„Also, was hältst du von einer romantischen Bootstour auf der Seine?“, schlug Théo vor, während sie das letzte Stück des Abends am Ufer entlang schlenderten. „Ein bisschen Paris vom Wasser aus sehen – das wäre doch was, oder?“
Éloïse strahlte. „Klingt perfekt! Und diesmal ohne verlorene Karten, hoffe ich.“
Marceau grinste breit. „Ich kenne da einen kleinen Bootsverleih gleich um die Ecke. Keine großen Yachten, nur so ein kleines Elektroboot. Total entspannt und unkompliziert.“
Kaum hatten sie sich auf ein Boot geeinigt, standen sie auch schon am Steg. Das kleine Boot sah auf den ersten Blick harmlos aus – ein wenig wackelig, aber charmant. Der Bootsverleiher gab ihnen eine kurze Einweisung, wie man das Steuer bedient, und dann legten sie ab.
„Okay, ich übernehme mal das Steuer“, sagte Théo selbstbewusst und griff nach dem Lenkrad. „Wie schwer kann das schon sein?“
Éloïse setzte sich neben ihn, während Marceau sich hinten auf die Bank fallen ließ und die vorbeiziehende Stadt bewunderte. „Sieht doch ganz entspannt aus, oder?“
Doch kaum waren sie ein paar Meter vom Ufer entfernt, wurde klar: Das Boot hatte seinen eigenen Kopf. Théo versuchte, das Steuer zu drehen, doch das Boot reagierte träge – oder besser gesagt, gar nicht so, wie er es wollte.
„Ähm... Éloïse, hast du irgendwas mit dem Steuer gemacht?“, fragte Théo leicht panisch.
„Nein! Aber ich glaube, das Ding will nicht so richtig.“ Éloïse griff zur Seite und bemerkte, dass der Hebel für die Geschwindigkeit klemmt.
„Super, das ist ja ein toller Start“, murmelte Marceau, der inzwischen versuchte, das Boot mit einem Paddel zu lenken. „Ich glaube, ich hab’s eher schlimmer gemacht.“
Plötzlich schoss das Boot mit einem Ruck vorwärts – direkt auf eine kleine Brücke zu, unter der gerade ein paar Touristen standen, die Fotos machten.
„Stopp! Stopp!“, rief Théo und riss panisch am Steuer, doch das Boot drehte sich kaum. Mit einem lauten Quietschen schrammten sie knapp an der Brückenwand vorbei und glitten weiter flussabwärts, jetzt mit ordentlich Tempo.
„Okay, das ist keine romantische Bootsfahrt mehr. Das ist eher ein Actionfilm!“, lachte Éloïse, obwohl ihr Herz schneller schlug.
„Hilfe!“, rief Marceau, der sich inzwischen halb aufgerichtet hatte, um besser sehen zu können. „Wie stoppen wir das Ding? Gibt’s einen Notknopf?“
„Keine Ahnung! Ich bin doch kein Kapitän!“, rief Théo zurück.
Im nächsten Moment tauchte vor ihnen eine bunte Menschenmenge auf – es war das alljährliche Straßenfest, das entlang der Seine stattfand. Musiker spielten, Leute tanzten, und überall hingen Lichterketten, die den Fluss in ein warmes, goldenes Licht tauchten.
Das Boot raste direkt auf das Fest zu. „Ganz langsam!“, schrie Éloïse, während sie versuchte, mit ausgestreckten Armen die Menschen zu warnen.
Doch das Boot kam einfach nicht zur Ruhe. Stattdessen schwappte es mit einem kräftigen Ruck gegen den Steg, der die Bühne des Straßenfests markierte. Ein paar Musiker sprangen erschrocken zur Seite, und ein Jongleur verlor fast seine Keulen.
„Oh nein, wir sind die unfreiwilligen Stars!“, rief Marceau und sprang auf, um irgendwie das Boot zu bremsen.
Théo versuchte verzweifelt, das Steuer zu kontrollieren, während Éloïse nach einem Seil griff, um das Boot am Steg festzumachen. Nach einigen hektischen Minuten hatten sie es tatsächlich geschafft, das Boot zu stoppen – mitten im Gewusel des Straßenfests.
Die Menge starrte sie an, einige lachten, andere klatschten, als hätte das Ganze so geplant sein sollen. Ein älterer Mann mit einer Ziehharmonika grinste breit und rief: „Bienvenue à la fête! Ihr seid unsere besonderen Gäste!“
Éloïse atmete tief durch und grinste zurück. „Na, wenn das kein chaotischer Start in den Abend ist.“
Théo schüttelte den Kopf. „Also, ich glaube, nächstes Mal überlassen wir das Bootfahren besser den Profis.“
Marceau nickte zustimmend, doch dann fiel sein Blick auf eine kleine Bühne, wo gerade ein Mikrofon frei wurde. „Hey, vielleicht können wir ja trotzdem noch mitmachen...“
Bevor jemand antworten konnte, wurde das Mikrofon ihm gereicht, und die Musik begann wieder zu spielen.
„Ähm... was jetzt?“, flüsterte Éloïse, während sie sich ans Steuer klammerte und die Menge erwartungsvoll zu ihnen blickte.