„Also, das ist der geheime Tunnel, von dem Marceau gesprochen hat?“, fragte Éloïse skeptisch, während sie mit einer Mischung aus Neugier und leiser Panik in den dunklen Eingang unter der alten Steinmauer blickte.
Théo grinste breit und zog seine Taschenlampe aus der Jacke. „Klar doch! Ein bisschen Abenteuer kann doch nicht schaden, oder?“
Marceau wirkte mindestens genauso aufgeregt wie nervös. „Ich hab die Karte vom Museum gefunden, und da steht, dass hier irgendwo ein alter Tunnel ist, der früher wohl von Schmugglern benutzt wurde. Wir könnten ein bisschen unter Paris herumspazieren!“
Éloïse schluckte. „Unter Paris spazieren klingt ja ganz nett, aber habt ihr mal daran gedacht, dass wir uns auch verlaufen könnten?“
„Ach was, wir sind doch ein super Team!“, antwortete Théo und machte den ersten Schritt in das Dunkel.
Kaum waren sie ein paar Meter in den Tunnel hineingegangen, schlug ihnen die feuchte, kühle Luft entgegen. Die Wände waren mit alten Inschriften und mysteriösen Symbolen bedeckt, die im Schein der Taschenlampen unheimlich wirkten.
„Wow, das fühlt sich an wie in einem Film“, flüsterte Marceau ehrfürchtig. „Nur ohne Popcorn.“
„Oder ohne Handyempfang“, murmelte Éloïse und zog ihr Smartphone hervor – natürlich kein Netz.
„Kein Netz? Super!“, stöhnte Théo. „Wie sollen wir denn dann Hilfe rufen, wenn wir uns verlaufen?“
„Nicht darüber nachdenken!“, rief Marceau optimistisch. „Wir folgen einfach der Karte und finden den Ausgang.“
Doch schon nach wenigen Minuten wurde klar: Die Karte war eher eine grobe Skizze als eine verlässliche Wegbeschreibung. Die Tunnel verzweigten sich, und jeder Gang sah fast genauso aus wie der andere.
„Links oder rechts?“, fragte Éloïse und zeigte auf zwei Wege, die sich vor ihnen auftaten.
„Links!“, rief Marceau entschlossen.
„Nein, rechts!“, widersprach Théo.
„Leute, wir müssen uns entscheiden, sonst stehen wir hier ewig!“, mahnte Éloïse.
Nach kurzem Hin und Her entschieden sie sich schließlich für den rechten Weg – und stolperten prompt über eine lose Bodenplatte, die ein dumpfes Echo auslöste.
„Ups... das war wohl nicht der beste Weg“, gab Marceau zu.
Die Stimmung wurde langsam ernster, als sie merkten, dass sie sich wirklich verlaufen hatten. Die Taschenlampen warfen lange Schatten an die Wände, und das stetige Tropfen von Wasser irgendwo in der Ferne schien lauter zu werden.
„Okay, Plan B“, sagte Éloïse und versuchte, ruhig zu bleiben. „Wir markieren den Weg mit kleinen Kreidestrichen – so finden wir zurück.“
„Kreide? Woher hast du denn die?“, fragte Théo erstaunt.
„Na, aus meinem Mäppchen!“, antwortete Éloïse stolz. „Man weiß ja nie, wann man mal ein bisschen Kunst im Untergrund braucht.“
Mit kleinen Strichen an den Wänden machten sie sich auf den Rückweg – oder zumindest dachten sie das. Doch nach einigen Gängen bemerkten sie, dass die Kreidestriche plötzlich fehlten.
„Moment mal... die Kreide ist weg!“, rief Marceau entsetzt.
„Weg? Wie kann das denn sein?“, fragte Théo, der sich umsah. „Vielleicht hat der Tunnel irgendeinen Windzug, der die Kreide weggeblasen hat?“
„Oder ein Tunnelgeist!“, murmelte Éloïse halb im Scherz, halb aus Angst.
Plötzlich hörten sie ein leises Rascheln – und blieben wie angewurzelt stehen.
„Was war das?“, flüsterte Théo und richtete seine Lampe in die Dunkelheit.
Aus dem Schatten trat eine kleine, schwarze Katze mit funkelnden Augen hervor. Sie miaute kurz und verschwand dann flink in einen Seitengang.
„Na toll, jetzt haben wir auch noch eine Katze, die uns verfolgt“, seufzte Marceau.
„Oder sie will uns den Weg zeigen“, meinte Éloïse hoffnungsvoll.
Sie folgten der Katze, die sich sicher und schnell durch die Tunnel bewegte. Doch je weiter sie kamen, desto mehr schien sich das Labyrinth zu verändern – die Wände wurden enger, und das Tropfen des Wassers verwandelte sich in ein unheimliches Echo.
„Ich hab ein mulmiges Gefühl“, gab Théo zu. „Und es wird langsam spät. Wir müssen hier raus!“
„Vielleicht ist der Tunnel doch nicht so geheim, wenn wir uns schon so verlaufen“, murmelte Marceau.
Plötzlich öffnete sich der Gang vor ihnen zu einer kleinen Kammer, in der ein altes, rostiges Tor den Weg versperrte. Die Katze setzte sich davor und blickte sie erwartungsvoll an.
„Na super, jetzt sind wir hier gefangen“, sagte Éloïse und prüfte das Tor, das sich nicht bewegen ließ.
„Und die Zeit läuft uns davon“, fügte Théo hinzu, während draußen in der Ferne die ersten Sirenen zu hören waren.
„Was machen wir jetzt?“, fragte Marceau verzweifelt.
Die Katze miaute erneut und schnurrte, als würde sie sagen: „Folgt mir!“
Doch bevor sie einen Schritt weiterkommen konnten, begann der Boden unter ihren Füßen leicht zu vibrieren – und ein dumpfes Grollen erfüllte die Luft.
„Oh nein, das klingt nicht gut!“, rief Éloïse, als kleine Staubkörner von der Decke rieselten.
„Wir müssen hier raus, und zwar schnell!“, rief Théo.
Die drei Freunde blickten sich an – gefangen in den Katakomben von Paris, mit einer mysteriösen Katze als einziger Begleitung, und der Zeit, die ihnen unaufhaltsam davonlief.
Doch welcher Weg würde sie aus dem Dunkel führen? Und war das Grollen nur ein Vorbote des drohenden Chaos – oder etwas viel Gefährlicheres?