Treppe hinab. Für einen Moment schien es, als würde die Gefahr sie direkt ins Visier nehmen. Doch dann entfernte sich das Licht wieder, und die Schritte verklangen langsam.
„Puh, das war knapp“, flüsterte Haruto, als sie sich wieder aufrichteten. „Aber wir können hier nicht ewig bleiben. Wir müssen raus und diese Sachen sichern.“
Renji nickte. „Okay, dann lasst uns den Plan machen. Aber bevor wir gehen, seht euch das hier an.“ Er zeigte auf ein kleines, versiegeltes Umschlag, der zwischen den Dokumenten lag. „Das sieht aus wie eine Einladung – oder eine Warnung. Und es ist adressiert an uns.“
Aiko öffnete den Umschlag vorsichtig und zog eine Karte heraus. Darauf war ein Symbol, das sie schon von der geheimnisvollen Karte kannten – nur diesmal war es in Blutrot gezeichnet. Darunter stand in krakeliger Schrift: „Das Spiel hat gerade erst begonnen.“
Ein Schauer lief ihnen über den Rücken. „Verdammt“, murmelte Renji, „jetzt wissen wir, dass wir nicht nur gegen Schatten kämpfen – sondern gegen etwas, das viel größer ist, als wir dachten.“
Doch bevor sie einen weiteren Gedanken fassen konnten, erklang ein lautes Krachen von oben. Die Metallklappe zum Versteck wurde mit voller Wucht zugeschlagen – und das Licht ging aus.
„Scheiße, wir sind eingesperrt!“, rief Aiko, während sie tastend nach dem Schlüssel griff. Doch der war verschwunden. „Wo ist der Schlüssel?“
„Keine Ahnung“, antwortete Renji, „aber ich habe das Gefühl, dass das hier gerade erst richtig gefährlich wird.“
Im Dunkeln hörten sie plötzlich ein leises, mechanisches Summen – und ein kaltes Lachen hallte durch den Raum.