Zurück im Hotelzimmer waren Éloïse, Théo und Marceau erschöpft, aber glücklich. Der Tag am Sacré-Cœur war zwar ein einziges Durcheinander gewesen, doch irgendwie hatte genau das die Erinnerung so besonders gemacht. Sie warfen ihre Taschen in die Ecke, ließen sich auf die Betten fallen und atmeten tief durch.
„Endlich mal ein bisschen Ruhe“, seufzte Éloïse und schloss die Augen. „Ich könnte stundenlang hier liegen.“
„Ich auch“, nickte Théo, der gerade sein Hemd auszog, „aber vorher will ich duschen. Der Regen hat mich komplett durchnässt.“
Marceau stand auf, um das Fenster zu schließen, als plötzlich ein leises, aber deutlich vernehmbares Miauen aus der Ecke des Zimmers erklang.
„Habt ihr das gehört?“, fragte er, die Stirn gerunzelt.
„Das klingt wie eine Katze“, murmelte Éloïse und setzte sich auf. „Aber wir haben doch keine Katze hier?“
Théo zuckte mit den Schultern. „Na, dann wird sie wohl irgendwo reingekommen sein.“
Kaum hatte er das gesagt, sprang eine kleine, schwarz-weiße Katze aus dem Schatten hinter dem Vorhang hervor und rannte blitzschnell quer durch das Zimmer. Die drei Freunde sprangen auf.
„Oh nein, eine Katze!“, rief Marceau und versuchte, das Tier einzufangen, doch die Katze war flink wie ein Wirbelwind. Sie sprang auf das Bett, rannte unter den Tisch und verschwand dann hinter dem Schrank.
„Okay, Panik ist nicht angesagt“, versuchte Éloïse ruhig zu bleiben. „Wir müssen sie nur irgendwie aus dem Zimmer locken.“
„Ich hab eine Idee!“, rief Théo und verschwand ins Bad. Sekunden später kam er mit einer Dose Thunfisch zurück.
„Perfekt!“, sagte Éloïse begeistert. „Katzen können Thunfisch nicht widerstehen.“
Théo öffnete die Dose, und sofort ertönte ein noch lauteres Miauen. Die Katze kam vorsichtig hervor, schnupperte an der Dose und schoss dann wieder unter den Schrank.
„Sie traut uns nicht“, stellte Marceau fest. „Vielleicht müssen wir sie irgendwie rauslocken.“
„Ich versuche’s mal mit der Tür“, schlug Éloïse vor und öffnete vorsichtig die Tür zum Flur. „Komm, Kleines, hier raus!“
Die Katze schoss wie ein Blitz aus dem Zimmer – aber nicht in den Flur, sondern direkt in den Gang des Hotels. Die drei Freunde sprangen hinterher und fanden sich in einem Labyrinth aus Gängen und Türen wieder.
„Warte!“, rief Marceau und rannte die Treppen hoch, „wir dürfen sie nicht aus den Augen verlieren!“
Die Katze bewegte sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit, huschte durch die Hotellobby, sprang auf einen freien Stuhl und von dort auf einen Tisch mit einer Vase voller Blumen. Dabei kippte sie die Vase um – Wasser und Blumen verteilten sich über den Boden.
„Oh nein, nicht schon wieder!“, fluchte Théo, während Éloïse versuchte, die Katze sanft zu fangen. Doch das flinke Tier entkam erneut und rannte in Richtung Aufzug.
„Vorsicht!“, rief Marceau, doch die Katze sprang genau in den Aufzug hinein, bevor jemand reagieren konnte.
„Was jetzt?“, fragte Éloïse, die sich schon den Kopf darüber zerbrach, wie sie das Chaos wieder in den Griff bekommen sollten.
„Wir müssen mit dem Aufzug runter“, entschied Théo. „Vielleicht wartet sie im Erdgeschoss auf uns.“
Der Aufzug stoppte – und die Tür öffnete sich. Doch anstatt der Katze stand dort eine ältere Dame mit strengem Blick und einem riesigen Hund an der Leine, der die drei Freunde neugierig musterte.
„Entschuldigung, haben Sie meine Katze gesehen?“, fragte Marceau hastig.
Die Dame schnaubte. „Wenn sie hier herumläuft, ist das nicht mein Problem. Und bitte passen Sie auf Ihren Hund auf!“
Der Hund schnüffelte an Marceaus Hose und wedelte freudig mit dem Schwanz, während die Katze plötzlich aus dem Nichts hinter der Dame auftauchte und schnurrend um ihre Beine strich.
„Na toll“, murmelte Éloïse. „Jetzt haben wir auch noch einen Hund mit im Spiel.“
„Das wird ja immer besser“, seufzte Théo und blickte zu Marceau. „Was machen wir jetzt?“
Bevor Marceau antworten konnte, sprang die Katze blitzschnell auf das Empfangspult, kletterte weiter auf den Kronleuchter und ließ einen kleinen Papierkorb zu Boden fallen, der prompt das Piepen eines Rauchmelders auslöste.
„Oh nein, nicht schon wieder Feueralarm!“, rief die Hotelmanagerin, die plötzlich aus einem Hinterzimmer stürmte und wild mit den Armen fuchtelte.
„Leute, ich glaube, das Chaos hat uns wieder eingeholt!“, lachte Éloïse, während sie versuchten, die Katze einzufangen, die jetzt mitten im Alarm und der Aufregung das Zentrum der Aufmerksamkeit war.
Und irgendwo, ganz leise, hörte man plötzlich wieder ein Miauen – aber diesmal klang es, als käme es nicht aus dem Hotel...